Aktualisiert 06.12.2018 01:56

Schweiz-Chef von Juul«Teenager sollten Juul nie in die Hand nehmen»

Jonathan Green ist Nichtraucher und Schweiz-Chef von Juul. Er tue alles, um seine Produkte aus den Händen von Teenagern zu halten.

von
R. Knecht

Jonathan Green hat einen ganz persönlichen Grund, warum er zu Juul gewechselt ist. (Video: rkn)

Der E-Zigarettenhändler Juul startet in der Schweiz. Schweiz-Chef Jonathan Green erklärt im Interview, warum er zu Juul wechselt, wie ernst er den Jugendschutz nimmt und wieso er sich freut, wenn Kunden aufhören, Juul-Produkte zu kaufen.

Herr Green, rauchen Sie?

Nein, ich bin Nichtraucher. Als Teenager rauchte ich zwar, habe aber selbst gemerkt, dass das wenig bringt. Dann konnte ich mit viel Willenskraft aufhören.

Was würden Sie sagen, wenn eines Ihrer Kinder mit dem Dampfen anfangen würde?

Das wäre nicht gut, denn unser Produkt richtet sich ja gar nicht an Jugendliche. Zielkunden sind zu 100 Prozent erwachsene Raucher. Wir tun alles, damit unser Produkt nicht in die Hände von Teenagern oder Minderjährigen kommt.

Erst 2022 soll die Tabakverordnung auch E-Zigaretten betreffen – das macht Vertretern der Suchtprävention Angst.

Wir nehmen das Thema sehr ernst, sind proaktiv und haben auch den Verhaltenskodex des Branchenverbands Swiss Vape Trade Association schon unterschrieben. Zudem haben wir bereits unsere eigenen Massnahmen ergriffen.

Was genau tun Sie in der Schweiz?

Wir arbeiten nur mit Detailhändlern, die die gleichen Ziele wie wir haben. Das heisst, dass die Produkte nur an Kunden ab 18 Jahren verkauft werden. Einer unserer Partner ist Valora. Wir bieten die Produkte an den Verkaufsstellen von K-Kiosken, Press & Books und Avec an. Wir schicken auch Mystery-Shopper in die Läden, die prüfen, ob die Altersregeln respektiert werden. Und bei der Werbung sind ganz klar die Erwachsenen das Zielpublikum. Teenager sollten Juul nie in die Hand nehmen.

Und wie sieht es im Onlinehandel aus?

Wir führen Kontrollen in zwei Schritten durch: Wir prüfen beim Verkauf vor Ort das Alter und bei einer Online-Bestellung wird das Alter bei der Auslieferung nochmals geprüft.

Wird Juul auch in der Schweiz einschlagen wie in den USA?

Das hoffen wir. Denn wenn Juul in der Schweiz erfolgreich ist, werden wir auch weniger Raucher im Land haben.

Tut es aus geschäftlicher Sicht weh, wenn man seine Zielgruppe derart einschränken muss?

Nein, wir sind konsequent mit unserer Mission, das Produkt nur Erwachsenen anzubieten. Es gibt in der Schweiz 1,8 Millionen Raucher, wir haben also mehr als genug potenzielle Kunden.

Ändert sich am Produkt in der Schweiz etwas?

In den USA hat es in den Pods viel mehr Nikotin. In der EU und der Schweiz ist ein so hoher Nikotingehalt gar nicht erlaubt. Natürlich respektieren wir die Regeln der Behörden. Darum beinhalten die Pods in der Schweiz mit 1,7 mg deutlich weniger Nikotin als in den USA.

Auf der Website warnt Juul davor, dass die Produkte auch krebserregende Stoffe enthalten.

Juul-Produkte sind nicht mit Tabak vergleichbar: Denn die rund 7000 gesundheitsschädlichen Schadstoffe von Zigaretten entstehen durch die Verbrennung von Tabak. E-Dampfgeräte wie Juul haben keinen Tabak, enthalten aber auch Nikotin. Darum gilt: Wer nicht raucht, sollte nicht damit anfangen. Aber E-Dampfgeräte sind laut der britischen Gesundheitsbehörde immerhin 95 Prozent weniger schädlich.

Aber abhängig ist man ja dann trotzdem.

Ja klar, aber der Raucher braucht das. Er muss von Zigaretten wegkommen und Nikotin spielt da eine ganz wichtige Rolle. Es gibt auch Leute, die von Zigaretten zum Dampfen wechseln und danach irgendwann sogar aufhören. Wenn das geschieht, sind wir total glücklich.

Auch wenn Sie dadurch weniger Produkte verkaufen?

Das ist doch ein schönes Problem. Es ist eben genau unser Ziel, Rauchern die Zigaretten abzugewöhnen.

In der Schweiz gibt es schon einige Player, die E-Zigaretten verkaufen – wird Juul sie verdrängen?

Wir werden sehen. Wir sind von unserem Produkt, den Partnern und unserer Mission überzeugt. Es ist kein Zufall, dass wir in den USA über 70 Prozent Marktanteil haben. Das Produkt ist wirklich gut.

Kommt Juul auch bald zu den grossen Schweizer Detailhändlern?

Wir sind im Gespräch mit den Firmen. Aber vorerst fangen wir bei der Valora-Gruppe und unabhängigen Läden an.

Sie waren früher bei BP, der Migros und Alcon. Was zieht Sie jetzt zu Juul?

Der Hauptgrund ist sehr persönlich: Jemand in der Familie ist wegen des Rauchens an einer Lungenkrankheit gestorben. Damals gab es gar keine Dampfprodukte. Und ich glaube einfach, dass es eine gute Mission ist, die Leute von der Zigarette wegzubringen. Das gibt mir ein schönes Gefühl und Zufriedenheit.

Lungenliga rät von E-Zigaretten ab

Juul verspricht, mit Werbung nur Erwachsene anzusprechen, indem etwa die Models mindestens 28 Jahre alt sind. Das reiche nicht, findet eine Sprecherin der Lungenliga: «Um Kinder und Jugendliche wirkungsvoll zu schützen, müsste Juul auf sämtliche Werbe-, Promotions- und Sponsoringmassnahmen verzichten, die Kinder und Jugendliche erreichen können.» Es sei zu befürchten, dass Juul wegen des Designs und der Auswahl an Aromen auch für Jugendliche anziehend wirke. Die Lungenliga rät grundsätzlich von E-Zigaretten ab, da sie süchtig machen und zum Einstieg ins Tabakrauchen führen könnten. Die Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamenten-Missbrauchs begrüsst, dass Juul plant, Stichproben bei den Händlern zu machen. Die Frage sei aber, wie oft das geschehen wird und ob den Händlern Sanktionen drohen, wenn sie die Alterskontrolle nicht machen, sagt eine Sprecherin.

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