Basel: Telefonbetrüger versuchen alles, um Frau abzuzocken
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BaselTelefonbetrüger versuchen alles, um Frau abzuzocken

Anna Lutz wird regelmässig von Telefonbetrügern belästigt und kennt mittlerweile jede Masche der Gauner. Nicht alle sind aber so abgebrüht wie die Basler Rentnerin.

von
sis
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Anna Lutz und ihr an Alzheimer erkrankter Ehemann werden immer wieder zur Zielscheibe dreister Telefonbetrüger

Anna Lutz und ihr an Alzheimer erkrankter Ehemann werden immer wieder zur Zielscheibe dreister Telefonbetrüger

20 Minuten/sis
Den Apparat nennt die 89-Jährige mittlerweile "mein kriminelles Telefon".

Den Apparat nennt die 89-Jährige mittlerweile "mein kriminelles Telefon".

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Als Erinnerungshilfe für ihren Ehemann stülpt sie dem Telefon eine Plastiktüte über, wenn sie die Wohnung verlässt. Darauf steht: "Kein Telefon abnehmen, wenn ich nicht da bin".

Als Erinnerungshilfe für ihren Ehemann stülpt sie dem Telefon eine Plastiktüte über, wenn sie die Wohnung verlässt. Darauf steht: "Kein Telefon abnehmen, wenn ich nicht da bin".

20 Minuten/sis

Wenn sie die Wohnung verlässt, stülpt sie stets eine Tüte über das Telefon. «Kein Telefon abnehmen, wenn ich nicht da bin», steht darauf geschrieben – eine Erinnerungshilfe für ihren an Alzheimer erkrankten Ehemann. Der sei für die Telefonbetrüger ein besonders leichtes Opfer, sagt Anna Lutz.

In den letzten Monaten haben sich die Betrugsversuche am Telefon gehäuft. Mindestens viermal wurde sie kontaktiert. «Sie geben sich als Interpol oder Paketdienste aus, bei denen wir angeblich etwas bestellt hätten», erzählt die 89-Jährige. Beim zweiten angeblich bestellten Paket hätte Wein dabei sein sollen. Da antwortete sie ihm: «Sie Schlitzohr, ich habe nichts bestellt», und hängte auf. Die Polizei könne ihnen auch nicht helfen. Die hätten nur bestätigt, dass sich die Betrüger alle möglichen Maschen einfallen lassen würden und davor gewarnt.

«Mein kriminelles Telefon»

Sie sei von Natur aus eher misstrauisch und durch den Beruf ihres Ehegatten, einen pensionierten Polizeibeamten, auch sensibilisiert. Aber wegen seiner Krankheit würde er natürlich schnell zum Opfer werden. Erst letztes Jahr hat sich ein Betrüger als ehemaliger Arbeitskollege vom Polizeiposten ausgegeben und dem Ehepaar 1200 Franken für sechs Billig-Jacken abgeluchst.

Nun also die Telefonanrufe. «Wenn ich dieses kriminelle Telefon nur anschaue», schimpft Lutz. Das letzte Mal klingelte das «kriminelle Telefon» in der Fasnachtswoche: «Da wollte jemand meinen Mann «wegen dem Elfenbein» sprechen», erinnert sie sich. Skeptisch fragte sie zurück, von welchem Elfenbein er rede, ob das nicht verboten sei und bekam zu hören, dass sich ihr Mann aber dafür interessieren würde, auch hätte er eine Werkbank. Da habe sie dann abgehängt.

Angst vor dem Wörtchen «Ja»

Sie selber habe den kriminellen Anrufern bis jetzt aber immer gut Paroli bieten können. «Sie krimineller Siech», habe sie zuletzt einem angeblichen Interpol-Beamten an den Kopf geworfen. Noch nie habe sie jemandem Siech gesagt, aber der habe das verdient, sagt sie und kichert hinter vorgehaltener Hand. Dass die Betrüger sie zu diesen Schimpfworten provozieren, mache sie aber auch traurig. «So kenne ich mich gar nicht.»

Nicht alle sind so schlagfertig und abgebrüht wie Lutz. In Basel gab es diesen Winter bereits dutzende Spoofing-Opfer, die falschen Polizisten auf den Leim gingen. Die Deliktsumme beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf über eine Million Franken. Tatsächlich dürften es aber wesentlich mehr sein. Manche Opfer schämten sich und würden den Fall der Polizei gar nicht melden.

Es kam aber auch schon zu mehreren Festnahmen. Mindestens drei Tatverdächtige sitzen zurzeit in Basel in Untersuchungshaft. Die Polizei hat auf die aktuelle Telefonbetrugswelle mit einer Informationskampagne reagiert; eine Internetseite und Flyer geben Verhaltenstipps.

Telefonbucheintrag ändern

Sollten die Telefonbetrüger weiterhin anrufen, denke sie darüber nach, sich aus dem Telefonbuch austragen zu lassen. Zunächst aber will sie es anders versuchen. Ein Freund des Ehepaars habe in seinem Telefonbucheintrag auch seinen Beruf als Polizeibeamter angegeben. «Vielleicht wirkt es ja abschreckend», hofft Lutz.

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