Aktualisiert 31.01.2012 10:49

Mysteriöses Syndrom

Teenies mit Tick hoffen auf Erin Brockovich

Der gleichnamige Oscar-Streifen hat sie berühmt gemacht, nun setzt sich Erin Brockovich wieder für potenzielle Umweltopfer ein: Sie untersucht ein Tourette-artiges Syndrom, das nur Teenager trifft.

von
phi

Julia Roberts hat Erin Brockovich mit dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2000 über die Grenzen der USA hinaus bekannt gemacht: Der Oscar-prämierte Streifen thematisiert den Kampf der Anwaltsgehilfin gegen einen Konzern, der einen Umweltskandal vertuschen will. Nun hat sich die Aktivistin wieder eines ungelösten Rätsels angenommen: Seit dem 28. Januar untersucht die Vorsitzende der Beratungsfirma «Brockovich Research & Consulting» den Fall von 17 Teenagern, die unter mysteriösen Umständen im US-Bundesstaat New York erkrankt sind.

15 der Opfer besuchen die High School des Städtchens Le Roy. Lori Brownell dagegen, die offen herzig ihr Leiden auf YouTube dokumentiert, kommt aus Corinth, das gut 720 Kilometer ostwärts liegt. Sie hatte jedoch einmal in Le Roy gegessen und leidet nun unter denselben Symptomen wie die anderen 16 Leidensgenossen: Die 16-Jährige verliert seit August in unregelmässigen Abständen das Bewusstsein und hat bizarre Ticks entwickelt, die wie plötzliche Ausrufe, Klatschen oder ihr heftiges Schnäuzen an das Tourette-Syndrom erinnern. Die meisten Opfer sind Mädchen.

Die Schulbehörde von Le Roy und das Gesundheitsministerium des Staates New York haben Untersuchungen eingeleitet, die jedoch zu keinem Ergebnis geführt haben. Die Luft in den Klassenzimmern sei laut Gutachten in Ordnung, Schimmelsporen seien nicht gefunden worden. «Die Umwelt oder eine Infektion ist nicht der Grund für die Ticks der Schüler», schrieben die Behörden den Eltern am 17. Januar und verwiesen darauf, dass eine dissoziative Störung vorliegen könnte. Kritiker monieren aber, dass die meist dann diagnostiziert werde, wenn es keine anderen medizinischen Erklärungen gebe.

Nach dieser unbefriedigenden Klärung haben verzweifelte Eltern Erin Brockovich eingeschaltet. Die 51-jährige Aktivistin sagte, sie habe mittlerweile rund Hundert Mails wegen der Angelegenheit bekommen und will auch bereits einen möglichen Verursacher für die Erkrankungen gefunden haben.

1970 ist in Le Roy nahe der High School ein Zug entgleist, der eine Tonne Zyanid und 132 000 Liter Trichlorethen geladen hatte. Ersteres ist ein Blausäuresalz, das durch die Nazis traurige Bekanntheit erlangt hat. Während dieses nach dem Unglück geborgen werden konnte, versickerte das Lösungsmittel ungehindert im Boden.

«Wir haben noch nicht alle Antworten»

«Wenn ich solche Berichte lese, nach denen das New Yorker Gesundheitsministerium und die Staatsbehörden genau über das Auslaufen unterrichtet waren und keine Wasser- oder Verdunstungstest gemacht haben, kann man keine Entwarnung geben», sagte die Streiterin der Zeitung «USA Today».

Dass der Unfall mehr als 40 Jahre zurückliegt, stört Brockovich nicht. «Wir haben noch nicht alle Antworten, sind aber argwöhnisch. Die Behörden haben noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschlossen. Die Gemeinschaft hat uns um Hilfe gebeten und die liefern wir auch.»

Ein Fox-Bericht vom 27. Januar über die aktuellen Ereignisse in Le Roy. Quelle: YouTube/ELDIALLEGO100

Der Filmtrailer von «Erin Brockovich» mit Julia Roberts. Quelle: YouTube/georgelewis

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