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Stadt ZürichTaxifahrer tritt wegen Uber in den Hungerstreik

Der Lohn reiche kaum mehr, Demos brächten zu wenig und die Politik schaue nur zu: Der Zürcher Taxifahrer Serif Kaya ist verzweifelt – und isst deshalb ab Sonntag nichts mehr.

von
rom

Vielen Stadtzürcher Taxifahrern geht es mies. Zuerst schnappten ihnen die Landtaxis Kunden weg, inzwischen ist es auch noch der Fahrdienstanbieter Uber. Vor allem Uber. Sagt jedenfalls Serif Kaya. Der 50-Jährige fährt seit vielen Jahren Taxi in der Stadt Zürich für die Taxizentrale 444.

«Bis vor ein paar Monaten konnte ich meine Familie ernähren, hatte nie Probleme – nun steigen die Schulden», sagt der Kurde, dessen Kinder 5 und 3 Jahre sowie 9 Monate alt sind. Weil es so nicht mehr weitergeht, hat er einen Plan: Statt auf das Sozialamt zu gehen, will er ab Sonntag, 9 Uhr in den Hungerstreik treten.

Sein Taxi wird er dazu auf einem der Standplätze beim Rathaus am Limmatquai platzieren, sich hineinsetzen und streiken. Eine Kollegin besorgt ihm Plakate und Tee. Übernachten werde er im Taxi. «Ich will mit diesem friedlichen Protest auf die schwierige Situation von uns Taxifahrern aufmerksam machen», sagt Kaya.

Er wollte mit Walker Späh sprechen

Dass der Kanton Zürich das neue Taxigesetz verabschiedet hat, ohne darin Uber zu verbieten, sei ungerecht und unmenschlich. «Ich habe deswegen auch mal versucht, bei Regierungsrätin Walker Späh einen Termin zu erhalten – vergeblich», so Kaya.

Es ist anzunehmen, dass eine Audienz kaum viel bringen würde. Denn Carmen Walker Späh, Volkswirtschaftsdirektorin der Freisinnigen, sagte erst kürzlich zu 20 Minuten, dass sie ein Verbot von Uber ausschliesse: «Einen Marktteilnehmer vom Wettbewerb auszuschliessen, ist nicht mit der in der Bundesverfassung verankerten Wettbewerbsfreiheit vereinbar.»

Am Montag um 17 Uhr ist Schluss

Kaya kennt diese Begründung, doch er hat kein Verständnis dafür. Deshalb war er Ende Februar bereits in Bern bei der grossen Anti-Uber-Demo dabei. «Brachte leider zu wenig.» Und jetzt also der Hungerstreik. «Wenn man friedlich gegen etwas kämpft, kann man auch etwas erreichen», ist er überzeugt. Und wie lange soll der Hungerstreik dauern? Kaya sagt: «Am Montag um 17 Uhr ist Schluss, weil danach die nächste Aktion beginnt.»

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