Kanton Obwalden: Taxifahrer hielt Räuber zuerst für Gotcha-Spieler
Aktualisiert

Kanton ObwaldenTaxifahrer hielt Räuber zuerst für Gotcha-Spieler

Ein maskierter Täter hat am Montag einen 22-jährigen Taxifahrer zwischen Kerns und Ennetmoos überfallen. Das Opfer war geschockt: «Ich fahre jetzt nur noch mit Pfefferspray.»

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bus

Im Video schildert der 22-jährige Taxifahrer Benjamin Häberli den Tathergang.

Am Montagmorgen um 5.30 Uhr wurde zwischen Kerns und Ennetmoos der 22-jährige Taxifahrer Benjamin Häberli kurz vor Ende seiner Nachtschicht ausgeraubt. Zu dem Überfall kam es, als der Täter ein Taxi zum Parkplatz bei der Einfahrt Kernwald bestellt hatte. In einer nahe gelegenen Holzhütte lauerte der Täter Benjamin Häberli auf. «Ich dachte zuerst, dass der Mann nicht mein Kunde, sondern irgendein Mann ist, der mit seinen Kumpels in der Nähe mit Gotcha-Pistolen spielt. Erst später bemerkte ich, dass die Pistole echt ist und er Gummihandschuhe trug. Der Schock war riesig.»

Der Täter hielt Häberli die Schusswaffe an den Kopf und forderte ihn auf, ihm die Einnahmen der Nacht im Taxi zu geben. «Als ich nicht sofort einwilligte, schlug er mir mit einem Schlagring an den Hals. Danach habe ich ihm das Geld ausgehändigt.»

Flucht auf die Rückbank

Im selben Moment begann das Firmenhandy von Häberli zu klingeln. «Es war meine Chefin, die blöderweise im falschen Moment anrief. Sofort schnappte sich der Täter das Telefon, warf es auf den Boden und trat mehrmals darauf ein. Als er auch noch den Taxischlüssel an sich riss, ist er endlich abgehauen.»

Zu Häberlis Glück entdeckte der Täter nicht auch noch sein Privathandy, das wenige Zentimeter neben dem Firmentelefon auf dem Armaturenbrett lag. «Nachdem der Täter ausser Sichtweite war, flüchtete ich auf die hinterste Rückbank des Autos und legte mich flach auf den Fussboden. Von dort aus alarmierte ich mit dem übrig gebliebenen Handy die Polizei.» Diese traf Minuten später mit einem Grossaufgebot bei mir ein», sagt Häberli. «Nachdem sie sicherstellten, dass mir nichts passiert ist, schickten sie auch schon die ersten Suchhunde los.»

Einmaliger Vorfall

«So etwas ist mir in meinen vier Jahren als Taxifahrer noch nie passiert», sagt Häberli. «Auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen aus der Region nicht.» Obwohl die Kantonspolizeien Obwalden, Nidwalden und Luzern sowie die Militärpolizei mit zwei Diensthunden sofort vor Ort waren, konnte der Täter bis dato nicht gefasst werden. Nun suchen sie nach Zeugen.

Der Täter soll zirka 185 cm gross und von schlanker Statur sein. Er trug helle Schuhe, eine dunkle Jeans sowie eine schwarze Sportjacke. Sein Gesicht verdeckte er mit einer Sturmkappe mit ausgeschnittener Augenpartie und einem weissen Halstuch. Der Mann trug durchsichtige Gummihandschuhe. «Zudem redete er mit Nidwaldner Dialekt. Er muss also von hier gewesen sein», sagt Häberli weiter. «Angst vor den nächsten Taxifahrten habe ich nicht. Trotzdem werde ich künftig mit einem Pfefferspray herum fahren und den Motor immer laufen lassen, damit ich bei einem Überfall sofort wegfahren kann.»

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