Aktualisiert 11.06.2008 19:31

DATENLECKTausende nackte Schweizer zur freien Ansicht

Wer auf ein Sex-Inserat bei www.okay.ch mit einem persönlichen Foto antwortet, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann mal vom Nachbarn darauf angesprochen wird. Denn die Bilder aus der Intimzone der grössten Schweizer Sexsite sind für alle frei einsehbar.

von
Manuel Bühlmann

«Ich habe eine Annonce aufgeben und prompt eine Antwort mit Bild darauf erhalten, berichtet 20-Minuten-Online-Leser I.K. (Name der Red. bekannt). Doch mit dem einen Foto musste er sich nicht zufrieden geben. Mit einem einfachen Kniff bekam er freien Zugang auf die Fotos von anderen sexwilligen Schweizern und Schweizerinnen.

Und die Betroffenen geben vor der Kamera alles: Die baren Okay-User rücken ihr bestes Stück in den Fokus, spreizen die Beine oder recken Brüste in die Kamera. Begleitet werden die lockenden Posen meist von auffordernder Mimik. Mal freundlich, mal verführerisch – aber immer unverpixelt ¬ stellen sich die kontaktsuchenden Mitglieder der Sex-Community zur Körperbeschau.

Das Leck noch nicht gestopft

I.K. fürchtete selbst um die eigene Anonymität und machte umgehend die Betreiber der Webseite auf die Sicherheitslücke aufmerksam. Genützt hat dies bisher nichts, denn die einfache Manipulation der URL funktioniert nach wie vor. 20 Minuten Online machte die simple Probe aufs Exempel und in der Tat: 1000 Bilder von nackten Usern flimmerten über den Redaktionsbildschirm. Ob dick, dünn, schwul, lesbisch, streng, verspielt etc, ein veritabler repräsentativer Durchschnitt der sexuellen Vorlieben flimmerte freundlich lächelnd am Betrachter vorbei.

Jede einzelne Person auf dem Bild deutlich zu erkennen. Für Sexualforscher eine höchst interessante Datensammlung. Eine erste Auswertung, soviel sei verraten, ergibt: Bei der Sexsuche sind die Männer zwar in der deutlichen Mehrheit, aber die Frauen sind deutlich fantasievoller, was die Selbstdarstellung angeht.

«Das ist natürlich sehr schlecht»

Angesprochen auf das Sicherheitsleck sagte Pietro Attardo, Besitzer und Verleger des Erotikmagazins OKAY, am vergangenen Freitag: «Das ist natürlich sehr schlecht und war nie unsere Absicht. Ich kann versichern, dass ich persönlich zum ersten Mal davon höre. Die IT-Abteilung wird sich umgehend darum kümmern, damit die Manipulation in Zukunft nicht mehr funktioniert.» Das ist inzwischen fünf Tage her. Bislang hat sich aber noch nichts getan, die Sicherheitslücke klafft nach wie vor.

Schlüpfriges Datenleck

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