Teilweiser Freispruch für Gleitschirm-Kamikaze
Aktualisiert

Teilweiser Freispruch für Gleitschirm-Kamikaze

Das Bundesstrafgericht hat einen rabiaten Gleitschirm-Instruktor zu einer bedingten Geldstrafe von 6000 Franken und 1000 Franken Busse verurteilt. Vom Hauptvorwurf der Gefährdung des Lebens wurde er freigesprochen.

Die Bundesanwaltschaft (BA) hatte dem Gleitschirm-Instruktor in ihrer Anklageschrift vorgeworfen, bei zwei Luft-Attacken auf andere Piloten das Leben der Betroffenen gefährdet und den Luftverkehr gestört zu haben. Laut BA soll er im Sommer 2003 und 2004 am Himmel ob Veysonnaz VS den Flug der zwei anderen Piloten behindert haben.

Konkurrenten vertrieben

Der zweite Gleitschirmflieger war mit einer Passagierin unterwegs gewesen. Am 28. Juli 2004, dem Tag des zweiten Vorfalls, war er zudem gegenüber dem einen Piloten am Boden tätlich geworden, den anderen hatte er als Idioten und Schlimmeres betitelt.

Hintergrund der Aktionen bildete der Umstand, dass der Instruktor die beiden Gleitschirm-Flieger als Eindringlinge in sein Arbeitsgebiet betrachtete. Mit dem Piloten des Zweiplätzer-Fluges hatte er früher eine Flugschule betrieben.

Einzelrichter Bernard Bertossa vom Bundesstrafgericht hat den Gleitschirm-Instruktor am Dienstagmorgen nun von den Hauptanklagepunkten der Lebensgefährdung und der Störung des Luftverkehrs freigesprochen. Ein Schuldspruch erfolgte einzig wegen Beschimpfung, Tätlichkeit und versuchter Nötigung.

4000 Franken Verfahrenskosten

Dafür verurteilte ihn das Bundesstrafgericht zu einer auf drei Jahre bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 50 Franken. Zudem erhielt er eine Busse von 1000 Franken. Weiter muss er 4000 Franken Verfahrenskosten zahlen. Die BA hatte eine bedingte Geldstrafe von 250 Tagessätzen gefordert, die Verteidigung einen Freispruch.

Wie Richter Bertossa bei der Urteilsverkündung ausführte, ist der erste Luftvorfall mangels Zeugen nicht bewiesen. Beim Zweiten könne nicht davon ausgegangen werden, dass das Leben des Pilots und seiner Passagierin gefährdet oder der Luftverkehr gestört worden sei.

Weil er seinen Konkurrenten dabei allerdings zu einer Änderung seiner Flugbahn habe zwingen wollen, liege eine versuchte Nötigung vor. Der angeklagte Walliser hatte 1991 mit dem Gleitschirmfliegen begonnen. Er gilt als einer der besten Piloten der Schweiz und hat sogar an den Weltmeisterschaften teilgenommen.

(Urteil SK.2006.24 vom 24.4.2007)

(sda)

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