27.06.2014 12:46

GerichtsbeschlussTeenager darf Lockenpracht behalten

Der 16-Jährige aus Neuseeland, der wegen seiner Lockenfrisur vom Unterricht ausgeschlossen wurde, muss seine Haare nicht schneiden. Ein Richter befand die Frisur als «nicht schädlich».

von
Nick Perry, AP
Lucan Battison darf mit seinen Haaren zurück in die Schule.

Lucan Battison darf mit seinen Haaren zurück in die Schule.

Am 16-jährigen Neuseeländer Lucan Battison dürfte jede Schule ihre Freude haben: Aufmerksamer Schüler, Mitglied im Rugby-Team, als Lebensretter ausgezeichnet. Nur seine Locken störten die katholische Schule.

Fassen wir die haarige Angelegenheit, über die ein höheres Gericht in Wellington am Freitag urteilen musste, kurz zusammen: Eine katholische Schule in dem Ort Hastings auf Neuseelands Nordinsel wollte die Lockenpracht ihres ansonsten eher mustergültigen Schülers Lucan Battison nicht mehr dulden. Sie suspendierte den 16-Jährigen im Mai vom Unterricht. Der Grund: Battison habe die Schulregel gebrochen, derzufolge die Schüler ihre Haare kurz, ordentlich, oberhalb des Kragens und nicht in die Augen fallend tragen müssen.

Haarpracht nicht schädlich

Doch der Teenager darf in das St. John's College zurückkehren - mit seinen langen Locken. Denn Richter David Collins befand am Freitag, die Haarpracht sei weder schädlich noch gefährlich für andere Schüler und führe auch nicht zu einem ernsthaften Fehlverhalten. Zudem bekam die Schule einen Rüffel: Ihre Haar-Regeln seien nicht klar genug gefasst, damit Schüler sie befolgen könnten.

Battison selbst hatte der Schulleitung angeboten, statt seine Locken zu schneiden, sie zurückgebunden als Knoten zu tragen. Kurz geschnitten seien seine Haare nämlich widerspenstig und sähen wie ein «ungepflegter Afro» aus, wie auch zwei Friseure in einem Schreiben an die zuständige Schulkommission bescheinigten. Doch die Schulleitung liess sich nicht auf einen Kompromiss ein, und so kam es zum Prozess.

Schüler rettete zwei Frauen vor Ertrinken

Fernab seiner Frisur gibt der Jugendliche seiner Schule keinen Anlass zu Klagen. Er selbst beschreibt sich als «typischer Teenager», während die Schule ihn gar einen «netten, jungen Mann» nennt. Richter Collins tauchte sogar noch tiefer in die Akten ein und sah, dass der Schüler im März einen Preis für Zivilen Mut bekommen hatte. Damals half Battison an einem Strand mit, zwei junge Frauen vor dem Ertrinken zu retten. Dieser Umstand gewähre «einen Einblick in das Innenleben» des Schülers, meinte der Richter.

Zudem erwähnte Collins bei seiner Urteilsbegründung lobend, dass Battison in der Rugby-Mannschaft seines College spiele und viel Spass am Unterricht der katholischen Schule habe - auch, weil sein Glaube wichtig für ihn sei. Die Eltern zeigten sich derweil sehr verletzt über die Kritik an ihrem Sohn. «Das war schmerzhaft und unnötig», sagten Troy Battison und Tania Doidge. In einer Erklärung betonten sie zudem, ihr Sprössling habe nie gegen die Schulregeln verstossen, da der Haarknoten die Locken von Kragen und Augen ferngehalten habe.

Nach dem verlorenen Prozess am Freitag liess Schulrektor Paul Melloy in einer, von Grammatik-Fehlern nicht ganz freien Erklärung mitteilen: «Natürlich sind wir enttäuscht über die Entscheidung aus Wellington». Ein Ausschuss werde das Urteil jetzt prüfen und auf seine Folgen für diese und andere Schulen untersuchen.

Hastings schoolboy Lucan Battison takes his haircut battle to the High Court http://t.co/HtbdhOMPjEpic.twitter.com/lsXuVzI7KX- nzherald (@nzherald) junio 23, 2014

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