Zürich: Taxifahrer zocken Kunden ab, die mit Euro bezahlen
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ZürichTaxifahrer zocken Kunden ab, die mit Euro bezahlen

Wer in Zürich oder Bern eine Taxifahrt mit Euro zahlt, zahlt bis zu 20 Franken mehr: Viele Fahrer berechnen den Umrechnungskurs eins zu eins. Das bringt Touristen auf die Palme.

von
som
Wenn man in Zürich ein Taxi mit Euro bezahlt, muss man teilweise viel drauflegen.

Wenn man in Zürich ein Taxi mit Euro bezahlt, muss man teilweise viel drauflegen.

Peter H.* ist sauer auf die Zürcher Taxifahrer. Grund für seinen Ärger: Eine Freundin aus Deutschland hatte neulich vom Hauptbahnhof ein Taxi genommen. Da sie gerade erst in der Schweiz angekommen war, hatte sie nur Euro dabei. «Der Fahrer sagte ihr, dass er das Geld annehme - allerdings würde er den Umrechnungskurs eins zu eins verrechnen.» Will heissen: Für die 17 Franken teure Fahrt verlangte er 17 Euro. «Das ist doch viel zu viel. Bei einem Kurs von 1.20 hätte sie nur 14 Euro bezahlen müssen», so H. Er dachte zuerst, der Taxifahrer habe sich geirrt. Doch als er sich bei der Zentrale erkundigte, wurde er eines Besseren belehrt - dies sei üblich, hiess es dort. Für H. unverständlich: «Damit werden doch Touristen und Geschäftsleute im sonst schon teuren Zürich abgezockt.»

«Im Gegenteil», findet ein Taxifahrer, der anonym bleiben möchte: Er berechnet bei Fahrten von bis zu 100 Euro einen Kurs von eins zu eins: «Die meisten meiner Kollegen handhaben das so.» Dass die Kunden damit bis zu 20 Franken mehr bezahlen, findet er gerechtfertigt: «Schliesslich habe ich auch einen Aufwand, wenn ich zur Bank gehe und lege beim Geldwechseln drauf.»

Auch Täxeler-Kollegen im Kanton Bern wechseln den Euro 1:1. «Bei kleineren Beträgen mache ich das oft so. Wir sind ja nicht in einem Euro-Land», gibt ein Thuner Taxifahrer offen zu. Dasselbe in Biel oder der Bundesstadt. «Es ist den Chauffeuren überlassen, wie sie das handhaben», heisst es bei einem Taxi-Unternehmen in Bern.

Touristiker sind besorgt

Darüber schüttelt José Martinez, Inhaber von Joker Taxi Zürich, nur den Kopf: «Die Bank verlangt doch keine 20 Franken fürs Wechseln.» In seinen Taxis werde der Eurokurs korrekt abgerechnet: «Wer einen Eins-zu-eins-Kurs nimmt, zieht die Kunden über den Tisch und rückt die ganze Branche in ein schlechtes Licht.» Er bedauert, dass es schwarze Schafe gibt: «Wenn ein Fahrer einen solchen Aufschlag verlangt, sollte man sich unbedingt wehren.» Dies kann man jedoch nur tun, wenn der Wechselkurs nicht zu Beginn der Fahrt vereinbart wurde oder der Preis den gesetzlichen Höchsttarif überschreitet, so Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei: «Zudem sollte man bei der Anzeige eine Quittung als Beweis mitbringen.»

Bei der Berner Gewerbepolizei heisst es ganz klar: «Es ist wichtig, dass dem Fahrgast ein solcher Wechselkurs vorher bekannt ist, damit er entscheiden kann, ob er sich darauf einlässt», betont Sprecher Marc Heeb.

«Ein solcher Kurs ist nicht fair»

Dass man gegen solche Praktiken vorgehen sollte, findet auch Milan Prenosil, Präsident der Zürcher Detailhandelsorganisation City Vereinigung: «Ich kann es zwar nachvollziehen, wenn man bei einer Zahlung mit Euro einen kleinen Aufpreis verlangt.» Ein Eins-zu-eins-Kurs sei nicht fair: «Mir ist auch nicht bekannt, dass dies die Läden hier tun.» Dass man im Ausland auch nicht mit Schweizer Franken zahlen kann, zählt für ihn nicht: «Wir sind von Euro-Ländern umgeben und sollten unseren Kunden aus dem Ausland schon etwas entgegenkommen.»

Bei Zürich Tourismus will man zu diesem Thema keine Stellung beziehen. Anders in Bern: «Ein solches Vorgehen ist nicht touristenfreundlich und könnte negative Auswirkungen auf das Image einer Stadt haben. So etwas sollte es heutzutage nicht mehr geben», sagt Bern-Tourismus-Sprecherin Nicole Schaffner.

* Name der Redaktion bekannt

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