Aktualisiert 27.09.2005 15:26

Terroranschlag auf Pariser Metro geplant

Mit der jüngsten Festnahme von neun Terrorverdächtigen hat die französische Polizei möglicherweise einen Grossangriff im Raum von Paris verhindert.

Die Zeitung «Le Figaro» berichtete am Dienstag, die zerschlagene Terrorzelle habe Anschläge auf die Metro, einen Flughafen und die Zentrale des Inlandsgeheimdiensts DST geplant. Diese Information hätten die französischen Behörden vor einigen Wochen von einem ausländischen Geheimdienst erhalten.

Die Polizei hatte am Montag neun Terrorverdächtige festgenommen, die der algerischen Salafistengruppe GSPC mit mutmasslichen Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida angehören sollen. Bei mehreren der Inhaftierten handelt es sich laut «Figaro» um Sprengstoffexperten. Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy erklärte am Dienstag in einer Ansprache vor Polizisten: «Was in Madrid oder London oder New York passiert ist, hätte auch hier geschehen können und könnte noch geschehen.» Direkt zu dem Zeitungsbericht äusserte er sich allerdings nicht.

Zuvor hatte der Innenminister einen Ausbau der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen angekündigt. Ferner sollten Internetcafés zur Speicherung ausführlicherer Daten verpflichtet werden, sagte Sarkozy dem Sender France-3 am Montagabend. Ein entsprechender Gesetzentwurf werde im Oktober ins Kabinett eingebracht. Darin sei auch vorgesehen, verdächtige Auslandsreisen besser zu überwachen. Es sei nicht normal, dass ein Franzose plötzlich für vier Monate nach Afghanistan reise oder für drei Monate nach Syrien. «Wir wollen wissen, wer wohin fährt, für wie lange, und wann er wieder zurückkommt», betonte Sarkozy.

Im Verlauf des Interviews schien er sich auch auf die kurz vor der Ausstrahlung erfolgten Festnahmen zu beziehen. Dem Sender zufolge wurde das Gespräch allerdings schon fünf Tage vorher aufgezeichnet. Dies löste in Frankreich eine Kontroverse über die Frage auf, ob der Minister bestimmte Journalisten gezielt auf die bevorstehenden Razzien hingewiesen haben könnte. Jedenfalls seien Reporter bei der Aktion am Montagabend prompt zur Stelle gewesen. Sarkozys Sprecher Franck Louvrier wies diese Spekulationen als politische Polemik zurück.

Der Minister erklärte in dem Interview weiter, die Anschläge vom 7. Juli in London hätten den französischen Behörden deutlich gemacht, dass die Videoüberwachung auch hier zu wünschen übrig lasse. Sie solle künftig in Bahnhöfen, Flughäfen und anderen öffentlichen Orten verstärkt zum Einsatz kommen. Synagogen und grosse Geschäfte müssten ebenfalls Videokameras installieren und die Aufnahmen länger speichern dürfen als einen Monat, wie zurzeit möglich.

Darüber hinaus wolle die Regierung Internetcafés zum Speichern detaillierterer Daten verpflichten, damit Terroristen die Cafés nicht anonym nutzen könnten. Auch Telefonfirmen müssten Daten für mindestens ein Jahr speichern, damit Ermittler sehen könnten, «wer wen, wann und wo anrief». Mit Bezug auf die Bedenken von Datenschützern erklärte Sarkozy, die grösste Freiheit bestehe darin, ohne Angst um das eigene Leben die Metro oder den Bus benutzen zu können. (dapd)

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