Schweizer Nationalheld: «Tell war ein Egoist»
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Schweizer Nationalheld«Tell war ein Egoist»

In Uri werden Besucher jetzt zu Geschichtsdetektiven auf den Spuren Wilhelm Tells. Pan Aurel Bucher mimt den Helden an den Altdorfer Tellspielen.

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pst
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Dieses Jahr können Besucher dem Mythos Wilhelm Tell selber auf den Grund gehen: Neu kann man im Ur-Kanton Uri nämlich nicht nur die vor allem durch Friedrich Schillers Theaterstück weltberühmt gewordenen Orte des Geschehens besuchen, ...

Dieses Jahr können Besucher dem Mythos Wilhelm Tell selber auf den Grund gehen: Neu kann man im Ur-Kanton Uri nämlich nicht nur die vor allem durch Friedrich Schillers Theaterstück weltberühmt gewordenen Orte des Geschehens besuchen, ...

20 Minuten/Philipp Stirnemann
... sondern sich in Altdorf, Bürglen und Sisikon auf experimentelle Spurensuche nach dem weltberühmten Schweizer Nationalhelden machen. «Tatort Tell» besteht aus insgesamt 15 Stationen, die in beliebiger Reihenfolge aufgesucht werden können.

... sondern sich in Altdorf, Bürglen und Sisikon auf experimentelle Spurensuche nach dem weltberühmten Schweizer Nationalhelden machen. «Tatort Tell» besteht aus insgesamt 15 Stationen, die in beliebiger Reihenfolge aufgesucht werden können.

Valentin Luthiger
Altdorf ist so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt von «Tatort Tell». Hier hat der Sage nach nicht nur der berühmte Apfelschuss stattgefunden, an diesem Ort werden auch die seit 1899 inszenierten Tellspiele abgehalten. Heuer finden die Spiele alle vier Jahre statt.

Altdorf ist so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt von «Tatort Tell». Hier hat der Sage nach nicht nur der berühmte Apfelschuss stattgefunden, an diesem Ort werden auch die seit 1899 inszenierten Tellspiele abgehalten. Heuer finden die Spiele alle vier Jahre statt.

20 Minuten/Sofia Stirnemann

Im Tell-Jahr 2016 macht nicht nur die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels von sich reden. Seit dem späten 15. Jahrhundert ist die Sage vom aufständischen Jäger Wilhelm Tell bekannt. Erstmals niedergeschrieben wurde sie um 1470 im «Weissen Buch von Sarnen». Die bekannteste Version des wohl schweizerischsten aller Stoffe ist das von Friedrich Schiller 1804 veröffentlichte Theaterstück.

Ob es Wilhelm Tell tatsächlich gegeben hat, konnte bisher nicht bewiesen werden. Als Sagengestalt ist er aber eine der wichtigsten Figuren der Schweizer Geschichte. Wer sich auf experimentelle Spurensuche nach dem Mythos Tell begeben möchte, kann das ab sofort an den Originalschauplätzen der Legende machen.

Mit Armbrust – und Regenschirm

«Tatort Tell», so der Name des Detektivspiels vor historischem Hintergrund, führt den neugierigen Wanderer an 15 Orte des Geschehens. Von Tells vermeintlichem Heimatort Bürglen über Altdorf, wo der Held seinem Sohn Walterli den Apfel vom Kopf schoss, bis zur Tellsplatte bei Sisikon und zurück führt die spannende Suche nach Spuren des Ur-Schweizers.

Dabei haben sich die Verantwortlichen in Sachen Originalität und Anspruch ziemlich ins Zeug gelegt. Ausgerüstet mit einem von Uri Tourismus zur Verfügung gestellten Rucksack voller Detektivutensilien müssen zum Beispiel Geheimschriften entziffert, versteckte Gegenstände ausfindig gemacht oder von blossem Auge kaum erkennbare Spuren gefunden werden. Natürlich darf auch der berühmte Apfel-Schuss in der Reihe der Aufgaben nicht fehlen. Highlight aus Sicht des Autors ist eine Dusche mit Audio-Effekt (siehe Bildstrecke), unter die man sich mit einem Schirm «bewaffnet» stellen muss.

Held wider Willen

Noch tiefer in die Materie Tell können Interessierte an den diesjährigen Tellspielen in Altdorf abtauchen. Sie finden von Ende August bis Ende Oktober statt. Hauptdarsteller ist der Luzerner Pan Aurel Bucher. «Tell ist unser Nationalheld, Heldengeschichten braucht es einfach», sagt der Schauspieler. Der Jäger aus der Urschweiz werfe Fragen auf, die noch heute aktuell seien, «zum Beispiel die Frage nach den eigenen Möglichkeiten oder nach der persönlichen Freiheit».

Allerdings, so der Darsteller, wolle Tell gar kein Held sein. Im Gegenteil: «Man muss sagen, dass er seine Familie und sich selber oft in Gefahr bringt. Man könnte ihm sogar einen gewissen Grad an Egoismus vorwerfen. Er möchte eigentlich ganz einfach sein eigenes Leben leben», so Bucher.

Das volle Tell-Programm

Wer sich also die volle Ladung Tell gönnen will, sollte diesen Sommer unbedingt auf Spurensuche am «Tatort Tell» (oder vielleicht besser: an den «Tell-Tatorten») gehen und sich die Tellspiele zu Gemüte führen.

Sollten Sie dem Mythos um den Schweizer Nationalhelden auf den Grund gehen und alle 15 Tatorte besuchen wollen, sollten Sie mindestens einen ganzen Tag dafür einplanen. Einerseits, weil die Lösung der einzelnen Aufgaben immer wieder Zeit zum Verweilen beziehungsweise Grübeln in Anspruch nimmt. Andererseits, weil man den Trip auch mit dem ÖV-Fahrplan (Bahn, Bus, Schiff) koordinieren muss, sofern man nicht alle Stationen zu Fuss aufsuchen möchte.

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