Terrorangst geht um
Aktualisiert

Terrorangst geht um

Die Erhöhung der Terror-Warnstufe in den USA kurz vor Weihnachten hat die Bedrohung durch El Kaida wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Besonders attraktiv seien für die Terroristen dabei nach wie vor Angriffe auf den Flugverkehr.

Nach Erkenntnis der Geheimdienste sucht die Terrororganisation unermüdlich nach Schlupflöchern im Sicherheitsnetz der USA. Besonders attraktiv seien für die Terroristen dabei nach wie vor Angriffe auf den Flugverkehr: Davon versprächen sie sich drastische Schäden für die US-Wirtschaft sowie eine grosse Öffentlichkeitswirkung.

«Fluggesellschaften werden immer eine gute Möglichkeit sein, denn die Sabotage von Flugzeugen trifft die Gottesfurcht der Bevölkerung», sagt Douglas Laird, ehemaliger Sicherheitschef von Northwest Airlines. «Das sorgt für viel Berichterstattung in den Medien.» Nach Einschätzung von US-Ermittlern verüben Terroristen Anschläge auf Flugzeuge auch deshalb, weil sie sich gegen ein wichtiges Symbol westlicher Freiheit richten.

Auch die Entscheidung der US-Regierung vom Sonntag, den nationalen Terroralarm auf die zweithöchste Stufe anzuheben, stand in Zusammenhang mit Hinweisen auf mögliche Angriffe mit Flugzeugen. Offensichtlich planten Terroristen weiterhin, Flugzeuge als Waffen zu benutzen, sagte der Minister für Heimatschutz, Tom Ridge. Umgehend wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen weiter verschärft, und über Grossstädten wie Los Angeles, Washington und New York wurde die Zahl der militärischen Kontrollflüge erhöht.

Die Informationen über die erhöhte Gefahr stammen nach Angaben der Behörden unter anderem von Chalid Scheich Mohammed, einem der mutmasslichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001. Auch andere, rangniedrigere El-Kaida-Mitglieder in Saudi-Arabien hätten entsprechende Hinweise geliefert. Die Vernehmungen führten bereits in den vergangenen Monaten mehrfach zu Verschärfungen der Sicherheitsmassnahmen.

«Es müsste wesentlich einfachere Ziele geben»

Im Spätsommer etwa erhielten die Ermittler Hinweise darauf, dass die Terroristen sich nach Möglichkeiten umsahen, ohne Visa Zugang zu internationalen Flugverbindungen in den USA zu finden. Dabei sei ihnen offenbar ein bestimmtes Transitprogramm ins Auge gefallen, sagte ein Berater des Heimatschutzministeriums. Dieses habe internationalen Reisenden auf dem Weg in andere Länder erlaubt, sich während Zwischenstopps auch ohne Visum auf US-Flughäfen aufzuhalten. Das Programm wurde daraufhin - unter dem Protest zahlreicher Geschäftsreisender - umgehend einstellt.

Vor dem Hintergrund dieses verstärkten Sicherheitsnetzes überrascht es Experten, dass El Kaida offenbar immer noch Flugzeuge als Waffen benutzen will. «Man würde meinen, dass es wesentlich einfachere Ziele geben müsste, die nicht so viel Aufwand erfordern würden», sagt Laird. Schliesslich stellen sich den Terroristen im Luftverkehr heute wesentlich mehr Hindernisse entgegen als noch vor zwei Jahren: Die Türen zu den Cockpits sind inzwischen alle aus Stahl, spezielle Luftmarschalls begleiten die Flüge, und die Piloten sind bewaffnet.

Einigen Politikern in den USA gehen die strengeren Vorkehrungen aber noch nicht weit genug. Der republikanische Abgeordnete Edward Markey rief die Regierung am Montag auf, die Kontrolle von Frachtgütern zu verstärken. Deren mangelhafte Überprüfung sei «das offensichtlichste Schlupfloch im Sicherheitssystem unseres Luftverkehrs», sagte Edward, der auch dem Heimatschutzkomitee des Kongresses angehört. «Kommerzielle Fracht wird nicht physisch überprüft, selbst wenn sie an Bord von Passagiermaschinen transportiert wird.» (dapd)

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