27.12.2016 11:40

Lieber Phil GeldTeilzeitarbeit – Anspruch auf Mutterschaftsurlaub?

Verena (35) arbeitet Teilzeit. Sie bekommt bald ein Kind und fragt sich, ob sie auch als Teilzeitangestellte Anspruch auf Mutterschaftsurlaub hat.

Auch teilzeitbeschäftigte Mütter haben Anspruch auf Mutterschaftsurlaub. (Bild: Keystone)

Auch teilzeitbeschäftigte Mütter haben Anspruch auf Mutterschaftsurlaub. (Bild: Keystone)

Lieber Phil Geld

Ich werde Anfang nächsten Jahres Mutter. Zurzeit arbeite ich als Teilzeitangestellte. Habe ich in diesem Anstellungsverhältnis auch Anspruch auf Mutterschaftsurlaub?

Liebe Verena

Nach Art. 329f OR hat die Arbeitnehmerin nach der Niederkunft einen gesetzlichen Anspruch auf einen Mutterschaftsurlaub von mindestens 14 Wochen. Zweck des Mutterschaftsurlaubs ist es, die Arbeitnehmerin in der Anfangsphase nach der Niederkunft zu entlasten. Sie ist von ihrer Arbeitspflicht befreit und darf der Arbeit fernbleiben.

Frauen, die bis zur Geburt ihres Kindes eine Erwerbstätigkeit ausgeübt haben, beziehungsweise im Zeitpunkt der Niederkunft in einem Arbeitsverhältnis stehen, haben gemäss Art. 16b des Erwerbsersatzgesetzes (EOG) Anspruch auf Mutterschaftsurlaub. Ein Anspruch besteht folglich auch dann, wenn Teilzeit gearbeitet wird.

Der Anspruch auf Mutterschaftsurlaub besteht nach dem Wortlaut von Art. 329f OR «nach der Niederkunft». Das bedeutet: Der Mutterschaftsurlaub beginnt grundsätzlich am Tag der Niederkunft. Bei längeren Spitalaufenthalten des neugeborenen Kindes kann die Arbeitnehmerin den Mutterschaftsurlaub ausnahmsweise aufschieben, bis das Kind nach Hause kommt. Auch im Fall einer Totgeburt besteht ein Anspruch auf Mutterschaftsurlaub, sofern die Schwangerschaft mindestens 23 Wochen gedauert hat (Art. 23 lit. b EOV). Der Anspruch besteht während 14 Wochen (98 Kalendertagen) ab dessen Beginn. Nimmt die Mutter allerdings ihre Arbeitstätigkeit vorzeitig wieder auf (Vollzeit oder Teilzeit), endet der Mutterschaftsurlaub zu diesem Zeitpunkt (Art. 16d EOG).

Beim Mutterschaftsurlaub handelt es sich um ein Recht und keine Pflicht. Das heisst: Es besteht (ausserhalb des arbeitsgesetzlichen Arbeitsverbots gemäss Art. 35a Abs. 3 ArG, wobei bis zum Ende der achten Woche nach der Niederkunft ein zwingendes Arbeitsverbot besteht) keine Pflicht zum Bezug des Mutterschaftsurlaubs. Die Arbeitnehmerin kann folglich ganz oder teilweise darauf verzichten, den Mutterschaftsurlaub anzutreten. Ein im Voraus erklärter Verzicht ist allerdings unwirksam.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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