Aktualisiert 24.05.2007 13:23

Telekom-Legenden geben Doping zu

Die deutschen Radprofis Erich Zabel und Rolf Aldag geben vor laufenden Kameras den Gebrauch von Epo zu. Trotzdem will Telekom weiterhin professionellen Radsport unterstützen und an Sportchef Aldag festhalten.

Nachdem zuvor Rolf Aldag zugab, dass er seit 1995 systematisch mit Epo gedopt hat, erklärt jetzt die deutsche Radsportlegende Erich Zabel als erster aktiver Radprofi überhaupt seinen Doping-Gebrauch zu. Sichtlich bewegt gibt er zu, dass er auch eine Epo-Kur während der Tour de France getestet hat. Er habe aber Epo nach einer Woche abgesetzt, da er mit den Nebenwirkungen nicht zurecht kam. Er habe nicht gewusst, ob er am nächsten Tag noch aufwachen würde. Auch Zabel gibt zu, dass er während Jahren ständig zu Dopingfragen gelogen hat.

«Mein Sohn soll nichts ähnliches erleben»

Weshalb er trotz seines vergleichsweise geringen Vergehen auf der Pressekonferenz teilnimmt erklärt Zabel mit Tränen in den Augen folgendermassen. «Mein Sohn fährt selber Rad. Ich möchte nicht, dass er oder einer seiner Freunde eine ähnliche Situation vorfindet». Auf seine sportliche Aussichten angesprochen sagt Zabel: «Ich lege meine Hände in die Zukunft der Medien und der Zuschauer.»

Rolf Aldag gab zuvor in seinem Statement zu, dass er sich in den Jahren 1995 systematisch mit Epo gedopt hat. Dies ohne schlechtes Gewissen und in der Gewissheit, «dass man nicht erwischt werden kann.»

Aldag: «Ich habe alle angelogen»

Erste Bedenken kamen Aldag im Jahre 1998 nach dem Festina-Skandal. Aldag setzte Epo ab und war prompt weniger erfolgreich. Im Jahre 2002 beschaffte er sich wieder Epo. Dies beschaffte er sich ausdrücklich im Internet. Ihm war aber klar, dass «dies lebensgefährlich war.» Er hat daraufhin das Doping abgesetzt und das Ende seiner Karriere eingeläutet. Dann kommt Aldag zur heutigen Situation und gibt zu: «Ich habe alle angelogen.»

Telekom bleibt dem Radsport verbunden

Bevor die Fahrer Rolf Aldag und Erich Zabel mit ihren Statements begannen, gab Telekom-Sprecher Christian Frommert zunächst bekannt, dass die Telefonie-Firma weiter dem Radsport treu bleibt. Nach den Geständnissen der Fahrer erklärte Telekom-Verantwortliche Bob Stapleton, dass man an Sportchef Rolf Aldag festhalten wird. Stapleton kündete an, den dopingfreien Weg, den das neue Team T-Mobile eingeschlagen habe, konsequent weiter zu gehen. Stapleton erklärte, dass die ganze Dopingfrage viel tiefer geht, als die Frage, ob Jan Ullrich oder Ivan Basso nun gedopt waren oder nicht. Stapleton weist daraufhin, dass in die Skandale der Vergangenheit rund 100 Fahrer verwickelt sind. Als Massnahmen forder Stapleton: «Wir wollen einen Schnitt machen, DNA-Tests machen und danach für immer wissen, wer was nimmt oder genommenen hat.»

Ullrich-Anwalt: «Hochleistungssport ohne Doping nicht möglich»

Bereits am Morgen liess der Anwalt von Jan Ullrich im ZDF-Morgenmagazin eine Bombe platzen. «Wir müssen begreifen, dass man nicht mit über die Pyrenäen mit 40 Stundenkilometern als Radfahrer fahren kann», erklärte der Rechtsanwalt. Der Hochleistungssport sei ohne Doping nicht möglich.

Trotzdem sieht der Rechtsanwalt keinen Grund für eine Doping-Beichte des Tour-de-France-Siegers von 1997 und früheren Stars des Radrennstalls T- Mobile. «Ein Auspacken bei Jan Ullrich gibt es in diesem Sinne nicht», sagte Ullrich-Anwalt Diestel. «Ullrich brauchte bei seinem grossen Talent nicht zu dopen.»

Der heute 33-jährige Ullrich war in den 90er Jahren Captain der Telekom-Mannschaft. Zwei seiner damaligen Teamkameraden, Bert Dietz und Christian Henn, haben in den letzten Tagen gestanden, früher leistungssteigernde Mittel genommen zu haben.

Auch Udo Bölts gab Epo-Gebrauch zu

«Ich habe EPO probiert und meine Erfahrung damit gemacht», sagte am Vorabend der 40-jährige Udo Bölts gegenüber dem deutschen TV-Sender ARD. «Nach dem schlechten 95er Jahr habe ich 1996 damit angefangen, um in der Tour-Mannschaft dabei zu sein.» Er habe die Blutdopingpräparate aber nicht von den Freiburger Teamärzten, sondern von Betreuer Jef d'Hont bekommen.

Heute wurden die ärtzlichen Betreuer des Teams Telekom von ihrem Arbeitgeber, der Universität Freiburg, entlassen. Dies, nachdem sie bereits von ihrem Dienst suspendiert worden waren.

voi, 20minuten.ch

Zabel gesteht Doping

(si)

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