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Weniger Tote in JuárezTauwetter im Drogen-Eldorado

Ciudad Juárez gilt als die Hauptstadt des mexikanischen Drogenkrieges. Aus Angst vor der Gewalt verliessen tausende Bewohner die Stadt. Doch nun kommt wieder Leben in die Stadt.

von
aeg

Als die mexikanische Regierung unter Präsident Felipe Calderon den Drogenbanden im Jahr 2007 den Kampf ansagte, explodierte die Zahl der Toten förmlich. Eine Welle der Gewalt schwappte über das nordamerikanische Land. Mitten drin die Stadt Juárez an der Grenze zu den Vereinigten Staaten.

Dazu gibt es eindrückliche Zahlen. Im Jahr 2007, also vor der Kriegserklärung an den Drogenhandel, starben in der Grenzstadt mit rund 1,2 Millionen Einwohnern 300 Menschen eines gewaltsamen Todes. Ein Jahr später, 2008, stieg die Zahl auf 1607. Wieder ein Jahr später auf 2643 und im Jahr 2010 wurde die traurige Rekordmarke von 3117 Morden erreicht.

In dieser Zeit kam das öffentliche Leben in der Stadt Juárez beinahe völlig zum Erliegen. Restaurants und Bars blieben leer, in der Nacht war kaum noch jemand unterwegs. Wer konnte, verliess die Stadt in Richtung El Paso oder in irgend einen anderen Ort. Wie Guillermo Soria vom mexikanischen Wirtschaftsministerium dem Nachrichtensender CNN sagt, schlossen seit 2007 30 bis 40 Prozent der Geschäfte in Juárez ihre Tore.

Mexikanische Drogenfahrzeuge beschlagnahmt

«Es war sehr traurig»

Jetzt, so Soria, geht es wieder aufwärts: «Manchmal stoppte man nachts an einem Lichtsignal und man merkte, dass man ganz alleine auf der ganzen Strasse war. Es war sehr traurig», beschreibt er die Lage. Zu sehen, dass jetzt wieder Leute vor Läden und Restaurants anstehen, mache ihn glücklich.

Diesen Eindruck unterstreichen auch die neuesten Zahlen der Gewaltstatistik. Im vergangenen Jahr starben «nur» 1933 Menschen eines unnatürlichen Todes. Das sind rund 40 Prozent weniger als noch im Jahr 2010.

Glücklich ist darüber auch der Disco-Besitzer Mario Fierro. Er konnte nach mehreren Jahren Pause seinen Club «Tequila Frogs» wieder eröffnen. «Die Stadt fühlt sich nicht mehr wie ein Kriegsgebiet an», sagt er zu CNN. «Seit die Gewalt hier abgenommen hat, fühlen sich die Menschen wieder sicherer, viele, die geflüchtet sind, sind wieder zurück gekommen.»

Polizeichef räumt auf

Einen Grund für die rückläufige Gewalt findet man in der verstärkten Polizeipräsenz in der von Drogenbanden hart umkämpften Stadt. Tausende Soldaten und Polizisten wurden zusätzlich nach Juárez entsandt. Bürgermeister und Polizeichef wurden ausgetauscht.

Letzterer sorgte bereist in Tijuana für eine Reduktion der Gewalt. Nun beginnen Julian Leyzaolas Methoden auch in Juárez zu wirken. «Die Stadt war in einem Zustand der Anarchie. Es gab keine Autorität, die Polizei war nicht präsent», beschreibt Leyzaola die Situation. Mittlerweilen ist ihm unter anderen der Boss der mächtigen Bande «La Linea», Jose Antonio Acosta Hernandez oder «El Diego», ins Netz gegangen.

Kritiker, die ihm Menschenrechtsverletzungen vorwerfen, dürften anhand seines Erfolges verstummen. Die verbesserte Lage scheint sich aber auf die Stadt Juárez zu beschränken. Landesweit fielen in den ersten neun Monaten bereits 13 000 Menschen Morden zum Opfer. Also nicht weniger als in den letzten fünf Jahren, in denen der Drogenkrieg insgesamt 47 000 Opfer forderte.

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