Swisscom Directories: Telefonbuch: Geliebt und gehasst
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Swisscom DirectoriesTelefonbuch: Geliebt und gehasst

Die Auflage der Telefonbücher ist auf unter 4 Millionen Exemplare geschrumpft, viele Bücher landen direkt im Altpapier. Doch es gibt auch immer noch viele Anhänger des Jubiläums-Buches.

von
meg

Dicke Post für die Zürcher Haushalte. In den vergangenen Tagen landete Band 21 des neuen Telefonbuchs in den Briefkästen der grössten Schweizer Stadt. Kaum ausgeteilt, stapelten sich auch schon die verpackten Exemplare vor den Hauseingängen. «Im Kreis 5 hat es an einigen Strassen praktisch vor jeder Türe frisch verpackte Telefonbücher, die auf die Altpapiersammlung warten», sagt Leser-Reporter Franz L. Auch vor der eigenen Türe seien über zehn Exemplare gelegen, nachdem sie am Tag zuvor in die Briefkästen gelegt worden waren. Das gleiche Bild hat Leser Willy H. auch im Kreis 11 angetroffen. Einzelne Bände der neuen Bücher seien bereits fein säuberlich gebündelt für das Altpapier bereitgestellt worden, sagt er.

Das Telefonbuch feiert heuer sein 130-jähriges Bestehen. Doch im Internet-Zeitalter sind die dicken Schinken offenbar in vielen Haushalten nicht mehr erwünscht. Tatsächlich hat die Herausgeberin, Swisscom Directories AG, die Auflage noch einmal gesenkt. Wurde 2002 mit 5,2 Millionen Büchern die höchste Auflage erzielt, wurden 2009 noch 4,2 Millionen gedruckt. Die Ausgabe 2010 wurde noch einmal um 400 000 Exemplare auf 3,8 Millionen Exemplare gesenkt. «Das liegt primär daran, dass die Anzahl Bände reduziert wurde», sagt Directories-Sprecher Martin Lüthi. Mit Band 19 wurde die Ausgabe Zürich-Ost gestrichen und die Anzahl Bände auf 24 reduziert. Damit sei eine Auflage von 210 000 Exemplaren verschwunden. Auch die Abmeldungen schlagen bei Directories zu Buche. Innert Jahresfrist (2009 - 2010) gingen rund 29 000 Abbestellungen ein.

300 000 Nachbestellungen

11 000 Abbestellungen wurden allein im letzten Mai getätigt, nachdem der Kassensturz einen kritischen Bericht über die flächendeckende Telefonbuch-Streuung ausstrahlte und verärgerte Kunden zu Wort kommen liess. Die grossflächige Verteilung ist wichtig für das Geschäft, weil Swisscom Directories die Bücher über die Werbung finanziert.

Eine repräsentative MACH Consumer-Studie aus dem Jahr 2009 der WEMF (AG für Werbemedienforschung) kam hingegen zu erstaunlichen Resultaten: Mehr als 82 Prozent der Bevölkerung nutzen nach wie vor das Telefonbuch, davon verwenden es rund 1,2 Mio. Menschen intensiv. Sie nehmen das Buch mehrmals im Monat zur Hand, um Adressen zu finden. «Die Umfrage hat gezeigt, dass viele Nutzer das Telefonbuch vor allem zu Hause als Alternative zum Internet verwenden», sagt Lüthi. Die Beliebtheit des Telefonbuches zeige sich laut Lüthi auch in einer anderen Zahl: «Rund 300 000 Telefonbuchbände werden jährlich zusätzlich gekauft.» Wer das Telefonbuch nicht wolle, könne das Buch sehr einfach über die Homepage directories.ch abbestellen.

Trotzdem werden nach wie vor Hunderte Bücher direkt für die Altpapiersammlung gebündelt. Wie viele Exemplare das sind, weiss Lüthi nicht. Auch bei Entsorgung und Recycling Zürich hat man keine Zahlen. Auf der Homepage von ERZ gibt es allerdings eine Rubrik: «Dieses Papier gehört gebündelt und verschnürt an den Strassenrand.» Darunter steht: «Buch ohne Deckel, Kuvert, Taschenbuch, Telefonbuch, Zeitschrift, Zeitung usw.»

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