Kein Rettungsflieger: TCS-Versicherte stirbt in Hurghada
Aktualisiert

Kein RettungsfliegerTCS-Versicherte stirbt in Hurghada

Zu schlechter Gesundheitszustand: Der TCS weigerte sich, eine schwerkranke 75-Jährige von Ägypten aus ins Spital zu fliegen. Für die Rega wäre die Frau transportfähig gewesen.

von
ale
Der TCS hat eine eigene Ambulanzflotte mit Helikoptern und einem Jet. Bis vor drei Jahren flog die Rega für den Reiseversicherer. (Archivbild)

Der TCS hat eine eigene Ambulanzflotte mit Helikoptern und einem Jet. Bis vor drei Jahren flog die Rega für den Reiseversicherer. (Archivbild)

Seit drei Jahren organisiert der Touring Club Schweiz (TCS) Rückführungen von im Ausland erkrankten Versicherten von Genf aus mit einem eigenen Ärzteteam. Davor übernahm die Rega die Aufträge des TCS. Doch nun verfügt dieser über eine eigene Ambulanzflotte. Die grösste Reiseversicherung der Schweiz verspricht den rund 700'000 Besitzern des ETI-Schutzbriefes «im Notfall erstklassige Hilfe».

Gegenüber der Mutter von D.P. brach der TCS sein Versprechen: Vor einem Jahr war ihre Mutter bei guter Gesundheit ans Rote Meer in die Ferien gereist. Dort wurde die 75-Jährige plötzlich krank und musste wegen starken Hustens und Erbrechens ins Nile Hospital in Hurghada eingeliefert werden. Im Spital verschlechterte sich ihr Zustand dann rapide, sie musste künstlich beatmet werden. Während der Intubation erlitt die Tessinerin einen Herzstillstand und wurde wiederbelebt, dies berichtet D.P gegenüber «Kassensturz».

Der TCS weigerte sich trotz Schutzbrief

Besorgt um die betagte Frau verständigten Angehörige umgehend den TCS und baten um die Rückführung in die Schweiz. Obwohl die 75-Jährige einen ETI-Schutzbrief besass, weigerte sich der Reiseversicherer aber, die Patientin auszufliegen. Ihr Gesundheitszustand sei dafür zu schlecht. «Der TCS sagte, es sei zu gefährlich, meine Mutter zu fliegen, weil sie künstlich beatmet werde», erinnert sich die Tochter. Nachdem ihre Mutter fünf Tage im Spital verbracht hatte, reiste die besorgte Tochter extra nach Ägypten. Aber auch die erneute Bitte der Tochter, ihre Mutter in die Schweiz zu transportieren, wurde vom TCS abgewiesen.

D.P. war schockiert über die hygienischen Zustände im Spital in Hurghada und über die fehlende Betreuung: «Niemand hatte Zeit für meine Mutter. Sie hatte Durst. Sie erhielt keine Schmerzmedikamente. Sie konnte nicht schlafen. Das Neonlicht war permanent an. Es war laut.» Nachdem sich der Zustand der Mutter von D.P. innerhalb von einer Woche rapid verschlechtert hatte und der TCS sich weiterhin weigerte, die Patientin auszufliegen, verständigte D.P. die Rettungsflugwacht. Diese entschied innert Stunden, die Patientin sei transportfähig und ein Rettungsflug angesichts der schlechten medizinischen Versorgung vor Ort angezeigt.

Doch die Rettung kam zu spät, noch vor Abflug Richtung Heimat starb die 75-Jährige im Jet der Rega an einem Herzlungenversagen. Notfallmediziner Professor Zimmermann kommt im «Kassensturz» zum Schluss: «Wäre die Patientin bereits nach der Intubation und der Reanimation am zweiten Tag zurückgeflogen worden, dann hätte man sie hier durch erfahrene Ärzte untersuchen und behandeln lassen können. Es hätte eine Chance bestanden, dass sie heute noch lebt.»

Der TCS nimmt auf die Anschuldigungen im Kassensturz schriftlich Stellung: «Der TCS wollte die Patientin im Januar 2013 immer repatriieren. In der Zeit, als der TCS verantwortlich war, war der medizinische Zustand der Patientin nach zwei Herz-/Kreislaufstillständen äusserst prekär, und es war aus medizinischer Sicht wahrscheinlich, dass die Patientin den Transport in die Schweiz nicht überleben würde, was dann leider auch geschah.»

Den ausführlichen Beitrag und das Studiogespräch mit einem Versicherungsexperten sehen Sie hier

Gegendarstellung des Touring Club Schweiz (TCS)

Im nebenstehenden Artikel vom 05.02.2014, welcher auf einen Kassensturzbeitrag vom Vortag bezugnimmt, wird der Eindruck erweckt, der TCS habe die Repatriierung einer Patientin verschleppt. Sein Verhalten sei Ursache für das Versterben der Patientin. Diese Darstellung ist falsch.

Tatsache ist: Bereits weniger als 24 Stunden nach dem ersten Kontakt mit dem TCS hatte die Tochter der Patientin veranlasst, dass der TCS den Fall wieder abschliesst. Sie erklärte, die Krankenversicherung der Patientin sorge für die Rückführung. Der TCS könne das Dossier schliessen. Der TCS hatte deshalb keinen Auftrag mehr, als gemäss dem im Kassensturz interviewten Dr. Zimmermann am zweiten Tag noch „eine Chance bestanden hätte, dass sie heute noch leben würde“.

Tatsache ist weiter, dass der TCS nach Wiederaufnahme des Mandates (am dritten Tag), die Patientin zurückführen wollte. Ihr Zustand wurde jedoch aufgrund der Unterlagen aus dem ägyptischen Spital und der Rücksprache mit dem dortigen Arzt nach zwei Herz- Kreislaufstillständen als zu instabil für einen Rückflug beurteilt. Es war aus medizinischer Sicht zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich, dass die Patientin den Transport in die Schweiz nicht überleben würde. Das Verhalten des TCS war somit nicht die Ursache für das Versterben der Patientin.

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