Aktualisiert 06.02.2020 14:30

Sarah Spale über «Platzspitzbaby»«Teilweise machte es mich fast ohnmächtig»

Morgen kommt «Platzspitzbaby» ins Kino. Wir haben vorab mit der Basler Schauspielerin Sarah Spale gesprochen, die im Film die drogensüchtige Mutter Sandrine verkörpert.

von
mim

Am 16. Januar kommt der Schweizer Film «Platzspitzbaby» in die Kinos. Der Film von Regisseur Pierre Monnard handelt von dem Mädchen Mia (gespielt von Luna Mwezi), das nach der Auflösung der offenen Drogenszene am Zürcher Platzspitz 1995 mit ihrer heroinsüchtigen Mutter Sandrine (gespielt von Sarah Spale) ins Zürcher Oberland zieht. Dadurch ist Sandrines Drogenproblem aber nicht gelöst – im Gegenteil. <i>(Video: Ascot Elite)</i>

Sarah, wie hast du dich auf die Rolle einer Drogensüchtigen vorbereitet?

Ich habe mit ehemaligen Drogenabhängigen geredet. Ein Arzt hat zudem meine Fragen zum Thema geklärt. Und ich habe mit einem Coach zusammengearbeitet und mich damit beschäftigt, wie sich permanenter Stress auf den Körper auswirkt.

Wie genau?

Ich lief zum Beispiel durch den Bahnhof und habe versucht, alles als Bedrohung anzusehen und nur das Schlechteste zu erwarten. Das war sehr anstrengend, aber ich habe dadurch eine neue Sichtweise gewonnen.

Was hat dir die Rolle körperlich abverlangt?

Ich war oft in einer Turnhalle und habe beispielsweise Medizinbälle gestemmt, um damit an meine Grenzen zu gehen. Dadurch habe ich gemerkt, was es bedeutet, körperlich am Ende zu sein. So habe ich mir auch die spezielle Gangart antrainiert, die Sandrine im Film hat.

Wie lange bist du jeweils in der Maske gesessen?

An einem normalen Drehtag wurde ich während etwa 40 Minuten geschminkt. Gegen Ende, als die physische Erscheinung von Sandrine immer verwahrloster wurde, hat auch die Maske länger gedauert. Das Schminken half mir sehr im Prozess der Einfühlung.

Inwiefern?

Sobald ich mich morgens physisch in Sandrine verwandelt hatte, fühlte ich mich auch gleich mehr wie Sandrine.

Wie war es, in die Abgründe des Lebens einer Drogensüchtigen einzutauchen?

Wenn man einen Menschen verkörpert, der so voller Selbsthass und Verzweiflung ist wie Sandrine, tut das natürlich weh. Teilweise machte es mich fast ohnmächtig. Aber: Gerade als Schauspielerin ist es natürlich sehr spannend, eine solche Rolle spielen zu können.

Gibt es eine Szene, die dir besonders viel abverlangt hat? ?

Jeder Tag brachte neue Herausforderungen. Es war keine unbeschwerte Zeit, obwohl abseits der Kamera eine gute Stimmung herrschte. Dennoch musste man sich jeden Tag auf diese Abgründe einlassen. Das war anstrengend.

Trailer zweite Staffel «Wilder»

Die neuen Folgen sind ab 7. Januar zu sehen.
(Video: SRF)

Zurzeit ist Sarah Spale ausserdem auf SRF in der zweiten Staffel «Wilder» zu sehen, wo sie die Hauptrolle der Polizistin Rosa Wilder spielt.

Wie war es, deine Filmtochter Mia zu packen und anzuschreien?

Luna Mwezi, die Mia spielt, und ich haben ein sehr grosses Vertrauensverhältnis zueinander entwickelt. Wir hatten ausserdem einen Coach für Luna auf dem Set, der ihr bei emotional harten Szenen zur Seite stand. In solchen Szenen muss man völlig in die Rolle eintauchen, damit man die Emotionen dem Zuschauer authentisch vermitteln kann.

Du hast selber Kinder – die sind noch zu jung, um den Film zu sehen.

Ja, denn der Film ist ab 12 Jahren freigegeben. Aber sie stellen schon jetzt einige Fragen dazu – vor allem der Ältere, der jetzt neun ist.

Zum Beispiel?

Er war sehr interessiert, worum es in der Geschichte geht. Wir gingen mit seinen Fragen ehrlich um und haben mit ihm ein offenes, aber kindgerechtes Gespräch über das Thema geführt.

Konntest du die Rolle nach dem Dreh einfach hinter dir lassen?

Ich habe viel durch sie gesehen, beobachtet und gespürt. Das trägt man lange mit sich. Vor allem die Rückenschmerzen habe ich von ihr mitgenommen, von dem Stress, den sie permanent hatte. Nach einer Weile haben sich die Schmerzen dann aber wieder gelegt.

Was bedeutet dir dein Part in «Platzspitzbaby»?

Ich bin froh, neben Rosa Wilder noch eine Rolle zu spielen, die eine andere Facette von mir zeigt. Die Thematik ist ausserdem immer noch sehr aktuell, und es ist wichtig, dass darüber diskutiert wird. Ich wünsche mir, dass man sich über den Inhalt des Films Gedanken macht.

Und was steht bei dir in Zukunft an?

Ab Mitte Januar drehen wir «Wilder 3». Danach werde ich schauen, was kommt.

Am 16. Januar läuft «Platzspitzbaby» in den Schweizer Kinos an. Den Trailer dazu gibt es vorab im Video ganz oben zu sehen.

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