Aktualisiert 25.06.2009 15:27

Sorgenecke für LehrlingeTelefondienst in der Pause?

Seit Sommer 2006 arbeite ich in einem aufstrebenden Kleinbetrieb im Baselbiet. Leider hat es in letzter Zeit öfters Diskussionen um unsere Pausen gegeben.

von
Ralf Margreiter

In den Pausen müssen wir ausstempeln, jedoch die eingehenden Telefone entgegennehmen. Meiner Meinung nach ist dies doch nicht ganz korrekt? Mein Chef begründet dies mit der Aussage, dass er uns ja auch erlaube, während der Arbeit private Gespräche zu führen. Wie ist hier die rechtliche Situation? Martina

Pausen sind Arbeitsunterbrechungen zum Zweck der Entspannung und Verpflegung. Sie verringern auch eine Überbeanspruchung und damit die Gefahr von Arbeitsunfällen. Im Art. 15 des Arbeitsgesetzes sind darum zwingend folgende Mindestpausen vorgeschrieben: eine halbe Stunde bei einer täglichen Arbeitszeit von 7 bis 9 Stunden, eine ganze Stunde bei mehr als 9 Stunden (was Jugendliche bis zum 18. Geburtstag allerdings ohnehin nicht leisten dürfen). Überschreitet ein einzelner Arbeitsblock 5,5 Stunden, wird eine zusätzliche viertelstündige Pause fällig.

In vielen Betrieben gibt es daneben Vormittags- und Nachmittagspausen (Znüni, Zvieri), deren Dauer im Arbeitsvertrag festgelegt wird. Der KV Schweiz empfiehlt solche Arbeitsunterbrüche.

In allen Fällen – egal ob rechtlich zwingende oder zusätzliche Pausen – ist aber Art. 15 Abs. 2 ArG anzuwenden: «Die Pausen gelten als Arbeitszeit, wenn die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz nicht verlassen dürfen.» Da ihr in Abrufbereitschaft für den Telefondienst bleiben müsst, sind eure Pausen als Arbeitszeit anzurechnen. Euer Betrieb liegt hier falsch, und zwar unabhängig davon, ob und in welchem Mass euch Privatgespräche während der Arbeitszeit gestattet sind.

Ralf Margreiter, Ressortleiter Jugend- und Lehrlingsfragen des KV Schweiz, beantwortet unter sorgenecke@20minuten.ch deine Fragen.

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