Aktualisiert 19.10.2004 14:16

Terror-Spur führt in die Schweiz

Die spanische Polizei hat bei landesweiten Razzien eine Zelle von militanten Islamisten ausgehoben. Ihr Anführer befindet sich möglicherweise in der Schweiz.

Die Gruppe steht im Verdacht, einen Anschlag auf das Oberste Gericht geplant zu haben.

Die meisten der acht Festgenommenen stammen aus Algerien und Marokko. Die Mitglieder der Gruppe hatten sich in spanischen Gefängnissen kennen gelernt, wo sie Haftstrafen wegen krimineller Vergehen verbüssten, wie am Dienstag aus Ermittlerkreisen im Innenministerium in Madrid verlautete.

Die Gruppe hatte nach diesen Angaben geplant, einen grossen Bombenanschlag auf den Nationalen Gerichtshof in der spanischen Hauptstadt verüben. Die Islamisten hätten einen Lastwagen mit 500 Kilogramm Dynamit beladen und vor dem Gerichtsgebäude im Zentrum Madrids zur Explosion bringen wollen, hiess es.

Unter den Festgenommenen war auch ein Informant des spanischen Geheimdienstes CNI, der die Behörden über Drogenschmuggel unterrichtet hatte.

Anführer in der Schweiz?

Die spanische Nachrichtenagentur efe zitierte Informationen aus dem Innenministerium in Madrid, wonach der mutmassliche Anführer der Zelle - ein Algerier - seit gut einem Monat in der Schweiz in Haft sei.

Auch er war nach diesen Angaben in der Vergangenheit in Spanien als Krimineller inhaftiert gewesen. Er soll die anderen Mitglieder angeworben haben. Nach seiner Freilassung zog er demnach in die Schweiz.

Das Bundesamt für Justiz und die Bundesanwaltschaft in Bern konnten diese Informationen weder bestätigen noch dementieren. Rechtshilfegesuche aus Spanien seien in letzter Zeit jedenfalls keine eingegangen.

Kontakte zu El Kaida

Die bei der Razzia in Spanien festgenommenen Islamisten hatten nach den Angaben aus Ermittlerkreisen Kontakte zum Terrornetzwerk El Kaida und zu militanten Gruppen in anderen Ländern Europas, in den USA und Australien gehabt. Mit den Terroristen, die bei den Anschlägen am 11. März in Madrid 191 Menschen getötet hatten, sollen sie aber nicht in Verbindung gestanden haben.

Die Festgenommenen hatten nach spanischen Angaben in abgehörten Telefongesprächen - ohne nähere Details - von Plänen zu einem grossen Bombenanschlag gesprochen. Allerdings seien bei Hausdurchsuchungen kein Sprengstoff und keine Waffen entdeckt worden, teilte Innenminister José Antonio Alonso mit.

Die Verdächtigen wurden in Almería im Südosten des Landes, in Gandia in Ostspanien, in Pamplona im Norden, in Málaga und Madrid festgenommen. In den vergangenen vier Jahren wurden in Spanien über 130 mutmassliche militante Islamisten dingfest gemacht. (sda)

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