Aktualisiert 14.01.2015 09:44

TotengräberTeenager macht sich selbständig – als Bestatter

Kevin Huguenin (15) ist der jüngste Bestatter der Schweiz. Kritiker monieren fehlende Kompetenz und Lebenserfahrung. Den Jungunternehmer lässt dies kalt.

von
meo

«Mitgefühl ist keine Frage der Lebenserfahrung.» Jungbestatter Kevin Huguenin (15), aus dem Seeland (Video: Lorenz von Meiss)

Während sich bei Gleichaltrigen alles um die Playstation, den Fussaballverein oder die nächste Party dreht, beschäftigt sich Kevin Huguenin mit Urnen, Särgen und Leichenwagen. Seit einem Jahr führt der 15-Jährige sein eigenes Bestattungsunternehmen in Seedorf. «Als ich zehn Jahre alt war, starb mein Götti», sagt Huguenin. Danach habe ihn das Thema nicht mehr losgelassen. «Als 13-Jähriger habe ich dann ein Praktikum bei einem Bestatter gemacht», so der Teenager. Danach sei klar gewesen, welchen Beruf er erlernen wolle.

Um einen Ausbildungsplatz als Bestatter zu erhalten, muss Huguenin jedoch drei Jahre als Geschäftsinhaber oder fünf Jahre als Angestellter vorweisen können. «Diese Vorgaben kann ich noch nicht erfüllen und auch Praktika erhalte ich keine mehr», sagt der Jungbestatter. Denn bei der Konkurrenz habe sich herumgesprochen, das er im Sinn habe, selber zu geschäften. Seither seien all seine Bewerbungen vergeblich gewesen. Da beschloss Huguenin, sein Institut sofort zu gründen.

Mangelnde Lebenserfahrung

Adrian Hauser, Präsident des Schweizerischen Verbandes der Bestattungsdienste, bestätigt gegenüber dem «Bieler Tagblatt», dass Kevin Huguenin der jüngste Bestattungsunternehmer der Schweiz sei. Hauser findet, dass es dem Teenager jedoch an der Ausbildung und Lebenserfahrung fehle, um kompetent beraten zu können. Diese Kritik lässt der Jungunternehmer nicht gelten: «Mitgefühl ist keine Frage der Ausbildung oder Lebenserfahrung», sagt Huguenin. Zudem sei ihm egal, was andere sagten, solange seine Kunden zufrieden seien. «Bisher hatte ich zehn Aufträge – sämtliche Rückmeldungen waren durchwegs positiv», entgegnet er seinen Kritikern.

«Der Totengräber»

Damit das Geschäft läuft, ist Teenager Huguenin auf Hilfe angewiesen. Denn er ist weder unterschriftsberechtigt noch kann er den Leichenwagen selber fahren. «Meine Eltern unterstützen mich, wo sie können, und für die Transporte habe ich erfahrene Mitarbeiter.» Auch sein Freundeskreis habe sich mittlerweile an seinen Beruf gewöhnt. «Am Anfang haben sie schon komisch geschaut», gibt Huguenin zu. Und den Übernamen «Totengräber» bringe er wohl nicht mehr los.

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