Aktualisiert 15.01.2015 13:57

Grosszügig

Tausende verschenken Pizza an Obdachlose

Ein Ex-Wall-Street-Banker eröffnet in Philadelphia eine Pizzeria. Die Pizza ist so günstig, dass man auch mal ein Stück verschenken kann. Und das tun Tausende.

von
mec
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Das ist Mason Wartman, der Besitzer von Rosa's Fresh Pizza.

Das ist Mason Wartman, der Besitzer von Rosa's Fresh Pizza.

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Der Ex-Wall-Street-Banker machte seinen Jugendtraum wahr und kaufte sich eine Pizzeria.

Der Ex-Wall-Street-Banker machte seinen Jugendtraum wahr und kaufte sich eine Pizzeria.

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Seine Pizzen sind recht günstig. Ein wähengrosses Stück kostet gerade mal einen Dollar, ein ganzes Blech acht.

Seine Pizzen sind recht günstig. Ein wähengrosses Stück kostet gerade mal einen Dollar, ein ganzes Blech acht.

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Die einen Pizzerias schmücken die Wände mit Fotos von Promis, die mal dort gegessen haben, bei Rosa's Fresh Pizza in Philadelphia sind die Wände mit Post-it-Zetteln und Briefen verziert. Die Zettel werden von den Kunden geschrieben, die einen Extradollar für die Pizza bezahlt haben, damit ein anderer auch ein Stück bekommt.

Mason Wartman war Banker an der New Yorker Wall Street. Als seine Karriere vor gut einem Jahr ihren Zenit erreicht hatte, kündigte er den Job und zügelte mit einer Viertelmillion Dollar Ersparnissen heim nach Philadelphia. Dort machte er seinen Jugendtraum wahr und eröffnete eine Pizzeria. Das Geschäft trägt den Vornamen seiner Mutter: Rosa's Fresh Pizza.

30 bis 40 Gratis-Pizzen pro Tag

Die Pizzeria war erst wenige Wochen offen, als Wartman von einem Kunden gefragt wurde, ob dieser ein Stück für einen Obdachlosen kaufen könne. Wartman bejahte und schrieb auf einen Post-it-Zettel «Ein Stück Pizza zu verschenken» und klebte diesen an die Wand. Andere Kunden sahen den Zettel und fanden die Idee toll. Das Stück Pizza kostet nur einen Dollar, da spendiert man gerne ein weiteres für einen Bedürftigen.

Die Wand wurde bunter und immer öfter tauchten Obdachlose auf, die sich scheu erkundigten, ob das mit der Gratis-Pizza stimme. Sie wurden angewiesen, einen Zettel von der Wand zu nehmen und damit zur Kasse zu gehen. Heute serviert Wartman 30 bis 40 Bedürftigen täglich je eines oder mehrere Stücke.

Der Pizzaiolo in der Talkshow

In den vergangenen neun Monaten haben die Kunden 8400 Stücke Pizza für ihre obdachlosen Mitmenschen gekauft. Wartman behielt den Überblick über die Prepaid-Pizzen bis die Wände mit mehr als 500 Zetteln übersät waren. Ab dem Zeitpunkt war das System nicht mehr überschaubar. In einer nächtlichen Aktion zählte er die Zettel und führt nun an der Kasse Buch. Die Kunden dürfen aber nach wie vor ein Post-it an die Wand kleben.

Zwischen den Zetteln sind immer wieder Dankesschreiben zu finden von Menschen, die bei Rosa's ihren Hunger auf Kosten anderer stillen durften – und anständig behandelt wurden. Die Idee wurde schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Wartman wurde sogar in Ellen DeGeneres' Talkshow eingeladen, wo er einen Check über 10'000 Dollar entgegennehmen durfte.

Wurzeln in Italien

Die ursprüngliche Idee stammt übrigens aus Italien. Der «Caffè sospeso» (aufgeschobener oder schwebender Kaffee) ist eine lokale Besonderheit der neapolitanischen Kultur. In vielen Bars der Stadt etablierte sich der Brauch, ausser dem eigenen Kaffee auch einen weiteren zu bezahlen. Dieser Kaffee wird vom Barista notiert und auf Nachfrage an einen Bedürftigen ausgeschenkt.

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