Aktualisiert 06.09.2007 12:36

Terror in Deutschland: Zehn Komplizen werden gesucht

Nach der Verhaftung von drei mutmasslichen Terroristen fahnden deutsche und ausländische Behörden mit Hochdruck nach etwa zehn Komplizen und Hintermännern.

Bei den Verdächtigen handele es sich um Deutsche, Türken und Personen mit anderen Nationalitäten, sagte Innenstaatssekretär August Hanning am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble warnte unterdessen vor Terrorpanik und betonte, er glaube nicht an eine real erhöhte Gefahr.

Schäubles Staatssekretär Hanning deutete in dem Fernsehinterview an, dass die Zahl der Verdächtigen steigen könnte. «Das ist das Netzwerk, das wir bisher erkennen. Wir sind da sehr vorsichtig in der Bewertung.» Die Ermittler versuchten, alle Personen im Hintergrund zu identifizieren. Von der Terrorzelle geht nach Hannings Worten keine Gefahr mehr aus. «Aber es bleibt natürlich die grundsätzliche Bedrohung. Es bleibt der Auftrag, in Deutschland Anschläge durchzuführen, und dieser Auftrag beunruhigt uns.»

Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, sagte ebenfalls im ARD-Morgenmagazin: «Es bestand konkret keine Gefährdung von Flughäfen, aber die Absicht der Täter ging in diese Richtung.» Die Wahl der Basis der Terrorverdächtigen im abgelegenen Ort Oberschledorn im Sauerland wertete Ziercke als Hinweis auf mögliche Ziele. Sie hätten sich zurückgezogen, um sich einer Überwachung zu entziehen. «Aber möglicherweise wollte man auch näher an mögliche Anschlagsorte heran, um von dort aus zeitnah agieren zu können.» Nähere Details nannte er nicht.

Die US-Streitkräfte verfügen unter anderem über mehrere Kasernen im benachbarten Bundesland Hessen, etwa in Friedberg und Wiesbaden. Die 20. Panzerbrigade der britischen Armee ist in Paderborn stationiert. Die Stadt liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Oberschledorn. US-Behörden hatten am Mittwoch bestätigt, dass der Frankfurter Flughafen und die amerikanische Luftwaffenbasis Ramstein in der Pfalz Hauptanschlagsziele gewesen seien.

Sorge über hausgemachten Terror

Ziercke sagte, der aus Grossbritannien bekannte hausgemachte Terrorismus sei auch in Deutschland ein Problem. Man müsse stärker in die Kreise vordringen, in denen diese jungen Menschen aufwüchsen. Dazu bedürfe es des Dialogs mit den islamischen Gemeinden.

Schäuble warnte in der «Bild»-Zeitung vor einer Gefahr durch radikale Konvertiten. «Man denkt, wer hier aufwächst und die grossen Vorteile unserer freien Gesellschaft geniesst, ist immun. Aber einige sind für Radikalisierung empfänglich», wird der CDU-Politiker zitiert. Dies seien gefährliche und fanatische Leute mit hoher krimineller Energie. «Das besorgt mich sehr.»

In der ARD (richtig!) wandte sich der Minister aber gegen überzogene Ängste. «Ich glaube nicht, dass wir im Augenblick eine real erhöhte Gefährdung haben», sagte Schäuble am Mittwochabend. Es gebe zwar weitere gefährliche Personen, aber keine so konkreten Hinweise wie jetzt im Fall der drei Verhafteten.

Schäubles bayerischer Amtskollege Günther Beckstein rechnet nach eigenen Worten mit weiteren Festnahmen in den kommenden Wochen. Es gebe aber keine Hinweise, dass die Flüchtigen zu Anschlägen in der Lage seien, sagte der CSU-Politiker in einem Interview von «Focus Online». Auch mit Racheanschlägen in Deutschland sei nicht zu rechnen. Im Ausland sei dies aber nicht auszuschliessen.

Die drei Verdächtigen wurden am Dienstag festgenommen. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof erliess am Mittwoch Haftbefehl. Aus deutschen Sicherheitskreisen verlautete unterdessen, dass der mutmassliche Rädelsführer Fritz G. an den Fachhochschulen Ulm und Neu-Ulm Wirtschaftsingenieurwesen studiert habe. Der 28-jährige Deutsche ist demnach verheiratet. Die Kreise bestätigten damit in Teilen einen Bericht der «Südwestpresse» aus Ulm. (dapd)

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