Peng Shuai – Tennis-Ass verschwindet spurlos nach Vorwürfen von sexuellem Übergriff
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Sexueller MissbrauchTennis-Ass nach Vorwürfen an Chinas Ex-Vizepremier spurlos verschwunden

Chinesin Peng Shuai warf einem ehemaligen Vizepremierminister sexuellen Missbrauch vor und ist seither nicht auffindbar. Laut dem chinesischen Verband soll sie jedoch «in Sicherheit» sein. Die Regierung von China schweigt.

von
Anamaria Peyer
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Peng Shuai ist spurlos verschwunden. 

Peng Shuai ist spurlos verschwunden.

imago images/Xinhua
Dies, nachdem sie auf den sozialen Medien erzählte, dass sie eine Beziehung mit dem Politiker Zhang Gaoli hatte und vom ehemaligen Vizeminister der Volksrepublik China sexuell missbraucht worden war. 

Dies, nachdem sie auf den sozialen Medien erzählte, dass sie eine Beziehung mit dem Politiker Zhang Gaoli hatte und vom ehemaligen Vizeminister der Volksrepublik China sexuell missbraucht worden war.

imago/Xinhua
Nur eine halbe Stunde später war der Post wieder gelöscht und von der ehemaligen Wimbledon-Siegerin fehlte jede Spur. 

Nur eine halbe Stunde später war der Post wieder gelöscht und von der ehemaligen Wimbledon-Siegerin fehlte jede Spur.

imago images / Imaginechina

Darum gehts

  • Eine chinesische Tennisspielerin ist nach Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs spurlos verschwunden.

  • Die WTA schaltet sich ein und nimmt Peng Shuai in Schutz.

  • Laut der «Times» sei die 35-Jährige aber in Sicherheit.

Peng Shuai war jahrelang das Gesicht des chinesischen Tennis. Nun fehlt von der Weltnummer 191 im Doppel jede Spur. Dies, nachdem die 35-jährige ehemalige Wimbledon- und French-Open-Doppelsiegerin Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo kundgetan hatte, dass sie über zehn Jahre lang eine Beziehung mit dem verheirateten Politiker Zhang Gaoli hatte.

In ihrem Post vom 2. November sprach Shuai ausserdem von mindestens einem ungewollten sexuellen Übergriff vor drei Jahren im Haus des 75-Jährigen: «Warum musstest du zu mir zurückkommen, hast mich zu dir nach Hause gebracht, um mich zum Sex mit dir zu zwingen?», schrieb Shuai.

«Ich fühle mich wie eine wandelnde Leiche»

Eine halbe Stunde nach der Veröffentlichung wurde der Post von den chinesischen Zensoren herausgenommen, um jede Erwähnung der Anschuldigung online auszulöschen. Selbst vage Online-Referenzen wurden sofort gelöscht. Ausserdem hat Peng keine Beweise für die Anschuldigungen, schrieb aber weiter: «Ich konnte nicht beschreiben, wie angewidert ich war und wie oft ich mich gefragt habe, ob ich noch ein Mensch bin? Ich fühle mich wie eine wandelnde Leiche.»

Seit diesen beunruhigenden Behauptungen ist Peng Shuai wie vom Erdboden verschwunden. Die Öffentlichkeit hat die 35-Jährige seit ihrem Post vor zwei Wochen nicht mehr gesehen. Die weltweite Tennis-Community macht sich nun grosse Sorgen um Peng. Es ist nicht das erste Mal, dass eine berühmte chinesische Frau spurlos verschwindet. Die berühmte Schauspielerin Zhao Wei  war im September bereits spurlos verschwunden und auch die Immobilienkönigin Whitney Duan war für vier Jahre untergetaucht. Als Whitney Duan sich nach vier Jahren wie aus dem Nichts wieder bei ihrem Ex-Mann meldete, benahm sie sich wie eine Kommunistin.

Peng Shuai befindet sich in Sicherheit

Das Verschwinden der ehemaligen Tennisspielerin hat nun auch die Frauentennisorganisation erreicht. In einer Erklärung sagte der CEO der WTA, Steve Simon, dass die Anschuldigungen «tiefe Besorgnis» auslösen und appelliert, dass die Vorwürfe vollständig, fair, transparent und ohne Zensur geprüft werden müssten. Weiter sagt Simon, «Peng Shuai und alle Frauen verdienen es, gehört und nicht zensiert zu werden. Ihre Anschuldigungen über das Verhalten eines ehemaligen chinesischen Führers im Zusammenhang mit einem sexuellen Übergriff muss mit grösster Ernsthaftigkeit behandelt werden.»

Zudem betont Simon gegenüber der «Times», dass niemand bei der WTA-Tour mit der Tennisspielerin direkt in Kontakt war, jedoch der chinesische Tennisverband ihnen zugesichert habe, dass Peng Shuai in Sicherheit sei. Er sagt der Zeitung: «Wir haben von mehreren Quellen, darunter dem chinesischen Tennisverband, die Bestätigung erhalten, dass sie in Sicherheit ist und nicht physisch bedroht wird.» Die ganze Bestürzung um Peng Shuai bring zum ersten Mal eine noch grössere Aufmerksamkeit auf die #MeToo-Debatte auch in China.

Doch die chinesische Regierung schweigt. Nach Peng befragt, sagte am Montag der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Zhao Lijian: «Ich habe von dem Thema nicht gehört.» Auch handle es sich nicht um eine «Frage der Diplomatie», bestritt er eine Zuständigkeit für das Thema.

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Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

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