Terroranschlag auf US-Botschaft in Athen
Aktualisiert

Terroranschlag auf US-Botschaft in Athen

Am frühen Morgen wurde in der griechischen Hauptstadt eine Artilleriegranate auf die Botschaft der Vereinigten Staaten abgefeuert. Zwei Unbekannte übernahmen telefonisch die Verantwortung.

Die Front der Botschaft wurde nach Polizeiangaben beschädigt, Verletzte habe es nicht gegeben. Der Minister für öffentliche Ordnung, Vyron Polydoras, sprach von einem vermutlich von Linksextremisten verübten Terroranschlag.

«Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies die Tat einer einheimischen Gruppe ist», erklärte Polydoras. Der Anschlag solle offenbar die internationalen Beziehungen Griechenlands belasten. Die Polizei prüfte nach Angaben des Ministers die Authentizität von Bekenneranrufen, in der die militante Gruppe Revolutionärer Kampf die Verantwortung übernahm. Ein oder zwei solcher Anrufe seien bei einer privaten Sicherheitsfirma eingegangen, sagte Polydoras. Der Revolutionäre Kampf hatte sich auch zu einem Bombenanschlag auf Kulturminister Giorgos Voulgarakis im Mai 2006 bekannt, bei dem niemand verletzt wurde.

Griechenland verurteile den Anschlag scharf, betonte Polydoras. Er kündigte eine Sonderermittlungsgruppe der Polizei an. Den Vorsitz soll ein ehemaliger Leiter des Anti-Terror-Einsatzes haben, bei dem 2002 die Untergrundorganisation 17. November zerschlagen wurde.

Botschafter Charles Ries zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Explosion kurz vor 06.00 Uhr Personen in dem Gebäude auf. Er bestätigte, dass niemand verletzt worden sei. Auch der Schaden halte sich in Grenzen. Ries wertete den Anschlag dennoch als «sehr schwerwiegenden Angriff». Für einen solch sinnlosen Gewaltakt gebe es keine Rechtfertigung. Es habe auch keinerlei Vorwarnung gegeben.

Die Granate schlug auf Höhe des dritten Stockwerks ein, knapp neben dem Botschaftsemblem. In umliegenden Gebäuden barsten Fensterscheiben. Die Abschussvorrichtung für die Granate wurde offenbar auf einer Baustelle in der Nähe des Botschaftsgebäudes entdeckt. Strassen in der Umgebung wurden gesperrt, die Polizei durchsuchte mehrere Wohnhäuser und ein Krankenhaus.

Die griechische Aussenministerin Dora Bakojannis fand sich nach der Explosion in der US-Botschaft ein und bekundete die Solidarität ihres Volkes. Ihre Regierung werde alles Erdenkliche tun, damit sich so eine Tat nicht wiederhole.

Der Anschlag war der erste grössere auf ein amerikanisches Ziel in Griechenland seit mehr als zehn Jahren. Die Gruppe 17. November hatte 1996 einen ähnlichen Anschlag auf die US-Botschaft verübt. Die Organisation wurde für Anschläge mit 23 Todesopfern verantwortlich gemacht, darunter auch US-Vertreter. Dem Revolutionären Kampf und einer weiteren Gruppe werden Anschläge auf drei Ministerien im Jahr 2005 vorgeworfen.

(sda/ap)

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