Anklageschrift gegen Terrorist von Morges liegt vor

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BellinzonaTerrorist (29) von Morges tötete wahllos in Kebabimbiss – Anklageschrift liegt vor

Die Anklageschrift für den Prozess, der am 12. Dezember startet, ist fertig. Laut Anklage ist der Mordfall von Morges der erste Fall von islamistisch motiviertem Terrorismus in der Schweiz.

von
Reto Bollmann
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In Morges kam es 2020 zu einem dschihadistisch motivierten Attentat, bei dem ein Mann erstochen wurde.

In Morges kam es 2020 zu einem dschihadistisch motivierten Attentat, bei dem ein Mann erstochen wurde.

20 Minuten/News-Scout
Nun liegt die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft vor, welche den Weg der Radikalisierung des Täters Ömer A. nachzeichnet.

Nun liegt die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft vor, welche den Weg der Radikalisierung des Täters Ömer A. nachzeichnet.

Michela Locatelli/Freshfocus
Den Behörden waren Ömer A. und dessen Gefährlichkeit zum Tatzeitpunkt schon lange bekannt.

Den Behörden waren Ömer A. und dessen Gefährlichkeit zum Tatzeitpunkt schon lange bekannt.

imago images / GFC Collection

Darum gehts

  • Der Prozess gegen den islamistischen Terroristen, der in Morges VD einen Mann erstach, beginnt am 12. Dezember.

  • Die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft zeichnet die Radikalisierung des Täters Ömer A. nach.

  • Den Behörden waren Ömer A. und dessen Gefährlichkeit zum Tatzeitpunkt schon lange bekannt.

Ömer A. ist im Gefängnis kürzlich 29 Jahre alt geworden. Der türkischstämmige Mann tötete am 12. September in Morges VD einen Gast in einem Kebabimbiss. «Das Opfer, das an einem Tisch der gedeckten Terrasse sass, erlag am Tatort den Verletzungen», schreibt die Bundesanwaltschaft in der am Montag veröffentlichten 15-seitigen Anklageschrift.

Dem Portugiesen im Imbiss wurde ein 20 Zentimeter langes Küchenmesser in den Rücken gerammt. Gemäss Strafverfolgungsbehörden handelt es sich dabei um ein Zufallsopfer und um das erste Todesopfer von islamistischem Terrorismus in der Schweiz, wie die Zeitungen von CH Media schreiben.

Täter radikalisierte sich weiter

Obwohl der Täter, ein Bürger des Lausanner Vororts Prilly, den Behörden schon lange Zeit bekannt war, radikalisierte sich dieser weiter und wurde nie gestoppt. Seit 2017 befand sich der radikalisierte und psychisch instabile Ömer A. auf einer sogenannten Gefährderliste. A. verbreitete Propaganda des Islamischen Staats und war Teil der örtlichen Drogen- sowie der regionalen Islamistenszene.

Mit «Emir» Milutin J., einem anderen Islamisten aus dem Kanton Waadt, tauschte sich Ömer A. aus und besprach die Möglichkeiten für Attacken in Europa. «Tränen des Bluts» nannten die beiden ihre Pläne. Ömer A. wollte im April 2019 nach Syrien reisen, brach das Vorhaben jedoch ab und scheiterte kurz darauf am Versuch, eine Tankstelle in Prilly zu sprengen.

Grosser Massnahmekatalog, kleine Wirkung

Nach einer 15-monatigen Haftstrafe ordnet das Zwangsmassnahmengericht Bern Massnahmen an, um A. zu kontrollieren. Ihm wird der Pass entzogen, eine Meldepflicht bei der Polizei auferlegt, und er darf ab sofort nicht mehr seinen Kanton verlassen. Hinzu kommen Hausarrest, ein Besuchsverbot sowie die Einquartierung in einem Hotel, da gemäss den Waadtländer Behörden kein Platz in einer psychiatrischen Einrichtung zu finden war.

Obwohl die Massnahmen zunächst Wirkung zu zeigen scheinen, kauft sich Ömer A. am 12. September 2020 ein Küchenmesser und will sich ein Opfer suchen. Insgesamt elfmal läuft A. an einem Kebabimbiss vorbei, bevor er schliesslich den 29-jährigen Portugiesen, der mit seinen Freunden dort ist, ersticht. Der Massnahmekatalog von A. enthielt auch das explizite Verbot, «eine Waffe zu beschaffen, zu tragen oder zu benutzen».

Täter wollte «Propheten rächen»

Tags darauf folgt die Verhaftung des Täters A., der angibt, er habe mit der Attacke den Propheten rächen wollen. An anderen Orten in Europa finden zeitlich kaum versetzt ebenfalls Messerattacken islamistischer Terroristen statt.

Nun muss sich Ömer A. ab dem 12. Dezember vor dem Bundesstrafgericht verantworten. Er ist wegen Mordes, versuchter vorsätzlicher Tötung, einfacher Körperverletzung, Verursachung einer Explosion, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz, einfacher Körperverletzung, Verstosses gegen das IS-Verbot, Gewaltdarstellung sowie Brandstiftung angeklagt.

In Haft Körperverletzung begangen

Ein Teil der Anklagepunkte geht dabei auf die Haftzeit von A. zurück, denn er griff einen Aufseher mit einem Kugelschreiber an. Zudem schlug er einen Bundespolizisten nach einem Verhör mit der Faust, wie die Zeitungen von CH Media schreiben.

Eltern, Bruder und Partnerin des verstorbenen Portugiesen treten im Prozess als Privatkläger auf. Die Anwältin von Ömer A. war für eine Stellungnahme nicht verfügbar, betonte jedoch, dass ihr Mandant sich im vorzeitigen Vollzug befindet. 

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