14.12.2018 12:48

An KonzertTaylor Swift sucht Stalker per Gesichtserkennung

Mit Hightech lässt sich eine Person in einer Menschenmenge in nur wenigen Sekunden identifizieren. Dies machen sich Behörden, aber auch Stars zunutze.

von
tob
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«Ich wusste, dass du Probleme machst, als du reinkamst», sang der Popstar Taylor Swift schon 2012.

«Ich wusste, dass du Probleme machst, als du reinkamst», sang der Popstar Taylor Swift schon 2012.

Dass das sozusagen wortwörtlich gemeint war, zeigt ein Bericht des «Rolling Stone».

Dass das sozusagen wortwörtlich gemeint war, zeigt ein Bericht des «Rolling Stone».

Getty Images/Christopher Polk/tas18
Das Musikmagazin berichtet, dass die Zuschauer fotografiert worden seien, um per Gesichtserkennung Stalker des Popstars entdecken zu können. Die Bilder wurden mit einer entsprechenden Datenbank in einer Einsatzzentrale abgeglichen. (Foto: Symbolbild)

Das Musikmagazin berichtet, dass die Zuschauer fotografiert worden seien, um per Gesichtserkennung Stalker des Popstars entdecken zu können. Die Bilder wurden mit einer entsprechenden Datenbank in einer Einsatzzentrale abgeglichen. (Foto: Symbolbild)

Bloomberg

«I knew you were trouble when you walked in», singt Taylor Swift im einem Lied von 2012. Dass das durchaus wortwörtlich gemeint ist, zeigt nun ein Bericht des «Rolling Stone». Das Musikmagazin schreibt, dass an ihrem Konzert in Pasadena in Kalifornien im Mai 2018 Hightech zum Einsatz gekommen sei, um Stalker zu identifizieren.

So hing an einem Kiosk ein Bildschirm, der Videos von Proben der Show zeigte. Was die Zuschauer nicht wussten: Wer sich die Clips ansah, wurde fotografiert. Die Bilder wurden dann nach Nashville im US-Bundesstaat Tennessee in eine Einsatzzentrale übertragen. In diesem «Kommandoposten» wurden die Fotos automatisch mit Bildern von Hunderten von Stalkern des Popstars abgeglichen.

Vormarsch der Technologie

Das Vorgehen wirft viele Fragen auf, die «Rolling Stone» jedoch nicht beantwortet. Denn der Text ist nur eine Anekdote in einer grösseren Geschichte zum Thema «Zukunft der Unterhaltung».

Es ist auch nicht bekannt, ob Taylor Swift selbst von dem Einsatz der Gesichtserkennungstechnologie wusste oder ob damit Stalker identifiziert wurden. Der Einsatz der Technologie in einem Stadion ist jedoch wenig überraschend. So setzte zum Beispiel der EV Zug in der Bossard-Arena schon im Jahr 2012 ein Videoüberwachungssystem mit Gesichtserkennung ein, um die Stadionsicherheit zu erhöhen. Zugriff auf diese Daten hatten nur Staatsanwaltschaft und Polizei, wie die «Neue Luzerner Zeitung» damals berichtete.

Gesuchte Person unter 60'000 Fans

Wie effizient die Technologie ist, zeigt ein Fall aus China. Im April 2018 besuchte ein 31-Jähriger ein Konzert des Kantopop-Sängers Jacky Cheung aus Hongkong. Die Show fand in Nanchang in der Provinz Jiangxi mit 45,9 Millionen Einwohnern statt. 60'000 Fans besuchten das Konzert. Was der 31-Jährige – der von der Polizei gesucht wurde – nicht wusste: Am Eingang wurde jedes Gesicht gescannt.

Während Cheung gerade über eine Sommerromanze sang, wurden die Polizisten aktiv. Noch bevor der Refrain zu Ende war, wurde der Mann aus dem Publikum eskortiert, wie der «Sydney Morning Herald» damals schrieb. «Er war völlig schockiert, als wir ihn weggebracht haben», erklärte der Polizeioffizier Li Jin gegenüber der Nachrichtenagentur Xinhua. Mit dem gleichen System wurden im August 25 weitere Personen an einem Bierfestival mit mehr als zwei Millionen Besuchern gefasst.

Von Kühen und Menschen

Die chinesischen Behörden hoffen, mithilfe der Technologie mehr Verdächtige aufzuspüren und dereinst sogar Verbrechen vorherzusagen. Mit der Verhaltensanalyse beschäftigt sich auch David Hunt, der CEO von Cainthus. Die irische Firma setzt Überwachungskameras und computergestütztes Sehen ein, um das Verhalten von Nutzvieh vorherzusagen. Hunt beschreibt es gegenüber dem «New Yorker» etwas salopp als «Gesichtserkennung für Kühe».

In einigen Jahren werde man entscheiden müssen, inwiefern man diese Technologie auf Menschen übertrage, sagt Hunt. Mit ihrer Technologie könnten etwa Profisportler beim Training unterstützt oder Krankheiten diagnostiziert werden, bevor überhaupt Symptome für den Mensch sichtbar seien. Er mahnt aber auch zur Vorsicht. Es sei ein gefährliches Werkzeug, wenn es in die falschen Hände gerate. Hunt: «Wenn du dich nicht unglaublich bedroht fühlst, wenn du das erste Mal davon hörst, verstehst du nicht, was es ist.»

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