Friedrichshafen D: Taxi-Mord am Bodensee bleibt rätselhaft
Aktualisiert

Friedrichshafen DTaxi-Mord am Bodensee bleibt rätselhaft

Auch rund zwei Monate nach dem Taximord vom Bodensee gibt der mutmassliche Täter grosse Rätsel auf. Der 28-jährige Mann, bis zu dem brutalen Verbrechen am 9. Juni als Kleinkrimineller bekannt, hüllt sich weiter in Schweigen.

Andrej Welz schweigt. (Polizeidirektion Konstanz)

Andrej Welz schweigt. (Polizeidirektion Konstanz)

Das Motiv liegt laut der Polizei völlig im Dunkeln. Ein Gutachter solle herausfinden, ob der gebürtige Russe mit deutschem Pass psychisch gestört ist. Die Staatsanwaltschaft Konstanz rechnet mit einer Anklage im Herbst. Wann es zum Prozess kommt, sei völlig offen, sagte ein Sprecher. Auch die Antwort auf ein Rechtshilfeersuchen an Russland stehe noch aus.

Die Ermittler wollen von den russischen Justizbehörden wissen, ob der Mann dort auch straffällig geworden ist. Der 28-Jährige steht im Verdacht, in Hagnau (Bodenseekreis) eine 32-jährige Taxifahrerin erstochen zu haben.

Am Tag zuvor soll er im nur wenige Dutzend Kilometer entfernten Singen (Kreis Konstanz) eine 44-jährige Taxifahrerin überfallen und vergewaltigt haben. Sie überlebte schwer verletzt, wird aber voraussichtlich teilweise gelähmt bleiben.

DNA-Probe führte zum mutmasslichen Täter

Die grausamen Bluttaten hatten die Bodenseeregion in Angst und Schrecken versetzt. Vier Tage später wurde der Verdächtige in Brandenburg gefasst. Die Ermittler waren ihm mit einer DNA-Probe auf die Spur gekommen, die ihm nach mehreren Diebstählen 2007 im Raum Singen abgenommen worden war.

Die Sonderkommission (Soko) «Taxi» in Friedrichshafen hat immer noch alle Hände voll zu tun. Die derzeit noch 15 Mann starke Truppe versucht vor allem, den Tathergang zu rekonstruieren. «Es gibt noch kein komplettes Bild», sagte ein Polizeisprecher.

Über 700 Hinweisen und Spuren ist die Soko nachgegangen. Demnach stieg der 28-Jährige am Bahnhof in Friedrichshafen in das Taxi seines späteren Opfers, liess sich auf die Blumeninsel Mainau chauffieren und dirigierte den Wagen auf der Rückfahrt zum Strandbad in Hagnau.

Spendenkonto für Hinterbliebene

Weiterhin verschwunden ist die Handtasche der Fahrerin. Gefunden wurde dagegen inzwischen das Fluchtfahrrad des mutmasslichen Täters, das er gestohlen hatte.

Nach dem Mord setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft für die zwei hinterbliebenen Kleinkinder der Taxifahrerin ein. Hagnau und Friedrichshafen eröffneten ein Spendenkonto, auf das bereits 50'000 Euro geflossen sind. «Aber kein Geld der Welt ersetzt die Mutter», sagte Hagnaus Bürgermeister Simon Blümcke. Auch der Arbeitgeber der Taxi-Fahrerin sammelt für die Opfer. (sda)

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