Aktualisiert 08.12.2013 05:23

Nicht nur in Quartieren

Tempo 30 bald auch auf vielen Hauptstrassen?

Ursprünglich eingeführt, um in den Quartieren eine Verkehrsberuhigung und auf den Hauptstrassen ein Verkehrsverflüssigung zu erreichen, sollen Tempo-30-Zonen jetzt stark ausgeweitet werden.

von
jam
Eine Tempo-30-Zone in der Stadt Zürich.

Eine Tempo-30-Zone in der Stadt Zürich.

Die Autolobby ist entsetzt: Schweizer Städte wollen vermehrt prüfen, Tempo-30-Zonen auf Hauptstrassen auszuweiten. Zwar hat das Bundesgericht in mehreren Urteilen festgehalten, dass auch auf Hauptstrassen Tempo 30 eingeführt werden kann, wenn dies die Sicherheit erfordert. Dennoch blieben Hauptstrassen mit Tempo 30 bislang die Ausnahme. Doch das könnte sich jetzt ändern, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

«Wir haben festgestellt, dass es vereinzelt auch Hauptstrassen gibt, bei denen Tempo 30 Sinn macht», sagt die SP-Politikerin Ursula Wyss, Stadtberner Verkehrsdirektorin und Präsidentin der Städtekonferenz Mobilität, gegenüber der Zeitung. Ihre Direktion hat im August eine Liste von rund 20 Hauptstrassen in Bern veröffentlicht, die für eine Temporeduktion auf 30 km/h zur Diskussion stehen - darunter etwa der Bundesplatz. «Nach den Tempo-30-Zonen in Quartierstrassen und den Begegnungszonen mit Tempo 20 stehen nun die Geschwindigkeiten auf Abschnitten gewisser Hauptstrassen vermehrt im Fokus», sagt Wyss und hält fest: «Die Stadtregierung unterstützt diese Entwicklung.»

Auch andere Städte wie Zürich und Basel planen auf über 100 Strassen tiefere Tempolimiten einzuführen. Der Bund spricht von einer eigentlichen «neuen Tempo-30-Welle». Basel zum Beispiel plant, auf 20 sogenannt verkehrsorientierten Strassen, die in erster Linie dem motorisierten Verkehr dienen sollen, zumindest zeitweise Tempo 30 einzuführen. Die Stadt Zürich hat eine Temporeduktion auf 39 Strassenabschnitten schon letztes Jahr beschlossen, «jetzt planen wir die nächste Tranche», erklärt die grüne Stadträtin Ruth Genner der «NZZ am Sonntag».

Autovertreter laufen Sturm

Die Einführung von Tempo-30-Zonen ist für die Kommunen mit grossem administrativem Aufwand verbunden. Doch dies will die Berner SP-Nationalrätin Nadine Masshardt ändern. Mit einem Vorstoss fordert sie die «vereinfachte Einführung von Tempo-30-Zonen». Unterstützt wird das Begehren von über 50 Parlamentariern, unter ihnen der Präsident des Städteverbands, FDP-Nationalrat Kurt Fluri. Sie begründen die Massnahme mit der Sicherheit: «Damit nimmt die Anzahl und die Schwere von Unfällen ab», so Masshardt in der NZZaS.

Von diesen Argumenten halten die Vertreter der Automobilisten nichts. Der TCS kündigt an, er werde sich mit allen rechtlichen Mitteln «gegen Geschwindigkeits-Begrenzungen auf Ausfall- und Durchgangsstrassen wehren, welche die Aufnahmefähigkeit der Strassen verringern und die Staubildung fördern». Auch Max Nötzli, Präsident der Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure, bringen die Pläne auf die Palme: «Zu Tempo 30 auch auf Hauptstrassen sagen wir prinzipiell Nein.» Auf den Durchgangsstrassen sei schon Tempo 50 «an der untersten Limite».

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