16.09.2020 13:18

St. GallenTelefonhörer auflegen kann zu Polizeieinsatz führen

Benni Burkart ist oberster Contact-Tracer im Kanton St. Gallen. Kein leichter Job. Hilft Druck machen am Telefon nichts, könnte es sogar einen Polizeieinsatz zur Folge haben.

von
Büro Ostschweiz
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Bis zu 400 Anrufe müssen Contact-Tracer im Kanton St. Gallen derzeit pro Tag entgegennehmen. 

Bis zu 400 Anrufe müssen Contact-Tracer im Kanton St. Gallen derzeit pro Tag entgegennehmen.

KEYSTONE
Anfang Mai 2020 hat der Kanton das Contact-Tracing wieder aufgenommen. Das Contact-Tracing wird vom Kantonalen Führungsstab mit Unterstützung durch das Kantonale Einsatzelement (KEE) vom Zivilschutz betrieben.

Anfang Mai 2020 hat der Kanton das Contact-Tracing wieder aufgenommen. Das Contact-Tracing wird vom Kantonalen Führungsstab mit Unterstützung durch das Kantonale Einsatzelement (KEE) vom Zivilschutz betrieben.

Kanton SG
Vom positiven Corona-Test bis zum Anruf vergehen in der Regel maximal 24 Stunden. 

Vom positiven Corona-Test bis zum Anruf vergehen in der Regel maximal 24 Stunden.

Reuters

Darum gehts

  • Contact-Tracer im Kanton St. Gallen nehmen bis zu 400 Anrufe am Tag entgegen.
  • Die Angerufenen haben teilweise Angst, sind wütend oder gar aggressiv.
  • Am meisten zu schaffen machen ihnen Jugendliche, die einfach den Hörer auflegen.

«Es können bis zu 400 Anrufe am Tag sein, die wir tätigen oder entgegennehmen», sagt Benni Burkart vom kantonalen Führungsstab St. Gallen und Projektleiter des Contact-Tracings gegenüber FM1Today. Nebst der Information an eine positiv getestete Person und das Herausfinden, wen sie angesteckt haben könnte, komme auch eine psychologische Betreuung dazu. «Ein erstes Gespräch kann bis zu 30 Minuten dauern. Das Hauptziel dabei ist, die Infektionskette zu stoppen oder zu verlangsamen.» Es gebe Leute, die Angst hätten, wütend oder aggressiv reagierten. Selbstständige oder junge Leute würden oft sagen, sie können jetzt unmöglich in Quarantäne.

«Am meisten zu schaffen machten uns bisher Jugendliche, die das Telefongespräch abgebrochen haben. In solchen Situationen müssen wir immer stärker Druck machen und zum Beispiel auf den Telefonbeantworter sprechen», so Burkart. Passiere dann immer noch nichts, gehe eine Meldung an das Kantonsarztamt. Auch eine Busse oder ein Polizeieinsatz sei eine mögliche Folge. So weit sei es bisher allerdings nicht gekommen.

«Macht Party in kleinen Gruppen»

Gemäss dem Portal appelliert Burkart zudem an Jugendliche. Party machen sollen sie, doch dabei sollen sie sich für ein paar wenige Orte entscheiden und in kleinen Gruppen feiern.

Zwischen dem positiven Test und dem Anruf der Contact-Tracer vergehen meist maximal 24 Stunden. Am Wochenende könne es zu Verzögerungen kommen. Man prüfe aktuell verschiedene Wege, um den Prozess zu beschleunigen. «Zum Beispiel hätten wir gerne die Meldung direkt vom Labor, jedoch ist dies aus Datenschutzgründen nicht ganz einfach», wird Burkart zitiert.

Noch würden die Contact-Tracer im Kanton St. Gallen nicht an ihre Grenzen stossen. Die Teams könnten zudem weiter ausgebaut werden. Allerdings tragen die Kantone die Kosten für des Contact-Tracing selbst.

Covid-19 im Kanton St. Gallen

- Laborbestätigte Fälle der letzten 14 Tage 179

- Laborbestätigte Fälle der letzten 14 Tage pro 100’000 Einwohner 35

- Laborbestätigte Fälle kumuliert (seit März 2020) 1441

- Todesfälle der letzten 14 Tage 2

- Todesfälle kumuliert (seit März 2020) 41

- Aktuell im Kanton St. Gallen hospitalisierte laborbestätigte Fälle 9
Datenquelle: Bundesamt für Gesundheit, ISM (Stand 15.9.2020, 24.00 Uhr)
Datenaufbereitung: Fachstelle für Statistik Kanton St.Gallen

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