Aktualisiert 02.08.2017 10:33

Schwerer Stand für Hausmänner«Teilzeit-Männer gelten als schwach – so ein Unsinn»

Die meisten Frauen wollen keine Hausmänner, und Männer keine Karriere-Mütter. Clivia Koch, Präsidentin der Wirtschaftsfrauen Schweiz, weiss, warum.

von
D. Pomper
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Nur 11 Prozent der Frauen wünschen sich einen Mann, der 50 Prozent oder weniger arbeitet.

Nur 11 Prozent der Frauen wünschen sich einen Mann, der 50 Prozent oder weniger arbeitet.

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Ivanka Trump, die Tochter des US-Präsidenten, hat sich einen Namen als Business-Lady gemacht. In der Schweiz aber haben viele Mütter keine Lust, 100 Prozent zu arbeiten.56 Prozent der Frauen geben an, als Mütter höchstens 50 Prozent arbeiten zu wollen. Für 17 Prozent kommt ein 80-Prozent-Pensum in Frage, 100 Prozent wollen gerade mal 3 Prozent der Frauen arbeiten.

Ivanka Trump, die Tochter des US-Präsidenten, hat sich einen Namen als Business-Lady gemacht. In der Schweiz aber haben viele Mütter keine Lust, 100 Prozent zu arbeiten.56 Prozent der Frauen geben an, als Mütter höchstens 50 Prozent arbeiten zu wollen. Für 17 Prozent kommt ein 80-Prozent-Pensum in Frage, 100 Prozent wollen gerade mal 3 Prozent der Frauen arbeiten.

AP/Willie J. Allen jr.
Auch wünschen sich die meisten Frauen, dass der Vater ihrer Kinder mindestens 80 Prozent weiterarbeiten soll (58 Prozent). Einen Mann, der weniger als 50 Prozent arbeitet, wollen 11 Prozent. Einen Mann, der Hausmann ist, wünscht sich gerade mal ein Prozent. 31 Prozent geben an, dass es ihnen egal ist, wie viel der Vater arbeite.

Auch wünschen sich die meisten Frauen, dass der Vater ihrer Kinder mindestens 80 Prozent weiterarbeiten soll (58 Prozent). Einen Mann, der weniger als 50 Prozent arbeitet, wollen 11 Prozent. Einen Mann, der Hausmann ist, wünscht sich gerade mal ein Prozent. 31 Prozent geben an, dass es ihnen egal ist, wie viel der Vater arbeite.

Keystone/Petra Orosz

Frau Koch, die Mehrheit der Schweizer wünscht sich, dass Mann und Frau erwerbstätig sind und sich beide gleich viel um Haushalt und Kinder kümmern. Doch die meisten Mütter wollen gar nicht Vollzeit arbeiten und Väter nur beschränkt reduzieren. Ist das nicht widersprüchlich?

Junge Männer und Frauen teilen sich die Hausarbeit jahrelang partnerschaftlich auf und arbeiten beide etwa gleich viel. Doch sobald Kinder da sind, verfallen sie in die klassische Rollenverteilung der Eltern. Das sind Verhaltensweisen und Reflexe, die wir in uns tragen. Im Gegensatz zu den Tieren können wir diese überwinden – aber nur, wenn wir ein grosses Bewusstsein dafür haben.

Wie meinen Sie das?

Wir entscheiden uns für den Status quo, weil wir wissen, dass es so funktioniert. Das haben wir bei unseren Eltern gesehen. Stattdessen sollten wir mutiger sein und neue Wege ausprobieren. Es ist eigentlich wie beim Fussball: Entweder machen wir hinten zu, um das Risiko zu minimieren, ein Goal zu kassieren. Oder aber wir gehen das Risiko ein, damit wir selber ein Tor schiessen können.

Was ist denn so schlimm daran, dass die meisten Frauen nur Teilzeit arbeiten wollen, wenn sie Kinder haben? Hauptsache, sie sind glücklich, oder nicht?

Das mit dem Glücklichsein ist recht kurzfristig gedacht. Was ist, wenn wir in eine Wirtschaftskrise schlittern, der Partner erkrankt oder stirbt? Wenn beide arbeiten, lastet das Risiko nicht länger nur auf den Schultern des Mannes. Das entlastet auch ihn vom Versorgungsdruck.

Muten sich die Männer zu viel zu?

Karriere und Erfolg sind bei Männern positiv besetzt. Geben sie hier nicht Vollgas, droht der Statusverlust.

Scheuen sich deshalb viele Männer davor, beruflich kürzer zu treten?

Ich habe bei einem Workshop einen jungen Mann kennengelernt, der sehr gern auf 80 Prozent reduziert hätte. Doch er befürchtete, von seinen Kollegen nicht mehr ernst genommen zu werden, das Gesicht zu verlieren. Männer, die weniger als 100 Prozent arbeiten, signalisieren Schwäche. Beide Geschlechter laufen Gefahr, vom Radar ihres Vorgesetzten zu fallen, wenn es um spannende Projekte oder Beförderungen geht. Was natürlich totaler Blödsinn ist. Wir sollten im Job eine Ergebniskultur leben und nicht eine Präsenzkultur.

Die meisten Frauen wollen zwar einen Mann, der sich um Familie und Haushalt kümmert. Aber weniger als 80 Prozent soll er nicht arbeiten, finden die meisten. Und einen Hausmann wollen sie schon gar nicht. Warum nicht?

Auch ich beobachte, dass viele Frauen zwar für Gleichberechtigung im Berufs- und Privatleben plädieren. Doch gleichzeitig wollen sie auch einen reichen, starken Mann, mit dem sie sich zeigen können. Vielleicht ist auch das ein innerer Drang, den es zu überwinden gilt.

Während Frauen keine Hausmänner wollen, wollen die meisten Männer keine Karriere-Mamis. Warum nicht?

Oh, das ist viel zu anstrengend. Da haben sie ständig Auseinandersetzungen, müssen mehr organisieren und persönlich vielleicht auch mal zurücktreten. Als mein ehemaliger Partner erfuhr, dass ich mehr verdiente als er, hat er eine Woche lang nicht mit mir gesprochen. Und ich hatte noch gedacht, jetzt macht er einen Champagner auf! Als wir uns trennten, sagte er mir, dass er nie mehr eine Business-Frau wolle. Er hatte danach eine Künstlerin. Es wurde aber nicht weniger anstrengend, glaube ich.

Blicken wir in die Zukunft: Wird es in Zukunft mehr Karriere-Mamis und Hausmänner geben – oder entspricht das einfach nicht unserer Natur?

Ich glaube, dass sich die Rollenbilder sehr langsam ändern werden. Der Wandel hängt auch vom wirtschaftlichen Druck ab. In konservativen Ländern wie Italien oder Spanien ist die Gesellschaft berufstätigen Frauen gegenüber weniger kritisch eingestellt. Schlicht und einfach deshalb, weil sie von ihnen abhängig ist. Schlussendlich ist es auch im Interesse der Schweiz, Frauen im Arbeitsleben zu behalten.

Warum?

Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz sichern. Ausserdem bilden wir Millionen Frauen aus. Anstatt neue Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen, sollten wir das brachliegende Potenzial nutzen.

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