Aktualisiert 02.09.2015 10:44

Kampf um Fahrgast

Taxifahrer liefern sich Wettrennen mit 125 km/h

Wer krallt sich einen Fahrgast zuerst? Zwei Zürcher Taxifahrer rasten deswegen mit bis zu 125 km/h übers Mythenquai. Beide sind ihren Job los – und nun auch verurteilt.

von
A. Szenogrady
Für zwei Zürcher Taxifahrer endete das Wettrennen um einen Fahrgast vor dem Richter.

Für zwei Zürcher Taxifahrer endete das Wettrennen um einen Fahrgast vor dem Richter.

Bei diesem Autorennen gab es zum Schluss nur Verlierer. «Ich habe alles verloren», beklagte sich Ex-Taxifahrer Nummer 1 am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich. Der eingebürgerte frühere Kosovare musste nach dem Wettrennen nicht nur seinen Führerausweis, sondern auch seine Taxi-Lizenz abgeben. Der 51-jährige Vater lebt heute von der Sozialhilfe.

Ex-Taxifahrer Nummer 2 hat ebenfalls seine Lizenz und damit seinen Job verloren. Zudem wurde das Einbürgerungsgesuch des heute 43-jähigen Iraners wegen des Strafverfahrens gestoppt. Er schlägt sich heute als Lagerist durch.

«Gegen Ehrenkodex verstossen»

Das unglaubliche Wettrennen fand auf den 29. Dezember 2013 statt. Damals standen beide Taxihalter in den frühen Morgenstunden im Einsatz und fuhren um 2.30 Uhr hintereinander durch das Mythenquai stadteinwärts. Beide Männer wollten zuerst beim Taxistandplatz am Bellevue eintreffen und drückten deshalb auf das Gaspedal.

Dabei versuchte der iranische Lenker seinen Berufskollegen über die Busspur rechts zu überholen. «Er hat damit gegen den Ehrenkodex der Taxizunft verstossen», beschwerte sich Taxifahrer Nummer 1 vor Gericht. Allerdings beschleunigte auch er massiv. Bis beide Lenker mit bis zu 125 statt der erlaubten 60 Stundenkilometer über den Asphalt rasten. Zu ihrem Pech wurde eine Polizeipatrouille auf das Taxirennen aufmerksam und nahm kurz darauf beide Raser fest.

Je ein Jahr Gefängnis bedingt

Nun folgten vor Gericht die strafrechtlichen Konsequenzen. Beide geständigen und reumütigen Ex-Taxifahrer kassierten wegen groben qualifizierten Verkehrsdelikten bedingte Freiheitsstrafen von je einem Jahr. Staatsanwalt Jürg Boll hatte sogar je 14 Monate bedingt gefordert. So weit ging das Gericht allerdings nicht. So seien beide Beschuldigten bereits durch die Nebenfolgen des Strafverfahrens massiv betroffen worden, erklärte der Vorsitzende.

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