Verurteilt: Taxifahrer schlug Kundin k. o.
Aktualisiert

VerurteiltTaxifahrer schlug Kundin k. o.

Ein Taxifahrer aus Dübendorf hat eine renitente Kundin k.o. geschlagen. Was das Obergericht als schlicht beschämend bezeichnete und den Chauffeur mit 1000 Franken büsste.

von
Attila Szenogrady

Eine einzige Sekunde der Unbeherrschtheit kommt einen heute 47-jährigen Taxichauffeur aus Dübendorf sehr teuer zu stehen. So wurde er am Montag vom Zürcher Obergericht nicht nur wegen Tätlichkeiten zu 1000 Franken Busse verurteilt. Er muss zusätzlich sämtliche bisher aufgelaufene Gerichtskosten von über 4 500 Franken tragen. Zudem muss er seinen unterlegenen Rechtsanwalt bezahlen. Nicht zuletzt droht ihm im schlimmsten Fall der Entzug der beruflichen Konzession.

Zahnarztassistentin mit Schlag betäubt

Der eingeklagte Vorfall ging auf den 9. Dezember 2007 zurück. Damals stand der Dübendorfer im Nachteinsatz und fuhr auch zum Central nach Zürich. Dort wurde er von drei jungen Passantinnen angesprochen. Als die bereits eingestiegenen Kundinnen den Fahrpreis im Voraus abmachen wollten, kam es zum Streit. Die Frauen verliess aufgebracht das Fahrzeug, wob ei eine heute 26-jährige Zahnarztassistentin demonstrativ die Taxitüre heftig zuknallte.

Der wütende Lenker stieg sogleich aus und schlug von hinten mit der Hand gegen die linke Gesichtshälfte der Kundin. So wuchtig, dass die Geschädigte betäubt zusammensackte und für einige Sekunden bewusstlos am Boden lag. Kurz darauf erstatte das Opfer Strafanzeige bei der Polizei.

Bloss einen Angriff abgewehrt?

Am Montag beschäftigte die Angelegenheit das Zürcher Obergericht. Der Taxihalter wehrte sich gegen einen erstinstanzlichen Schuldspruch des Bezirksgerichts Zürich. Dieses hatte den Schweizer Familienvater im letzten Sommer wegen Tätlichkeiten mit 1000 Franken gebüsst. Obwohl die erste Instanz sowohl eine Körperverletzung sowie eine bedeutend höhere finanzielle Sanktion von insgesamt über 11 000 Franken verneint hatte, war der Angeklagte nicht zufrieden und liess seinen Rechtsvertreter auf einen vollen Freispruch plädieren.

Rassismus geltend gemacht

Der Angeklagte bezichtigte die Geschädigte und ihre Begleiterinnen der blanken Lügen. So sei er von der Hilfsdentistin attackiert worden. Er habe sie nur abgewehrt, rechtfertigte er sein Verhalten. Der Verteidiger sprach gar von Rassismus, da sein in Bosnien geborener Klient als «machohafter Jugo» sowie als rüpelhafter Taxifahrer vorverurteilt worden sei. Sein Mandant sei vielmehr nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten freizusprechen.

Weltfremde Behauptungen

Das Obergericht verwahrte sich dagegen, dass eine rassistische Fallbeurteilung vorliege. Der Vorsitzende Stefan Volken verwies darauf, dass der Angeklagte Schweizer sei und die Geschädigte einen ausländischen Namen trage. Es seien vielmehr seine weltfremden Aussagen, die zu recht zum Schuldspruch gegen den Taxihalter geführt hätten. Das Obergericht schloss einen Komplott der Frauen aus und bestätigte den erstinstanzlichen Schuldspruch einstimmig. Volken gab dem Angeklagten zum Schluss einen guten Tipp: Er sollte künftig sein Temperament zügeln. Das Verhalten des Beschuldigten mit dem Schlagen einer Frau bezeichnete das Obergericht schlicht als beschämend.

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