Tausende Türken erinnern an Hrant Dink

Aktualisiert

Tausende Türken erinnern an Hrant Dink

Mehrere tausend Menschen haben in Istanbul an den vor einem Jahr ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink erinnert. Auf Plakaten stand: «Für Hrant, für die Gerechtigkeit.»

Sie legten rote Nelken an der Stelle nieder, an der Dink am 19. Januar 2007 von einem mutmasslich extremistischen Jugendlichen am helllichten Tag erschossen worden war. Die Bluttat war international scharf verurteilt worden und hatte inmitten der Beitrittsgespräche mit der EU Fragen über die Pressefreiheit in der Türkei aufgeworfen.

Dink war einige Jahre vor seiner Ermordung wegen Verunglimpfung des Türkentums angeklagt worden, weil er Tod und Vertreibung zehntausender Armenier während des Ersten Weltkriegs als Völkermord bezeichnet hatte. Gleichwohl hatte er für eine Versöhnung zwischen Armeniern und Türken geworben.

Seine Frau Rakel Dink sagte bei der Gedenkveranstaltung am Samstag, sie werde weiter für die Aufklärung des Mordes kämpfen. Die Justizbehörden seien nicht allen Hinweisen auf eine Verwicklung staatlicher Stellen bei Mordkomplott gegen ihren Mann nachgegangen.

Der Prozess gegen den mutmasslichen Attentäter und 18 weitere Angeklagte findet hinter verschlossenen Türen statt und soll im Februar fortgesetzt werden. Die türkische Regierung hat eine vollständige Aufklärung des Verbrechens angekündigt. Trotz mehrerer Appelle hat sie den Paragrafen 301 («Beleidigung des Türkentums») im Strafgesetzbuch, nach dem Dink belangt wurde, bis heute nicht geändert. (dapd)

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