Jugend-Konsum: Teenager greifen lieber zum Joint als zur Flasche
Aktualisiert

Jugend-KonsumTeenager greifen lieber zum Joint als zur Flasche

Eine neue Studie zeigt: Berner Jugendliche trinken weniger Alkohol und greifen seltener zur Zigarette als vor vier Jahren, kiffen aber öfter. Dies macht Fachleuten Sorgen.

von
Sonja Mühlemann
Berner Jugendliche greifen gemäss einer neuen Studie weniger zur Flasche, dafür mehr zum Joint.

Berner Jugendliche greifen gemäss einer neuen Studie weniger zur Flasche, dafür mehr zum Joint.

Stockbild

13- bis 15-jährige Teenager im Kanton Bern trinken seltener alkoholische Getränke: Hatte 2010 beispielsweise noch jeder siebte 15-Jährige angegeben, wöchentlich Alkohol zu trinken, war es 2014 gerade noch jeder Zwölfte. Dies entspricht einer Abnahme von 6 Prozent, wie die neuste HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children)* zeigt, die 20 Minuten vorliegt.

Deutlich zurückgegangen ist die Zahl wöchentlicher Trinker bei den männlichen 15-Jährigen: 2014 gab jeder Fünfte an, wöchentlich Alkohol zu trinken, 2014 war es noch jeder Zehnte. Ebenfalls abgenommen hat die Zahl der 13-Jährigen, die jede Woche zur Flasche greifen.

Zudem zünden sich auch immer weniger Teenager Zigaretten an. Besonders zurückgegangen ist das Rauchen bei den 13-Jährigen: 2010 rauchte jeder 18. Jugendliche wöchentlich, vier Jahre später war es nur noch einer von 100 Befragten.

Bildschirm statt Kollegen

Das Blaue Kreuz sieht sich in seiner Präventionsarbeit bestätigt: «Neben Workshops in Schulen haben auch Testkäufe und die Sensibilisierung des Verkaufspersonals Wirkung gezeigt», sagt Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz Kanton Bern.

Weiter könnte auch der Medienkonsum der Jugendliche zum Rückgang beigetragen haben. «Jugendlichen verbringen mehr Zeit zu Hause hinter dem Bildschirm und kommen dadurch draussen weniger in Kontakt mit Alkohol- und Tabakkonsum», vermutet Wildermuth.

Mädchen kiffen häufiger

Während Alkohol und Tabak bei Jugendlichen weniger beliebt sind, stieg der Cannabiskonsum bei den 13- bis 15-Jährigen klar an. Laut der HBSC-Studie hatte 2014 bereits jeder dritte Teenager schon einmal in seinem Leben an einem Joint gezogen. 2010 hatte erst knapp jeder Fünfte schon mal gekifft. Am markantesten schnellte die Zahl bei den Mädchen nach oben: Doppelt so viele junge Frauen gaben einen erstmaligen Konsum 2014 an wie vier Jahre zuvor.

Als besonders besorgniserregend stuft das Blaue Kreuz den gewohnheitsmässigen Konsum ein: Mittlerweile kifft jeder siebte Berner Teenager mindestens einmal pro Monat. 2010 war es jeder Dreizehnte. «Jugendliche verharmlosen den Konsum von Cannabis. Weiter trägt der Druck der Leistungsgesellschaft zum Konsum bei – viele versuchen damit herunterzufahren», sagt Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz.

Gespräch mit Eltern fördern

Der Verein will nun mit einem neuen Schulklassenwettbewerb das Bewusstsein der Schüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln schärfen. Jede teilnehmende Klasse, die während zwei Lektionen das Thema bespricht, erhält Gutscheine für die Klassenkasse. Teil des Programms ist auch die Abgabe einer Wettbewerbskarte mit offenen Fragen, welche die Schüler mit den Eltern besprechen sollen. «Dadurch wollen wir ein Gespräch über Suchtmittel innerhalb der Familie anregen», so Wildermuth.

*Im Kanton Bern wurden rund 2000 Jugendliche anhand eines anonymen Fragebogens während der Schulstunde für die HBSC-Studie befragt. Die internationale Studie steht unter der Schirmherrschaft der WHO.

E-Zigaretten sind bei Berner Teenagern beliebt

Jeder dritte Berner Jugendliche hat schon mal an einer E-Zigarette gezogen: Dies zeigt eine Umfrage aus dem Jahr 2015 des Blauen Kreuzes bei über tausend Schülern. Die Zahlen liegen 20 Minuten exklusiv vor. Es konsumieren mehr Jugendliche E-Zigaretten als dass sie Zigaretten rauchen (siehe Haupttext). «E-Zigaretten sind leicht verfügbar, weil es für den Verkauf keine Jugendschutzbestimmungen gibt», sagt Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz. Auch wenn in E-Zigaretten kein Nikotin enthalten sei, sei der Konsum des Dampfes aufgrund von Partikeln bedenklich. Wildermuth: «Zudem üben die Teenager die Handlung des Rauchens ein.» (smü)

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