Aktualisiert 06.07.2009 13:07

Wildwest am TaxistandTaxichauffeur schlägt Kunden tot

In Amsterdam hat ein 44-jähriger Mann in der Nacht auf Sonntag eine abfällige Bemerkung gegenüber einem Taxifahrer mit dem Leben bezahlt.

von
dhr

Der Kunde hatte der niederländischen Zeitung «De Telegraaf» zufolge den Taxichauffeur am Amsterdamer Leidseplein um halb fünf gefragt, wie viel eine Fahrt nach Badhoevedorp (knapp zehn Kilometer) koste. Als der Chauffeur darauf einen Preis von 50 Euro nannte, machte der Kunde eine verächtliche Bemerkung («F*** you»). Dies hätte er besser unterlassen, denn der Taxifahrer ging auf ihn los und schlug ihm die Faust mitten ins Gesicht. «Polizisten sahen, wie es passierte, aber bevor sie eingreifen konnten, lag der Mann schon am Boden. Es war ein Schlag mitten ins Gesicht», sagte Polizeisprecher Rob van der Veen. «Es geschah blitzschnell. Wir haben den 37-jährigen Chauffeur sofort verhaftet.» Der Tote hinterlässt drei Kinder.

Folgen der Liberalisierung

Der Vorfall hat in Amsterdam grosse Wut und Bestürzung ausgelöst, aber er kommt für Kenner der Situation am Leidseplein nicht völlig überraschend. Der «Telegraaf» nennt das fatale Ereignis den «traurigen Tiefpunkt einer seit Jahren bestehenden Wildwest-Situation am Taxistandplatz eines der grössten Ausgehgebiete unseres Landes». Auch an anderen Orten in Amsterdam gebe es Probleme mit Taxihaltern: Seit der Liberalisierung des Taxi-Markts im Jahr 2000 darf jeder Taxi fahren. Dies hat an Brennpunkten wie dem Leidseplein zu einem erbitterten Konkurrenzkampf geführt. Der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen sprach der Zeitung zufolge von einem «entsetzlichen» Vorfall. Es müsse nun «verdammt schnell ein neues Taxigesetz kommen.»

Touristen werden regelrecht ausgenommen

Vor allem Taxifahrer marokkanischer Herkunft dominierten, so der «Telegraaf», das Geschehen am Leidseplein. Sie würden oft kurze Fahrten verweigern oder dann extrem hohe Preise dafür fordern. Kunden, die das nicht akzeptieren wollten, würden bedroht. Gerade ausländische Touristen würden von den Fahrern oft regelrecht ausgenommen – und müssten dann erst noch oft genug an einem ganz anderen Ort aussteigen als verlangt.

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