Terror in London: «Ich zittere immer noch»
Aktualisiert

Terror in London: «Ich zittere immer noch»

Die Explosionen in der Londoner U-Bahn am Donnerstag weckten sofort Erinnerungen an die Terroranschläge vor genau zwei Wochen. «Die Menschen gerieten in Panik», sagte der Augenzeuge Ivan McCracken dem Fernsehsender Sky news.

«Glücklicherweise war der Zug nur 15 Sekunden von der nächsten Station entfernt.»

Ein Italiener habe ihm berichtet, der Rucksack eines Fahrgastes sei plötzlich explodiert, sagte McCracken. «Es war eine kleinere Explosion, aber ausreichend, um den Rucksack aufzusprengen. Der Mann rief dann etwas, als ob etwas schief gegangen sei. Zu diesem Zeitpunkt drängten alle aus dem Wagen.»

Nach Polizeiangaben waren die Sprengsätze der verheerenden Anschläge vom 7. Juli in Rucksäcken transportiert worden. McCracken erklärte, er habe Rauch gerochen. Andere Fahrgäste seien in Panik aus dem Nachbarwagen in den U-Bahn-Wagen geströmt, in dem er sich befunden habe.

«Wir haben Rauch gerochen - als ob etwas brennt», berichtete auch Losiane Mohellavi, der an der Station Warren Street ins Freie gebracht wurde. «Alle gerieten in Panik, und die Leute schrien. Wir mussten den Alarm auslösen», sagte der 35-Jährige, der sich auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch befand. Er habe zwar keinen Rauch gesehen, aber der Geruch habe ihn an verschmorte Kabel erinnert. «Ich zittere immer noch.»

Zwar wurde bei den Explosionen am Donnerstag niemand getötet, dennoch zeigten sich die Londoner betroffen. «Morgen nehme ich weder die U-Bahn noch den Bus», sagte der 28-jährige Dean Duffy. Der Maurer hörte einen Knall, als er gerade die Station Oval verliess.

Ein Doppeldeckerbus, in dem sich ebenfalls eine Explosion ereignete, blieb nach Angaben der Betreiberfirma Stagecoach weitgehend intakt. Der Fahrer habe einen Knall gehört und sei nach oben gegangen. Im Oberdeck seien Fensterscheiben zerborsten. Verletzt worden sei offenbar niemand. Fernsehbilder zeigten den Bus der Linie 26 an einer Haltestelle an der Hackney Road im Osten Londons, die Blinklichter eingeschaltet. Das Gebiet um den Bus war abgeriegelt, Autoverkehr und Fussgänger wurden fern gehalten.

Die Polizei habe Bars, Geschäfte und Restaurants im Umkreis evakuiert, berichtete der 19-jährige Paul Williamson. «Daran muss London sich gewöhnen, das hört nicht über Nacht auf.» Fahrgäste des Busses wirkten angeschlagen, aber unverletzt. Die Besitzerin des einen Strassenblock entfernten Schuhgeschäfts sagte, sie habe keine Explosion gehört.

«Jeder kauft jetzt Fahrräder»

Auch die U-Bahn-Stationen Warren Street, Shepherd's Bush und Oval wurden evakuiert. Scotland Yard sicherte die Umgebung, Spürhunde waren im Einsatz. Der 29-jährige Ahmed Laarbi aus Marokko erklärte, er sei in der Nähe der Warren Street Station von Polizisten angehalten und durchsucht worden. «Sie haben gefragt: 'Was ist in Ihrer Tasche, was machen Sie hier?'» sagte er. Die Polizisten «machen nur ihre Arbeit. Aber das ist auch meine Stadt. Ich habe eine englische Freundin und englische Freunde.»

«Das ist eine Wiederholung von letzter Woche. Jeder, den ich kenne, kauft jetzt Fahrräder», sagte der 32-jährige Allan Harp beim Verlassen eines Busses in der Nähe der Hackney Road. Mobilfunkunternehmen berichteten von einer starken Zunahme der Anzahl von Gesprächen, allerdings nicht im gleichen Mass wie nach den Anschlägen vor zwei Wochen. Die Firmen riefen ihre Kunden dazu auf, die Gespräche kurz zu halten.

(dapd)

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