Aktualisiert 10.10.2016 11:33

IP statt WählscheibeTelefon-Umstellung ärgert Swisscom-Kunden

Wegen der Umstellung auf Internettelefonie müssen viele Kunden der Swisscom neue Abos abschliessen. Das sorgt teils für Unmut. Der Konzern verteidigt sich.

von
kwo
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Das Wählscheibentelefon hat bald endgültig ausgedient.

Das Wählscheibentelefon hat bald endgültig ausgedient.

Keystone/Peter Klaunzer
Bald kann nur noch über das Internet Protokoll (IP) telefoniert werden. Viele Kunden benutzen diese Technologie aber bereits heute. Etwa, wer ein Kombiangebot mit TV, Festnetz und Internet hat.

Bald kann nur noch über das Internet Protokoll (IP) telefoniert werden. Viele Kunden benutzen diese Technologie aber bereits heute. Etwa, wer ein Kombiangebot mit TV, Festnetz und Internet hat.

Keystone/Walter Bieri
Oder wer Kunde bei einem Kabelnetzbetreiber ist.

Oder wer Kunde bei einem Kabelnetzbetreiber ist.

Keystone/Ennio Leanza

In der Schweiz werden das analoge Festnetz und ISDN durch die Internettelefonie (IP) ersetzt. Im Gegensatz zu Konkurrentin Sunrise, die noch bis 2021 warten will, ist die Swisscom bereits daran, die Anschlüsse ihrer Kunden umzustellen.

Dazu verschickt das Unternehmen seinen Kunden – primär an solche, die bisher einen Festnetz-Anschluss und ein «DSL Standard»-Internet-Abo hatten – Briefe. In diesen empfiehlt die Swisscom meist den Wechsel zu einem Vivo-XS-Paket, teils auch zu einem Vivo-S-Paket. In beiden ist neben Telefonie und Internet auch Fernsehen enthalten.

Kritik an kurzer Frist

Verivox-Telekomexperte Ralf Beyeler kritisiert gegenüber 20 Minuten mir Verweis auf negative Kunden-Rückmeldungen das Vorgehen der Swisscom. Grund: Die Swisscom gibt den Kunden für den Wechsel jeweils eine relativ kurze Frist von gut einem Monat. «In der Praxis ist die Frist oft noch kürzer, da die Briefe oftmals länger unterwegs sind», so Beyeler.

Es heisse zwar, die Kunden könnten sich bei der Swisscom melden. Doch beharre der Konzern auf die Umstellung zum angegebenen Zeitpunkt. Problematisch sei dies auch, weil bei gewissen Kunden für die Umstellung ein Elektriker vorbeikommen muss.

Zeitraum sei ausreichend

Die Swisscom bestätigt auf Anfrage, dass man die Kunden über den bevorstehenden Wechsel mittels Brief informiere. Ein Sprecher sagt: «Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass fünf Wochen ein guter Zeitraum sind, um den Kunden über Anpassungen oder Änderungen zu informieren.» Der Brief als Kommunikationsmittel komme bei den meisten Kunden gut an. Diese zusätzlich per Telefonanruf zu informieren, hält die Swisscom daher nicht für nötig.

Kritik äussert Telekomexperte Beyeler jedoch nicht nur an der Art der Umstellung, sondern auch daran, dass Kunden, die auf ein Vivo-S-Paket wechseln, mehr bezahlen müssen als vorher. Neu fallen 94 statt 74.35 Franken pro Monat an. Bei einem Wechsel auf das XS-Paket liegt der neue Betrag hingegen bei nur 74 Franken. Was den Experten stört, ist die Tatsache, dass die Swisscom bei den teureren Abos vorprescht und nicht standardmässig das günstige empfiehlt.

«Kunden wählen selbst Vivo S»

Die Swisscom lässt die Kritik Beyelers so allerdings nicht gelten: «Dem grössten Teil der Kunden schlagen wir Vivo XS vor», erklärt der Sprecher. Lediglich «DSL Standard»-Kunden, die das Internet sehr intensiv nutzen, schlage die Swisscom das Vivo-S-Kombipaket vor. So könne man ihnen dank kürzeren Down- und Upload-Zeiten ein besseres Surferlebnis bieten. Eine Analyse der «DSL Standard»-Kunden habe gezeigt, dass diese beim Wechsel oft von sich aus das Vivo S gewählt hätten.

Falls das vorgeschlagene Angebot teurer sei als das bisherige, werde dem Kunden ausserdem transparent die günstigere Alternative aufgezeigt. Zudem weise man ihn darauf hin, dass er auch später noch kostenlos wechseln könne. Der Sprecher erklärt: «Kunden, die auf ein teureres Produkt gewechselt werden, gewähren wir auch eine Geld-zurück-Garantie.» Will heissen: Wenn sie innerhalb der ersten drei Monate doch noch wechseln, erhalten sie den Differenzbetrag zum Originalprodukt zurück.

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