Aktualisiert 28.07.2016 09:43

ZürichTaxifahrer lässt behindertes Kind stehen

Ein Taxi holt A. M. wie üblich von der Schule ab und soll ihn nach Hause bringen. Doch dort kommt der 12-Jährige nicht an. Die Mutter schaltet die Polizei ein.

von
jen
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Die heilpädagogische Sonderschule Gubel in Zürich-Oerlikon. Hier wird A. täglich von einem Taxi abgeholt und nach Hause gefahren.

Die heilpädagogische Sonderschule Gubel in Zürich-Oerlikon. Hier wird A. täglich von einem Taxi abgeholt und nach Hause gefahren.

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Am Mittwoch (13.7.2016) soll das aber anders gelaufen sein.

Am Mittwoch (13.7.2016) soll das aber anders gelaufen sein.

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Der Taxifahrer holte den Jungen zwar an der Schule ab. Doch er fuhr ihn nicht an seinen Wohnort in Zürich-Affoltern, sondern lud A. in Seebach aus. Daraufhin stieg der völlig orientierungslose Junge in einen Bus.

Der Taxifahrer holte den Jungen zwar an der Schule ab. Doch er fuhr ihn nicht an seinen Wohnort in Zürich-Affoltern, sondern lud A. in Seebach aus. Daraufhin stieg der völlig orientierungslose Junge in einen Bus.

jen

A. M. geht in die heilpädagogische Sonderschule Gubel in Zürich-Oerlikon. Seit seiner Geburt ist er geistig behindert. So kann er nicht lesen und nicht richtig sprechen. Nach der Schule wird er immer von einem Taxi nach Hause gebracht. Am Mittwoch vor zwei Wochen soll das aber anders gelaufen sein.

Laut A.s Bruder G. V. hat es sich wie folgt zugetragen: Ein Taxi des Taxiunternehmens, welches A. seit zwei Jahren jeweils zur Schule und wieder nach Hause fährt, holte den 12-Jährigen um 18 Uhr zwar ab. Doch er wurde nicht an seinen Wohnort in Zürich-Affoltern gefahren, sondern in Seebach ausgeladen. Daraufhin stieg der völlig orientierungslose Bub in einen Bus.

Die Mutter und der Bruder machten sich derweil Sorgen. Es war bereits nach 19 Uhr und A. war noch immer nicht zu Hause. Normalerweise ist dies kurz nach 18 Uhr der Fall. Sie riefen die Polizei an. Michael Walker, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, bestätigt dies: «Die Meldung ist kurz nach 19.30 Uhr bei uns eingegangen. Durch die Einsatzzentrale wurde sofort ein Streifenwagen losgeschickt und weitere Abklärungen getätigt.» In der Zwischenzeit waren Billettkontrolleure in einem VBZ-Bus auf den Jungen aufmerksam geworden. Er wurde nach Hause gebracht.

«Ein Einzelfall»

Regina Kesselring, Sprecherin des Stadtzürcher Schulamts, sagt, dass es sich um einen Einzelfall handele: «Der Fahrer, der A. seit zwei Jahren fährt, ist erkrankt und ersetzt worden.» Normalerweise gelte, dass das Kind persönlich den Eltern übergeben werden müsse.

Die Taxifahrer würden darüber hinaus in einer jährlichen Weiterbildung informiert. «Der Ersatztaxifahrer hat die Instruktionen vermutlich nicht richtig verstanden», sagt Kesselring weiter. «Es gab sonst noch nie Probleme mit dem Unternehmen.»

Urs Dettlin, Sprecher von Pro Infirmis, verurteilt diesen Einzelfall: «Was passiert ist, ist sehr schlecht. Da hat das Taxiunternehmen versagt.» Er sehe in diesem Einzelfall eine Verletzung der Sorgfaltspflicht. Der Auftrag sei nicht richtig ausgeführt worden: «Die Betroffenen könnten über eine Entschädigung nachdenken.»

Bis heute keine Reaktion

Das Taxiunternehmen hat sich bis heute nicht bei der Familie von A. gemeldet. Auf das Beschwerdeschreiben der Mutter folgte keine Reaktion. Auch gegenüber 20 Minuten will der Geschäftsinhaber der Firma keine Stellung beziehen und legt den Hörer auf.

Die Mutter klärt nun mit der Schule ab, ob es eine andere Möglichkeit gibt, den Jungen in die Schule zu bringen und von der Schule abzuholen. Denn das Taxiunternehmen wird von der heilpädagogischen Sonderschule Gubel organisiert. Die Mutter will aber nicht mehr, dass ihr Sohn vom besagten Taxiunternehmen chauffiert wird.

«Ich bin wütend auf diese Leute, zumal sie sich bis heute nicht dafür entschuldigt haben», sagt der Bruder. Dennoch ist er froh, dass A. nichts passiert ist: «Ich hatte wirklich Angst um ihn – sonst hätte ich die Polizei nicht informiert.»

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