French Open: «Tennis-Haaland» Casper Ruud will sein Rafael Nadal stoppen
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Schreibt der Norweger Geschichte?«Tennis-Haaland» Ruud will den 22. Major-Titel seines Idols Nadal verhindern

Casper Ruud steht als erster Norweger überhaupt im einem Grand-Slam-Final. Am Sonntag hat er ausgerechnet gegen sein grosses Idol Rafael Nadal die Chance auf den French-Open-Titel.

von
Florian Gnägi
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Casper Ruud hat gut lachen. Der 25-jährige Norweger steht im Final des French Open.

Casper Ruud hat gut lachen. Der 25-jährige Norweger steht im Final des French Open.

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Im Halbfinal schlug er den Kroaten Marin Cilic in vier Sätzen.

Im Halbfinal schlug er den Kroaten Marin Cilic in vier Sätzen.

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Ruud zeigte gegen Cilic sein bestes Tennis.

Ruud zeigte gegen Cilic sein bestes Tennis.

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Darum gehts

Mit 37 gewonnen Medaillen war Norwegen die mit Abstand erfolgreichste Nation an den Olympischen Winterspielen in Peking und auch im Fussball mischt mit Erling Haaland in den letzten Jahren ein Norweger eine Weltsportart mit Toren am Laufband gehörig auf. 

Norwegische Tennisspieler findet man dagegen nicht wie Sand am Meer. Lange Zeit war Christian Ruud der erfolgreichste Profi des Landes, als er in den 1990er Jahren immerhin bis auf Weltranglistenplatz 39 vorstoss.  Ausgerechnet Ruuds Sohn Casper war es 2020, der die Marke seines Vater übertrumpfte und nun am Sonntag beim French Open als erster Norweger überhaupt, die Chance auf einen Grand-Slam-Titel hat.

Parallelen mit Haaland

Wie Goalgetter Haaland im Fussball erklimmt Ruud junior nun also im Tennis die Sphären der Weltspitze. Die beiden Shootingstars sehen sich optisch zwar überhaupt nicht ähnlich, haben aber auch neben der gemeinsamen Herkunft einige Gemeinsamkeiten. Beide schafften es in wenigen Jahren aus Norwegen heraus in die Elite ihrer Sportart und beide sind nun jeweils in ihrem Bereich die Nummer 1 ihres Landes.

Sowohl Ruud als auch der künftige ManCity-Kicker sind auch bekannt für emotionale Jubler nach Erfolgsmomenten. Für als etwas zu emotional befand Ruuds Viertelfinalgegner Holger Rune die Feierlichkeiten des «Tennis-Haalands» und unterstellte ihm arrogantes Verhalten. Ruud selber dementierte den Arroganz-Jubel aber und blickt nun dem grössten Spiel seines Lebens entgegen.

6 Titel in 13 Monaten

«Es ist überhaupt keine Überraschung, dass er hier im Final ist», sagt Rafael Nadal über seinen Endspiel-Gegner. Der Spanier bekommt es auf dem Weg zu seinem 22. Major-Triumph in der Tat mit einem Spieler zu tun, der in den letzten 13 Monaten nicht weniger als sechs Turniere auf Sand gewann (darunter auch zweimal in Genf und einmal in Gstaad).

Das Duell gegen Nadal ist für Ruud der vorläufig wichtigste Match seiner Karriere und dabei auch gleichzeitig das erste Aufeinandertreffen mit seinem grossen Vorbild. «Ich schaue zu Rafa hoch, er ist das perfekte Beispiel, wie man sich auf und neben dem Court verhalten sollte», so der 23-Jährige im Platz-Interview nach dem gewonnenen Halbfinal gegen Marin Cilic (ATP 23).

«Nadal war mein grosses Idol»

«Er gibt nie auf und beschwert sich nie. Er war mein ganzes Leben lang mein Idol», meint Ruud weiter und ergänzt schmunzelnd, dass er hoffe, Nadal freue sich auch, gegen einen Schüler seiner Akademie zu spielen. Der skandinavische Shootingstar trainierte nämlich zusammen mit seinem Vater jahrelang auf der Anlage des Sandplatzkönigs auf Mallorca.

Wie viel Ruud ein Titel bei Roland Garros bedeuten würde, lässt sich auch anhand seiner Aussagen in einer Kolumne vor wenigen Monaten bei Eurosport ablesen. Dort meinte der Tennis-Profi aus Oslo, dass er alle bereits gewonnen Turniersiege gegen einen Grand-Slam-Titel eintauschen würde. 

«Möchte Tennis populärer machen»

In der gleichen Kolumne äusserte sich Ruud auch zu der ausbaufähigen Tennis-Begeisterung in seinem Heimatland und meinte: «Ich möchte Tennis in Norwegen populärer machen. Ich sage nicht, dass wir die Skier verbrennen sollen, aber eventuell können einige Kinder einen Schläger wählen und ihr Talent auf den Tennisplatz bringen. Vielleicht können sie im Sommer Tennis spielen und im Winter Ski fahren.»

Wer weiss, vielleicht würde ja ein French-Open-Titel von Ruud tatsächlich dafür sorgen, dass Norwegen in Zukunft nicht nur eine Wintersportnation bleibt, sondern auch im Spiel mit der gelben Filzkugel für nachhaltige Begeisterung im Land sorgt. Zumindest für den 25-Jährigen selber wäre es die Erfüllung eines absoluten Bubentraums.

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