Kino: Schweizer Film: Tell solls richten
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Kino: Schweizer FilmTell solls richten

Nach einem eher verhaltenen ersten Halbjahr kommen im Spätsommer drei neue Schweizer Spielfilme ins Kino. Ob der Schweizer Film damit an die Erfolge des vergangenen Jahres anknüpfen kann, ist allerdings mehr als fraglich.

Vor einem Jahr befand sich der Schweizer Spielfilm auf einem nie gekannten Höhenflug: «Das Fräulein» holte sich als erste einheimische Produktion seit zwanzig Jahren in Locarno den Goldenen Leoparden. Gleichzeitig durften sich die Kinogänger einer ungewohnt vielfältigen Auswahl erfreuen: Ob Dokudrama («Grounding»), Familienfilm («Mein Name ist Eugen»), leichte Komödie («Handyman») oder märchenhaftes Drama («Vitus») – fast für jeden Geschmack war etwas aus der heimischen Produktion dabei. Herr und Frau Schweizer dankten es mit zahlreichem Erscheinen und bescherten der hiesigen Filmbranche ein Rekordjahr. Als dann Ende Jahr der ursprünglich fürs Fernsehen gedrehte Film «Die Herbstzeitlosen» überraschenderweise auch im Kino reüssierte, waren die Voraussetzungen für ein erfolgreiches 2007 gegeben.

Seither herrscht aber Flaute. Während Erfolgsregisseur Michael Steiner noch immer auf die nötigen Fördergelder für seine Horrorsaga «Sennentuntschi» wartet, konnten Hoffnungsträger wie das Hip-Hop-Drama «Breakout» oder der Stauseethriller «Marmorera» die Erwartungen nicht erfüllen. In den nächsten Wochen kommt nun nochmals ein Schub neuer, einheimischer Filme in die Kinos. Ihre Sichtweisen auf die Schweiz könnten unterschiedlicher nicht sein.

I Was a Swiss Banker

«Mein Schweizbild orientiert sich weniger an den Traditionen als an der modernen Wohlstandsgesellschaft», erklärt Regisseur Thomas Imbach, der am 30. August mit «I Was a Swiss Banker» den Auftakt macht. Er interessiere sich für die grossen Metropolen, für exklusive Touristenorte und die Bankenwelt. Was nach Bahnhofstrasse, dunklen Anzügen und nüchterner Geschäftswelt klingt, ist in Wirklichkeit ein märchenhafter Trip mit Hexen, singenden Sirenen und echten Meerjungfrauen. Nachdem der Banker Roger Caviezel beim Schmuggeln erwischt wird, taucht er in den Bodensee ab. Dort beginnt eine mystische Reise durch die verschiedensten Gewässer der Schweiz. Das Ziel: die wahre Liebe zu finden. Neben den unterschiedlichsten Landschaften zeichnet «I Was a Swiss Banker» auch ein vielfältiges kulturelles Bild; nicht weniger als sieben Sprachen werden in dem Film gesprochen. Die Werke des experimentierfreudigen Autorenfilmers Thomas Imbach sind zwar nicht gerade als Publikumsrenner bekannt, nach dem eher schwer verdaulichen «Lenz» gelang es «I Was a Swiss Banker» allerdings, das Premierenpublikum an der Berlinale für sich zu gewinnen.

«I Was A Swiss Banker», Regie: Thomas Imbach. Mit Beat Marti, Laura Drasbæk, Lale Yavas. Ab 30. August im Kino.

Chicken Mexicaine

Ebenfalls einen multikulturellen Ausschnitt der Schweiz zeigt Armin Biehler in «Chicken mexicaine». Im Basler Gefängnis Schällemätteli trifft Robi Schmucker alias Bruno Cathomas auf Gefangene aus allen Erdteilen. Ihn selber zieht es aber zu seiner Tochter nach Marokko. Grund genug, sich nach einer Fluchtmöglichkeit umzuschauen. Als einen «Schweizer Heimatfilm aus dem Knast» bezeichnet der gebürtige Deutsche Biehler sein Erstlingswerk, in das er sechs Jahre Arbeit investiert hat. Zur Inspiration nistete er sich selber über längere Zeit im stillgelegten Gefängnis ein. Nach der Fussball-EM 2008 — wo der alte Kerker als Ausnüchterungszelle dient — wird das Schällemätteli abgerissen. Ab dem 6. September kann man es noch einmal im Kino bewundern.

«Chicken mexicaine», Regie: Armin Biehler. Mit Bruno Cathomas, Peter Rühring, Oliver Zgorelec. Ab 6. September im Kino.

Tell

In Bezug auf grossen Publikumserfolg ruhen die Erwartungen alle auf «Tell», der neuen Komödie von «Achtung, fertig, Charlie!»-Regisseur Mike Eschmann. Die Geschichte dreht sich um einen Österreicher namens Wilhelm Tell, der zusammen mit seiner Geschäftspartnerin — einer gewissen Heidi — Wunderwässerchen verkauft. Der Erlös soll ihm dabei helfen, seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen: einen Schweizer Pass zu kaufen. Produzent Lukas Hobi holte für seine Parodie auf das Nationalepos Hilfe aus dem benachbarten Ausland. So wird Mike Müller als Tell von Deutschen Comedystars wie Axel Stein oder Christian Tramitz («Der Schuh des Manitu») unterstützt. Dank dieser internationalen Zusammenarbeit wird der Nationalheldenklamauk bereits im Herbst auch in Deutschland anlaufen. Damit darf «Tell» bereits vor dem Start einen ersten Erfolg verbuchen.

«Tell», Regie: Mike Eschmann. Mit Mike Müller, Axel Stein, Christian Tramitz. Ab 27. September im Kino.

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