Ruggell (FL): Teich zugeschüttet, weil Frösche zu laut quakten
Aktualisiert

Ruggell (FL)Teich zugeschüttet, weil Frösche zu laut quakten

Erst vor rund zwei Jahren wurde in Ruggell (FL) ein Biotop gebaut. Jetzt ist es wieder zugeschüttet. Grund: Der Seefrosch mit seinen rund 90 Dezibel war für die Anwohner unerträglich.

von
taw
1 / 6
Dieses Biotop am Wüerlegraba in Ruggell (Fürstentum Liechtenstein) wurde vor rund zwei Jahren erstellt.

Dieses Biotop am Wüerlegraba in Ruggell (Fürstentum Liechtenstein) wurde vor rund zwei Jahren erstellt.

Gemeinde Ruggell
Ende Mai wurde es zugeschüttet.

Ende Mai wurde es zugeschüttet.

Gemeinde Ruggell
Grund sind zahlreiche Reklamationen von Anwohnern.

Grund sind zahlreiche Reklamationen von Anwohnern.

Gemeinde Ruggell

«Es war brutal. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selber gehört hat», so eine direkte Anwohnerin des Biotops am Wüerlegraba in Ruggell. Mit offenem Fenster sei an Schlaf nicht mehr zu denken gewesen. «Es ist ja herrlich, wenn man in der Natur spaziert und dann hie und da einen Quaken hört. Aber doch nicht 24 Stunden am Tag Dauergequake.» Zudem würden männliche und weibliche Tiere unterschiedlich quaken, die Männchen fast schon schreien.

Diverse Anwohner stimmen ihr zu. Sogar, wenn man 200 Meter weit weg wohne, höre man die Tiere noch. Und es sei nicht so, dass man sich mit der Zeit daran gewöhne, wie etwa wenn man neben einem Bahngleis wohnt und den Zug nicht mehr hört. Denn der Zug fahre ja nicht den ganzen Tag am Haus vorbei. «Mit der Zeit wurde man richtiggehend aggressiv», so eine Anwohnerin. Bei vielen ist die Erleichterung gross, dass die Gemeinde nun etwas unternommen hat.

Nach zwei Jahren wieder zugeschüttet

Wie das «Liechtensteiner Vaterland» schreibt, wurde das Kleinbiotop, das im November 2013 eröffnet wurde, nämlich Ende Mai mit Kies zugeschüttet. Nun soll an dieser Stelle eine Wiese gedeihen. Grund dafür sind zahlreiche Reklamationen wegen Lärmbelästigung. «Das Quaken des Seefroschs erreicht Lautstärken von bis zu 90 Dezibel und ist damit lauter als ein Presslufthammer», so Gemeinde-Vorsteherin Maria Kaiser-Eberle. Eine Umsiedlung der Frösche wäre laut der Gemeinde nicht erfolgreich, da die Frösche rasch zurückkämen.

Der Fischereiverein Liechtenstein war bei der Zuschüttung dabei. Die vorhandenen Krebse und Fische konnten in den benachbarten Mühlbach versetzt werden. Die Frösche wurden nicht umgesiedelt. «Die Frösche sind immer noch da, nur quaken sie nicht mehr», sagt Rainer Kühnis, Präsident des Fischereivereins, zum Vaterland.

Keine idealen Bedingungen fürs Quaken

Laut Jonas Barandun, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Naturmuseum St. Gallen, lieben Seefrösche stilles Gewässer, Fliessgewässer mögen sie nicht. Der Grund, dass er nun nicht mehr quakt, ist also, dass er sich nicht mehr so wohl fühlt. «So ist es nur eine Frage der Zeit, bis er abwandert», so Barandun.

Antonia Büchel, die ebenfalls in der Nähe des Biotops wohnt, ist untröstlich: «Ich habe den Gesang der Frösche sehr genossen und vermisse sie.» Laut der 67-Jährigen war das Zuschütten des Biotops eine völlig übertriebene Aktion.

Und hier ein Froschkonzert:

Deine Meinung