Aktualisiert 11.11.2004 08:02

Terrorist und Nobelpreisträger

Auch nach seinem Tode bleibt Arafat eine der umstrittensten Persönlichkeiten der modernen Geschichte: Ein zutiefst verehrter «Vater der Nation» für die einen, ein korrupter «Erzterrorist» für die anderen.

Auch nach seinem Tode bleibt Arafat eine der umstrittensten Persönlichkeiten der modernen Geschichte: Ein zutiefst verehrter «Vater der Nation» für die einen, ein korrupter «Erzterrorist» für die anderen. Seinen grössten Traum, die Einrichtung eines unabhängigen Palästinenserstaates, konnte er nicht verwirklichen.

Der Anfang des von Mythen umwobenen Lebenswegs der «Sphinx von Gaza» liegt im Dunkeln. Er wurde 1929 geboren als Rahman Abdel Rauf Arafat al Kudwa al Husseini, vermutlich in Kairo. Er nannte als seinen Geburtsort jedoch das Symbol des palästinensischen Unabhängigkeitsstrebens, das von Muslims als «Al Kuds» (die Heilige) verehrte Jerusalem.

Dem Tod begegnete er schon früh: Seine Mutter Sahwa, nach der Arafat später auch seine einzige Tochter benannte, starb, als er erst vier Jahre alt war. Sein Vater, ein reicher Textilhändler, schickte den Knaben zu dessen Onkel nach Jerusalem.

Seinen politischen Werdegang begann er nach einem Ingenieursstudium in Kairo als Studentenführer im damals ägyptisch verwalteten Gazastreifen. Als ägyptischer Offizier kämpfte er 1956 im zweiten Nahostkrieg gegen Israel.

Geschäftsmann und Kämpfer

Nach mehreren Jahren in Kuwait, wo er als Bauingenieur sehr erfolgreiche Geschäfte unternahm, kehrte er in den Gazastreifen zurück und gründete die Fatah-Bewegung. Er sollte sie fast vier Jahrzehnte lang führen. 1969 wurde er Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO).

Seine Organisation bekämpfte Israel von Jordanien aus mit Terror, bis der damalige König Hussein sich von den palästinensischen Gruppierungen bedroht fühlte. Im «Schwarze September» 1970 schlugen jordanische Truppen einen Aufstand unter den Palästinensern blutig nieder.

Aus ihrem neuen Unterschlupf in Libanon wurde die PLO-Führung dann im Libanonkrieg 1982 erneut vertrieben. Seine letzte Exilstation fand Arafat in Tunesien, wo er auch seine Sekretärin Suha Tawil heiratete.

Während des ersten Palästinenseraufstands im Westjordanland und Gazastreifen rief Arafat 1988 ein unabhängiges Palästina aus. Auf Friedenskurs mit Israel schwenkte der mit dem ewigen schwarz- weissen Kopftuch und einer paramilitärischen Uniform gekleidete PLO- Chef nach der Niederlage des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, auf den er gesetzt hatte, im Golfkrieg von 1991.

Friedensbemühungen

Nach Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen Friedensabkommen 1993 kehrte Arafat in seine Heimat zurück. Die Friedensbemühungen weckten Hoffnungen auf eine dauerhafte Lösung in Nahost - Arafat, Izchak Rabin und Schimon Peres wurden dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Fast 90 Prozent der Palästinenser wählten den PLO-Chef 1996 zu ihrem Präsidenten.

Doch die Ermordung Rabins durch einen jüdischen Fanatiker versetzte dem ohnehin zerbrechlichen Friedensprozess den Todesstoss. Im Sommer 2000 scheiterte die Friedenskonferenz von Camp David, auf der Arafat, der israelische Ministerpräsident Ehud Barak und der damalige US-Präsident Bill Clinton über eine Dauerlösung für Nahost verhandelten. Kurz darauf begann der zweite Palästinenseraufstand, der Tausenden auf beiden Seiten das Leben kostete und Arafats Abstieg besiegelte.

(sda)

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