Aktualisiert 23.03.2015 13:57

«Schlampe» Teenie-Machos demütigen Mädchen in der Schule

Mädchen werden in Schweizer Schulen auf dem Pausenplatz gedemütigt, schikaniert und gegen ihren Willen angefasst. Die Täter: Nachwuchs-Machos – oft mit Migrationshintergrund.

von
num
Mädchen werden in der Schule oft zur Zielscheibe von Buben (Symbolbild).

Mädchen werden in der Schule oft zur Zielscheibe von Buben (Symbolbild).

«Schlampe», «Nutte», «ich f***e dich ins Grab» – was sich Mädchen in der Schweiz auf dem Pausenplatz anhören müssen, könnte aus einem Gewaltporno stammen. Die Worte kommen aber aus den Mündern von Nachwuchs-Machos, die damit täglich Frauen beschimpfen.

Das erzählt Barbara Giason der «SonntagsZeitung». Sie unterrichtet seit fünf Jahren in der ganzen Deutschschweiz Selbstverteidigung an Schulen. Sie lasse die Mädchen, die ihren Kurs besuchen, aufschreiben, wogegen sie sich wehren möchten. Auf den Zetteln stehen Schimpfwörter – teils so grob, dass es ihr die Sprache verschlägt.

Die Mädchen, so erzählt es Giason der «SonntagsZeitung», hören diese täglich. Sie würden gegen ihren Willen angefasst, zwischen den Beinen, am Hintern, an den Brüsten. Giason trichtert den Mädchen ein: «Ihr seid etwas wert.» Sie versucht den Schülerinnen begreiflich zu machen, dass sie sich wehren dürfen. Dass es nicht in Ordnung ist, wenn sie mit Schimpfwörtern eingedeckt werden.

Vor allem Buben aus dem Balkan

Eine Ostschweizer Oberstufen-Lehrerin beobachtet seit einiger Zeit das Erstarken einer Machokultur in den Schulen. Nicht nur Mädchen, auch Jungen litten darunter, sagt sie. Diese benutzen dasselbe Vokabular, machen aber wegen des Gruppendrucks mit oder aus Angst, als schwul verlacht zu werden.

Die Lehrerin gibt der Zeitung an, dass man es zwar nicht gerne höre, aber es handle sich um ein Migrationsproblem. Buben aus bildungsfernen Schichten, vor allem aus Familien vom Balkan, erlebten daheim ein äusserst konservatives Rollenmuster, das sie in die Schule mitbrächten.

Auch der oberste Lehrer der Schweiz, Beat W. Zemp, bestätigt: «Wir haben es hier mit Menschen aus einem patriarchalischen Kulturkreis zu tun.» Es sei kein Zufall, dass diese Buben entweder Mädchen sexuell verunglimpften, oder Buben, die ihnen nicht passten, als schwul bezeichneten.

Mutter daheim ist nichts wert

Der Schulleiter der Ostschweizer Schule bestätigt dies ebenfalls der «SonntagsZeitung»: «Dieses übersteigerte Macho-Gehabe ist bei uns Alltag.» Die Migrantenkinder in seiner Schule kämen fast ausschliesslich aus bildungsfernen Schichten. «Je tiefer das Niveau, desto ausgeprägter ist das patriarchale Denken.» Daheim würden die Kinder lernen, dass die Mutter nichts wert sei – was sich danach in der Schule im Umgang mit den Mädchen niederschlage.

Mädchen, die in der Schule gedemütigt, bedroht und schikaniert werden, können sich nur selbst wehren – das Gesetz hilft ihnen dabei kaum. Laut Strafrechtler Martin Killias ist eine Anzeige wegen Drohung oder Tätlichkeit nicht lohnenswert, «weil ohnehin nichts passiert».

Bist du auch Opfer solcher Beschimpfungen und Betatschungen geworden? Oder bist du selber ein «Balkan-Macho»? Melde dich bei uns auf feedback@20minuten.ch – wir behandeln deine Angaben vertraulich.

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