Doppelmord in Bodenfelde: Teenie-Mörder war kein Sextäter
Aktualisiert

Doppelmord in BodenfeldeTeenie-Mörder war kein Sextäter

Die beiden getöteten Jugendlichen von Bodenfelde wurden nicht Opfer einer Sexualstraftat. Dies ergab die Obduktion. Die Polizei hat inzwischen offenbar einen Tatverdächtigen.

von
kle

Die Indizien hatten zunächst auf ein Sexualdelikt hingedeutet. Unter anderem waren die Leichen der beiden tot aufgefundenen Jugendlichen im niedersächsischen Bodenfelde nicht vollständig bekleidet gewesen. Die Vermutung wurden durch die Obduktion in der Göttinger Rechtsmedizin nicht bestätigt. Die beiden Teenager sind nicht einer Sexualstraftat zum Opfer gefallen. Das sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner am Dienstag.

Heimgärtner machte klar, dass er diesen Teil des Obduktionsergebnisses bewusst öffentlich mache, um die möglicherweise besorgte Bevölkerung zu beruhigen. «Für viele war es einfach beunruhigend davon auszugehen, dass dort ein Sexualstraftäter durchs Dorf rennt», sagte der Oberstaatsanwalt.

Die Polizei hat inzwischen einen Tatverdächtigen in dem Fall gefasst, der derzeit auf der Polizeiwache in Northeim vernommen wird. Wie «Spiegel Online» berichtet, gehe es vor allem um die Überprüfung des Alibis. Es müssten nun be- und entlastende Momente mit Blick auf den Tatverdächtigen gefunden werden, sagte ein Polizeisprecher.

Einen Medienbericht, wonach die 14 Jahre alte Nina erstochen und der 13-jährige Tobias erschlagen wurde, wollte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht bestätigen. Die Ermittlungen liefen jedoch auf Hochtouren weiter.

Immer wieder ausgebüxt

Nina und Tobias waren am Sonntagnachmittag in der Nähe eines Baches in Bodenfelde tot aufgefunden worden. Das Mädchen hatte laut Polizei ihr Elternhaus am Montag vergangener Woche nach einem Streit mit ihrer Mutter verlassen, am Dienstag wurde sie als vermisst gemeldet. Nina war demnach im Lauf der Woche mehrfach von Zeugen «wohlbehalten» in Bodenfelde gesehen worden, zuletzt am Samstagnachmittag.

Möglicherweise habe jemand Nina und Tobias vor ihrem Verschwinden in Begleitung anderer Personen gesehen. Nina sei zudem nur leicht bekleidet gewesen und habe kein Bargeld bei sich gehabt, sie müsse also «irgendwo übernachtet haben», sagte der Leiter der Mordkommission, Hartmut Reinecke.

Opfer kannten sich kaum

Nach de Vermisstenanzeige seien Zeugen befragt und Wohnungen durchsucht worden, sagte Andreas Borchert, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Northeim/Osterode. Das Mädchen habe aber «offensichtlich alles getan, um von der Polizei nicht gefunden zu werden».

Die Polizei bestätigte, dass Nina in der Vergangenheit bereits mehrfach von zu Hause ausgerissen war, aber meist noch am selben Tag zurückkehrte.

Tobias war laut Polizei in der Nacht zum Sonntag als vermisst gemeldet worden. Er wurde zuletzt am Samstagabend von Zeugen gesehen, als er einen Freund auf Inlineskates zum Bahnhof in Bodenfelde brachte. Danach verlor sich seine Spur.

Die beiden Jugendlichen sollen sich nach Angaben der Polizei flüchtig gekannt haben, standen aber in keiner Beziehung.

(mit Material der DAPD)

Deine Meinung