TV-Rochade: TeleBärn und TeleZüri werden Aargauer
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TV-RochadeTeleBärn und TeleZüri werden Aargauer

TeleBärn und TeleZüri gehen von Tamedia an die AZ Medien. Künftig sollen die drei Regionalsender Sendungen austauschen. Ein nationales Fernsehen ist nicht geplant.

von
Andy D. Veraguth

Statement von Filippo Leutenegger, Nationalrat und Fernsehschaffender (Video: Keystone)

Die AZ Mediengruppe kauft von Tamedia die Regionalsender TeleZüri und TeleBärn. Die AZ Medien, die mit Tele M1 bereits einen starken Regionalsender besitzen, weiten damit ihr TV-Netz auf Zürich und Bern aus.

Die AZ Mediengruppe will die drei Regionalsender nicht zu einem nationalen Sender vereinen. Peter Wanner, der Verleger der AZ Medien, will jedoch einen gemeinsamen Werbeverbund bilden und Sendungen austauschen.

In der ersten halben Stunde würden nach wie vor regionale Nachrichten gesendet, sagte Wanner. Für die zweite halbe Stunde sei jedoch grosses Potenzial vorhanden, vor allem bei politischen Informationssendungen oder Talksendungen.

Finanzieller Kraftakt

Medienexperte und früherer Chef des ersten nationalen Schweizer Privatsenders TV3, Kurt W. Zimmermann, kommt der Verkauf an die AZ Medien nicht überraschend. Die AZ-Medien seien der letzte Schweizer Interessent gewesen. «Finanziell ist der Deal für die Aargauer ein Hosenlupf», so Zimmermann.

Der neue TV-Verbund habe «sicher eine Chance», sich im Markt zu behaupten. Tamedia habe in den letzten Jahren mit wenig Enthusiasmus im TV-Bereich agiert.

Heute sei es aber noch schwieriger, ein Privatfernsehen erfolgreich zu betreiben: «Die Gesetze stützen derzeit die Macht der SRG», so Zimmermann. Er sieht keine Chance, dass sich dies in Zukunft ändern: «Die SRG ist auch im Parlament eine heilige Kuh.»

Standorte bleiben erhalten

TeleBärn und TeleZüri werden an den bisherigen Standorten in Bern und Zürich weitergeführt. Durch eine gezielte Zusammenarbeit in Technik und Verkauf soll aus den drei Stationen eine «TV-Senderfamilie» mit starker regionaler Verankerung in den Kantonen Aargau, Bern, Solothurn und Zürich entstehen.

«Ich will alle drei Sender in der Super League»

Herr Wanner*, Ihnen gehört Tele M1, jetzt kommen noch zwei Sender hinzu. Wie fühlt man sich als Schweizer Regional-TV-König?

Peter Wanner: König – das haben Sie gesagt (lacht). Ich fühle mich gut, es ist ein Aufsteller. Wir (AZ Media AG) haben jetzt die für den TV- und Werbemarkt attraktive Achse Zürich–Mittelland–Bern. Dazu kommen rund 200 Mitarbeiter im TV-Bereich, der bei uns jetzt ein wichtiger Geschäftszweig wird.

Wie gut kennen Sie Ihre zwei neuen Sender?

Mein CEO Christoph Bauer und sein Team führten die Verhandlungen. Während dieses dreimonatigen Prozesses durften wir aber nicht mit den TV-Machern sprechen. Das will ich jetzt nachholen. Klar ist: Tele Züri spielt in der Super League, die anderen zwei in der Challenge League – ich will jetzt alle drei in die Super League bringen.

Wie werden die drei Sender rentabel?

Im Verbund werden wir im Regio-TV-Geschäft dank Synergien und super Reichweite schwarze Zahlen schreiben können.

*Peter Wanner ist Mehrheitsaktionär der AZ Medien AG

Gewerkschaften sind erleichtert

Die Mediengewerkschaften sind erleichtert, dass Tamedia die Privatsender TeleBärn und TeleZüri an ein Medienunternehmen und nicht an politische Kreise verkauft hat. Sie erwarten von der AZ Mediengruppe, das sie die Synergien für ein «besseres Fernsehen» nutzt.

Das SSM, in dem vor allem Fernsehschaffende organisiert sind, fordert die AZ Medien Gruppe auf, zu den Mitarbeitenden der drei Fernsehstationen Sorge zu tragen. Die Arbeitsplatzgarantie für das Personal von TeleBärn und TeleZüri bis Ende Juni 2012 sei zwar gut, aber ungenügend.

(sda)

«Der Verkauf stärkt die Medienvielfalt»

Die Medienvielfalt in der Schweiz werde mit dem Verkauf von TeleZüri und TeleBärn an die AZ Medien gestärkt. Dies sagte Markus Wiegand, Chefredaktor des Fachmagazins «Schweizer Journalist», am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Mit der Übernahme der beiden TV-Sender werde eine Stimme aus der Region auf nationaler Ebene hörbar. Trotz der zunehmenden Bedeutung der AZ Medien werde die Medienvielfalt durch den Verkauf nicht geschwächt, denn «Printriese Tamedia» gebe gleichzeitig einen Teil seiner Macht ab.

«Erhebliches Synergiepotenzial»

Für AZ Medien-Verleger Peter Wanner ergebe sich nun die Möglichkeit, einen «Konstruktionsfehler des Schweizer Mediensystems» zu ändern. Bisher seien Privatsender nämlich immer so klein gehalten worden, dass sie nie eine grössere publizistische Kraft hätten entfalten können.

Der Kauf der beiden TV-Sender berge auf jeden Fall erhebliches Synergiepotenzial. Die Produktion von Fernsehsendungen sei teuer. Da könnte es laut Wiegand interessant sein, ein bestimmtes Format auf allen drei Sendern auszustrahlen. Auch werbemässig bringe die Zusammenarbeit Vorteile. Die Kundschaft im Anzeigengeschäft bevorzuge grosse Räume. (SDA)

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