Aktualisiert 06.07.2016 09:38

Anschläge in TürkeiTerror bedroht ehrgeizige Ziele von Turkish Airlines

Turkish Airlines will die grösste Fluggesellschaft der Welt werden und expandiert massiv. Die jüngsten Anschläge in der Türkei stellen diese Pläne nun infrage.

von
F. Lindegger
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Eine Serie von Terroranschlägen erschütterte in den letzten Monaten die Türkei.

Eine Serie von Terroranschlägen erschütterte in den letzten Monaten die Türkei.

AP
Spätestens seit dem Attentat am Atatürk-Flughafen in Istanbul wirkt sich das auch auf Turkish Airlines und ihre ehrgeizigen Ausbaupläne aus.

Spätestens seit dem Attentat am Atatürk-Flughafen in Istanbul wirkt sich das auch auf Turkish Airlines und ihre ehrgeizigen Ausbaupläne aus.

epa/Sedat Suna
Die türkische National-Airline expandierte in den letzten Jahren stark.

Die türkische National-Airline expandierte in den letzten Jahren stark.

Turkish Airlines

Die türkische National-Fluggesellschaft Turkish Airlines ist dank ihrer Werbung an der Fussball-EM in Frankreich in diesen Tagen besonders sichtbar. Die Image-Offensive ist Teil ihrer Vision, die grösste Airline der Welt zu werden. Turkish Airlines, die zu gut 49 Prozent dem türkischen Staat gehört, will bis Ende Jahr 339 Flugzeuge im Einsatz haben – mehr als doppelt so viele wie noch 2010. Zum Vergleich: Emirates operiert mit rund 250 Flugzeugen, die Swiss mit gut 80.

In Istanbul baut die Türkei seit 2015 zudem für schätzungsweise 32 Milliarden Euro in Istanbul einen neuen Flughafen, der 2018 eröffnet und dereinst der grösste Airport der Welt werden soll. Er ist für jährlich 150 Millionen Passagiere konzipiert – so viele wie auf den vier grossen Londoner Flughäfen zusammen.

Schlechtestes Quartal seit 16 Jahren

Doch nun setzen die Terror-Anschläge in der Türkei dem Konzern zu. Im ersten Quartal 2016 flog das Unternehmen den grössten Quartalsverlust seit 16 Jahren ein. Seit rund einem Jahr sind die Besucherzahlen laut dem türkischen Tourismus-Ministerium rückläufig. Allein im Mai habe das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat rund 34 Prozent betragen.

Das jüngste Attentat am Atatürk-Flughafen in Istanbul, das über 40 Menschenleben forderte, dürfte die Situation für die Airline weiter verschärfen. «Weil der Flughafen selbst Anschlagsziel war, wirkt sich das bestimmt auf die Gesellschaft aus», erklärt der deutsche Aviatik-Kenner Jens Flottau 20 Minuten. So seien etwa die Kapazitäten für Flüge von Deutschland in die Türkei um 40 Prozent zurückgenommen worden.

Lage von Istanbul als Vorteil

Dass das Mega-Projekt nun aufgrund der gestiegenen Unsicherheit in der Türkei gestoppt werden könnte, glaubt Flottau nicht: «Der neue Flughafen steht im Zentrum der wirtschaftlichen Agenda von Präsident Recep Erdogan.» Und auch für Turkish Airlines gebe es keinen Anlass, vom Drehkreuz-Ausbau Abstand zu nehmen.

«Turkish Airlines setzt auf eine ähnliche Strategie wie die Golf-Airlines», so Flottau. Doch die türkische Gesellschaft geniesse in vielen Punkten Vorteile. «Istanbul ist besser zwischen Europa und Asien gelegen als die Hubs von Emirates oder Qatar Airlines am arabischen Golf.» Grund: Die Golf-Airlines müssten mit grossen Langstreckenflugzeugen die Passagiere von Europa nach Dubai oder Doha fliegen. Turkish Airlines könne dagegen kleinere Maschinen einsetzen und so auch Passagiere aus kleineren Märkten zu ihrem Drehkreuz bringen. «Istanbul liegt zudem weiter im Norden als die Golfstaaten, weshalb man direkter und schneller nach Asien fliegen kann als bei einem Stopp auf der Arabischen Halbinsel», erklärt Flottau, der für «Aviation Week» und die «Süddeutsche Zeitung» schreibt.

Und noch einen weiteren grossen Vorteil habe die türkische Fluggesellschaft: «Sie kann in der Türkei auf einen wachsenden Heimmarkt mit fast 80 Millionen Einwohnern bauen.» Die Golf-Airlines sind dagegen fast ausschliesslich auf ausländische Kunden angewiesen. «Turkish Airlines kann eigentlich nichts falsch machen», fasst der Aviatik-Experte zusammen. Das einzige Risiko stelle die politische Situation dar. Und auch wenn die derzeitigen Unsicherheiten der Fluggesellschaft kurzfristig wirtschaftlich zusetzten, glaubt Flottau nicht, dass die Türkei ihre globalen Ambitionen für die Airline aufgeben wird.

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