Aktualisiert 08.02.2010 18:43

NordirlandTerrorgruppen legen Waffen nieder

Drei weitere Terrorgruppen in Nordirland haben ihre Waffen niedergelegt. Zwei pro-irische und eine pro-britische Gruppierung gaben dies kurz vor Ablauf einer Frist zur Abgabe der Waffen bekannt.

Kündigen die Niederlegung der Waffen ihrer Organisation an. Sprecher der Irish National Liberation Army (INLA), von links: Gerard Murray, Martin Mc Monagle, Willie Gallagher und Martin Mc Ilkerney.

Kündigen die Niederlegung der Waffen ihrer Organisation an. Sprecher der Irish National Liberation Army (INLA), von links: Gerard Murray, Martin Mc Monagle, Willie Gallagher und Martin Mc Ilkerney.

Martin McMonagle von der Irisch-Republikanischen Sozialistischen Partei, dem politischen Arm der Irish National Liberation Army (INLA), sagte am Montag auf einer Pressekonferenz in Belfast, alle Waffen seien unter Kontrolle der Unabhängigen Internationalen Kommission zur Entwaffnung (IICD) entsorgt worden.

Die 1997 gegründete, mit der Abrüstung paramilitärischer Gruppen betraute Kommission sollte am Dienstag offiziell aufgelöst werden. Danach drohen Paramilitärs für den Besitz von Waffen strafrechtliche Verfolgungen und Gefängnisstrafen.

Die 1975 gegründete INLA kämpfte mit zahlreichen Gewalttaten gegen die britische Präsenz in Nordirland. Sie verübte unter anderem 1979 auf dem Parkplatz des britischen Unterhauses ein tödliches Attentat auf Airey Neave, einen engen Berater der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher. Insgesamt wird die Miliz für den Tod von 147 Menschen bis zum Jahr 2001 verantwortlich gemacht.

Letzter UDA-Ableger

Auch die kleinere Official IRA (OIRA) teilte mit, die Entwaffnung abgeschlossen zu haben. Der Abspaltung der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) werden 55 Morde zur Last gelegt. Seit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommen Anfang der 70er Jahre war die Gruppe allerdings kaum noch in Erscheinung getreten.

Grossbritanniens Premierminister Gordon Brown sagte am Montag in London, dass nun auch der letzte Ableger der protestantischen Ulster Defence Association (UDA) waffenfrei sei. Die South-East Antrim UDA ist eine von sechs paramilitärischen Brigaden der pro-britischen Untergrundorganisation.

Tausende Tote

In Nordirland kämpften pro-irische Katholiken und pro-britische Protestanten Jahrzehnte lang gegeneinander. In dem Konflikt starben mehr als 3500 Menschen.

Mehrere Terrorgruppen, darunter die protestantische Ulster Volunteer Force (UVF) und die Ulster Defence Association (UDA), hatten in den vergangenen Monaten ihre Waffen niedergelegt. Die bekannteste nordirische Terrororganisation, die katholische IRA, hatte vor fast fünf Jahren ihre Waffen zerstört.

Katholiken und Protestanten hatten nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 nach drei Jahrzehnten blutigen Kampfes eine gemeinsame Regionalregierung für Nordirland gebildet, das zwischenzeitlich wieder unter direkter Verwaltung Grossbritanniens stand.

Vergangene Woche einigten sich die pro-irische Sinn Fein und die pro-britischen Protestantenpartei DUP nach zähem Ringen auf eine Polizei- und Justizreform. Damit ebneten sie den Weg für eine grössere Eigenständigkeit Nordirlands. (sda)

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