Wankdorf-Horror bleibt : Cupsieger 2022! Lugano schockt harmlose St. Galler

Wankdorf-Horror bleibt Cupsieger 2022! Lugano schockt harmlose St. Galler

Der neue Cupsieger stammt aus dem Tessin. Der FC Lugano schlägt den FC St. Gallen verdient mit 4:1 und holt sich den Titel.

von
Nils Hänggi
Tiago Gysel
Lugano feiert den Titel

Lugano feiert den Titel

Der FC St. Gallen hatte vor dem Schweizer Cupfinal gegen Lugano ein Problem. Das Endspiel um den Titel fand im Wankdorf statt. Für die Espen ungut, da der letzte Sieg des FCSG im Berner Stadion vom Jahr 1998 datiert ist. Seither ging man 34 Mal nicht als Sieger vom Rasen. Vom Kunstrasen des neuen Wankdorfs seit Einweihung 2005 noch gar nie. Ein wahrer Wankdorf-Horror! Exakt diesen Fluch wollten die Espen an diesem Sonntag aber nun brechen – zumal sie schon im vorigen Jahr den Cupfinal verloren.

Das schafften sie aber nicht. Der Horror, er bleibt für den FCSG weiter bestehen. Lugano gewinnt den Final mit 4:1. Damit schnappen sich die Tessiner die Trophäe erstmals seit 1993 wieder. Die Partie war wild und über weite Strecken überzeugte das Team von Lugano-Coach Mattia Croci-Torti. Der Sieg war also verdient. Aber von Anfang an.

Lugano traf, St. Gallen war verzweifelt

Bereits in der vierten Minute schockte Celar die St. Galler. Nach einem Eckball durch Ziegler setzte sich der Luganesi durch und köpfelte das Runde ins Eckige. Die Espen waren fassungslos, die Fans einen Moment still. Doch dann fingen sich das Team und die Anhänger wieder und suchten, angepeitscht von ihren lautstarken Fans, den Ausgleich. Nach einer Unterbrechung – der Schiri pfiff die Partie kurz ab wegen einer Laserpointer-Attacke eines Fans aus dem Tessiner-Sektor – war es Maglica, der zum 1:1 traf. Das Wankdorf bebte fortan, beide Fan-Szenen unterstützten ihre Teams bedingungslos. Dennoch nahm die Intensität ab. Nach einem Fehler in der Espen-Abwehr bewies Custodio dann jedoch noch sein eiskaltes Näschen. Der Luganesi traf zum 2:1.

In der zweiten Halbzeit rannte die Mannschaft von Peter Zeidler an. Die St. Galler wollten den Ausgleich! Sie probierten viel, doch zu richtig gefährlichen Torchancen kamen sie nicht. Entweder waren die Schüsse zu ungenau oder aber ein Lugano-Mann hatte noch ein Bein dazwischen. Der Abwehrriegel der Tessiner hielt dem Druck stand. Und mehr noch: In der 58. Minute war es Bottani, der die Espen in ihrer Druckphase schockte und das 3:1 schoss. Die Folge: Die St. Galler rannten immer verzweifelter an, während die Tessiner es mit Kontern probierten. Die Stimmung? Absolut aufgeheizt. Bei den Spielern, Trainern – und auch den Fans.

Wankdorf-Horror bleibt

Und inmitten dieser traf dann Haile-Selassie gar noch zum 4:1. Dabei blieb es. Die Lugano-Spieler lagen sich nach dem Schlusspfiff in den Armen, die St. Galler sanken fassungslos zu Boden. Wieder schafften sie es nicht, den Wankdorf-Horror zu beenden, den Fluch im Berner Stadion zu brechen. Nach der Cupfinal-Pleite 2021 verlor die Mannschaft von Peter Zeidler erneut das Endspiel. Croci-Torti gelang derweil ein Meisterstück. Seit acht Monaten ist er Profitrainer und gleich schaffte er diesen grossen Triumph mit seinem Club. Der 40-Jährige sank nach Abpfiff auf die Trainerbank und weinte Freudentränen. Die Fans stürmten derweil nach Schlusspfiff den Platz und sorgten für ein Tollhaus.

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Sonntag, 15.05.2022

Das wars von uns!

Vielen Dank fürs Mitlesen an der 97. Austragung des Schweizer Cups. Bis zum nächsten Mal!

FCSG-Trainer Zeidler im Interview mit dem SRF

«Natürlich tut diese Niederlage weh. Wir müssen jetzt analysieren, was wir falsch gemacht haben. Es tut mir wirklich leid für die Fans, die uns all die Monate so tatkräftig unterstützt haben, aber wir haben es heute einfach nicht geschafft, diese Stimmung bis ganz zum Schluss zu konservieren. Darum haben wir heute leider verloren. Bei den Standards hat uns der FC Lugano kalt erwischt, danach haben wir aber klasse reagiert. Sie bleiben bei Konter natürlich immer gefährlich. Wir haben jetzt noch zwei Spiele vor uns, wo wir uns auch noch drauf freuen. Wir können jetzt nicht sagen, dass alles vorbei ist, nur weil die Enttäuschung gerade so gross ist. Natürlich bricht für einen persönlich eine Welt zusammen, aber ich hoffe dass die Sonne wieder aufgeht.»

Fabio Daprela im Interview

«Es ist mein erster Cupsieg, es ist unglaublich. Und das mit Lugano. Das fühlt sich an, wie wenn du 10 Cup mit einer grossen Mannschaft gewinnst. Bei uns passiert das nicht alle Tage, daher ist dieser Sieg heute einfach das Grösste. Für den Tessin ist dieser Cup sehr wichtig. Wir haben das gemerkt, als wir gegen Luzern weitergekommen sind. Da haben schon alle vom Final gesprochen, der Druck war gross. Schlussendlich konnten wir diesen aber aushalten und 4:1 gewinnen«, freut sich der Spieler des FC Lugano mit zwei Zigarren in der Hand.

(Interview: SRF)

Matthias Hüppi im Interview

Der Präsident des FC St. Gallen meint im Interview mit dem SRF: «Ich werde hier keine taktische Kritik abgeben, das ist nicht meine Aufgabe. Mir tut es mehr weh wegen des Publikums, das aus der ganzen Ostschweiz hierher gepilgert ist. Ich bin mit ihnen vom Bahnhof bis zum Stadion gegangen und das war eine unglaubliche Menschenmenge, die hierhergekommen ist. Vor allem ihnen hätte ich es richtig gegönnt heute. Wir können aber nicht davon absehen, dass es heute sportlich einfach nicht gereicht hat.

Zum Druck in der Mannschaft: »Eine Euphorie kann man nicht künstlich beeinflussen, positiv oder negativ. Daher waren wir auch so emotional, diese einfach laufen zu lassen. Du kannst den Spielern nicht sagen: Seid nicht euphorisch. Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass das ein 50:50-Spiel wird. Leider kam es dann anders, vor allem das Tor in der 44. Minute war saublöd. In dieser Phase waren wir nämlich besser im Spiel als unsere Gegner, behaupte ich. Wir müssen zugeben, dass es Lugano in den entscheidenden Situationen einfach besser gemacht hat.«

Zu den Fans: «Die Stimmung der Fans ist das, was uns trägt und motiviert. Aber auch das ist manchmal eine Gradwanderung. Wenn die Unterstützung und Euphorie so gross ist, hatte ich schon auch Angst bei dem Gedanken, was passiert, wenn wir die Fans enttäuschen heute. Ich weiss, dass der Grossteil der Fans zwar traurig, aber nicht wütend ist.»

Zum Platzsturm der FCSG-Hooligans: «Das ist nicht lustig, denen entgegenzustehen. Aber ich finde das falsch und sehe es als meine Aufgabe, gegen das anzugehen. Das wollen wir bei uns nicht. Ich habe dann auch schnell Hilfe von anderen erhalten.»

St. Galler Captain Lukas Görtler enttäuscht

«Es ist sehr bitter für uns, weil wir seit Wochen auf diesen Tag hinfieberten. Wir hatten einen tollen Mannschaftsgeist und haben alle am selben Strang gezogen. Die Mannschaft und die Fans hätten es nach den letzten Monaten wirklich verdient gehabt. Wenn es ein positives Fazit gibt dann ist es, dass ich stolz bin, St. Galler zu sein, nachdem man heute gesehen hat, was hier los war. Wir wollten für die Ostschweiz gewinnen, für unsere Fans aus der ganzen Region. Das war ein riesiger Traum, den wir ihnen heute leider nicht erfüllen konnten.»

(Interview: SRF)

Torti in Feierlaune

Im Interview mit dem SRF meint er: «Es ist unglaublich. Aber ich denke, wir haben es heute verdient, zu gewinnen und diesen Cup zu uns zu holen. Nach unserem Sieg gegen YB war es unser Ziel, den Final zu gewinnen. Wir haben alles gemacht, um hierher zu kommen und zu gewinnen. Schlussendlich haben wir mehr gemacht als die anderen. Wir waren gut vorbereitet und ich bin sehr zufrieden. Heute sind wir in die Geschichte des Clubs eingegangen, für mich ist das unglaublich. Zuerst war ich der erste Tessiner im Cupfinal, ab heute bin ich der erste Tessiner Trainer, der ihn gewinnen konnte. Heute konnte ich der Mannschaft viel Energie mitgeben. Das war aber nicht das Einzige, was wir richtig gemacht haben. Auch taktisch war es von uns ein unglaubliches Spiel.»

Amir Saipi klaut Perücke eines Fans

«Es ist einfach wunderschön. Keine Mannschaft war wegen des Kunstrasens im Vorteil. Wir haben uns viel vorgenommen und das gemacht, was uns der Trainer gesagt hat. Wir haben das Spiel gut analysiert im Voraus. Hier auch noch ein grosses Danke ans Staff, unglaublich, was sie alles geleistet haben.», meint der Torhüter im Interview mit dem SRF.

Rüegg & Selassie im Interview mit dem SRF

Kevin Rüegg: «Es ist so schön, so viele Fans sind hierhergefahren. Zwar waren zu Beginn die St. Gallen-Fans in der Mehrheit, aber jetzt sind hier nur noch unsere Anhänger auf dem Platz zu sehen, wunderschön.»

Maren Haile-Selassie: «Mein Auftrag war es, das Resultat zu halten. Aber umso schöner ist es, wenn ich noch mit einem Tor zum Erfolg beitragen kann. Wir waren zunächst überrascht, dass so viele unserer Fans hier sind. Grosses Dankeschön an alle, der Sieg ist natürlich auch für sie.»

Hier feiern die Lugano-Fans

Die Fans stürmen den Platz

Die Stimmung ist total ausgelassen, die Fans des FC Lugano stürmen den Platz und wollen mit den Spielern feiern. Vereinzelte St. Galler-Fans wollen die Party vermiesen, werden aber von Club-Präsidenten Hüppi persönlich aufgehalten und gebeten, der Party ihren Lauf zu lassen.

Schlusspfiff

93' Der Sieger des Schweizer Cups 2022 steht fest: Wir gratulieren dem FC Lugano zum verdienten Pokalsieg!

Frust bei den Ostschweizern

87' Das Spiel wird nun etwas ruppiger. Vermehrte Fouls und Unterbrechungen wegen Spielern, die gepflegt werden müssen. Da dämmert es wohl einigen Spielern, das in dieser Partie nicht mehr viel zu holen ist, was Frust auslösen kann.

St. Gallen nicht zwingend genug

83' St. Gallen rennt immer wieder an, wird aber spätestens am 16er von den Tessinern aufgehalten. Vielleicht klappt es mal mit einem Schuss aus der zweiten Reihe?

Luganer Publikumsliebling wird ausgewechselt

79' Mattia Bottani wird unter tosendem Applaus ausgewechselt. Der heimische Schütze zum wichtigen 3:1 ist einer der Publikumslieblinge beim FC Lugano. Für ihn kommt Amoura.

Dreifachwechsel bei St. Gallen

76' St. Gallen versucht mit frischen Kräften der Auswechselspieler noch etwas in diesem Finale zu bewirken. Raus sind Duah, Von Moos und Tannipawan. Für sie kommen Schubert, Fazliji und Toma.

Tooor! 4:1 für Lugano!

70' Celar steckt nach einem weiteren Konter der Tessiner für den frisch eingewechselten Haile-Selassie durch, der den Ball rechts am Torwart vorbeischieben kann. Die Stimmung im Stadion ist nach wie vor gewaltig.

Zuvor hat Julian Von Moos eine Grosschance für St. Gallen vergeben, die den Anschlusstreffer bedeutet hätte.

Riesenparade von Watkowiak

65' Nach einem gut gespielten Konter des FC Lugano kann Goalie Watkowiak noch als letzter Mann parieren. Aktuell ist Lugano näher am 4:1 als St. Gallen am Anschlusstreffer.

St. Galler Freistoss knapp am Tor vorbei

63' Victor Ruiz zirkelt einen gut platzierten Freistoss äusserst knapp am Lattenkreuz der Ticinesi vorbei.

TOOOOR für Lugano!

58' Die Spieler des FC Lugano bilden einen einzigen, jubelnden Haufen. Mattia Bottani trifft nach einer gut platzierten Flanke zum 3:1! Nun sind die Tessiner dem Pokalsieg einen grossen Schritt näher.

Gelb für Duah

55' Nach einem Zweikampf an der Seitenlinie sieht Kwadwo Duah die erste Gelbe Karte in diesem Spiel. FCSG-Trainer Zeidler, der direkt daneben stand, sieht das anders und macht seinen Unmut gestikulierend deutlich.

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