CIA nach 9/11: Terroristen bis an «Grenze zum Tod» gefoltert
Aktualisiert

CIA nach 9/11Terroristen bis an «Grenze zum Tod» gefoltert

Der US-Geheimdienst CIA ging mit Al-Kaida-Führungsfiguren brutaler um als bisher angenommen. Ein Senatsbericht darüber wird in einigen Wochen veröffentlicht.

von
sut

Die Verhörmethoden des CIA in den Jahren nach den Angriffen vom 11. September 2001 gingen weit über das bekannte Waterboarding hinaus. Bei führenden Mitgliedern der Terrororganisation Al Kaida sollen nicht nur die Gesichter von einem Tuch bedeckt und mit Wasser übergossen worden sein. Der CIA habe ihre Köpfe in gefüllte Badewannen getaucht und «bis an die Grenze zum Tod» unter Wasser gehalten, sagt ein anonym bleibender Geheimdienstmitarbeiter.

Der CIA-Mann offenbarte sich einem Reporter des britischen «Daily Telegraph». Nach seinen Aussagen wurden mindestens zwei Al-Kaida-Führungsfiguren dieser Behandlung unterzogen, darunter Khalid Sheikh Mohammed, der «Mastermind» der 9/11-Angriffe: «Ein Arzt war zugegen um sicherzustellen, dass man nicht zu weit ging. Es war wirkliche Folter.»

Bericht schwer zensiert

Details über die Verhöre von Mohammed, vom früheren Bin-Laden-Mitarbeiter Abu Zubaydah und vom Bombenleger Abd al-Rahim al-Nashiri sind in einem ausführlichen, aber noch unveröffentlichten Bericht des US-Senats enthalten. Der Bericht wurde vom Geheimdienstausschuss der kleinen Kongresskammer erstellt und umfasst mehrere Tausend Seiten. Ende August sollte eine Zusammenfassung von 480 Seiten veröffentlicht werden. Nur schon diese Kurzversion werde die Öffentlichkeit «tief schockieren», sagte eine zweite Geheimdienstquelle zum «Telegraph».

Die Veröffentlichung ist jedoch um mindestens einen Monat hinausgeschoben worden. Der Grund ist ein erbitterter Streit zwischen dem Ausschuss und dem CIA darüber, wie stark in der Zusammenfassung zensiert werden soll. Der Geheimdienst besteht darauf, dass Namen, Ortsangaben und sogar Pseudonyme mit schwarzen Balken abgedeckt werden. Unter anderem soll damit die Identität von Mitarbeitern geschützt werden.

Keine Antwort auf Frage: Wo wurde gefoltert?

Falls sich der CIA durchsetzt, wird der Bericht zum Beispiel die Namen von zwei Psychologen verschweigen, die zu Rate gezogen wurden. Wie Jason Leopold von «Vice» schreibt, sollen die als «Architekten des Verhörprogramms» geltenden Doktoren Bruce Jessen und James Mitchell nicht mit Namen erwähnt werden, obwohl ihre Identität bereits in einem anderen Bericht des Streitkräfteausschusses enthüllt wurde.

Ebenso soll verschwiegen werden, in welchen Ländern der CIA seine hoch geheimen «black sites» - «schwarze Gefängnisse» - unterhielt und folterte. Dabei ist längst bekannt, dass derartige Verhöre zum Beispiel in Polen stattfanden. Hier argumentiert der Geheimdienst, eine namentliche Erwähnung der Staaten würde deren künftige Mitarbeit in Frage stellen. Für den Kenner Leopold wären diese Streichungen - sie sollen 15 Prozent des Texts umfassen - für die Bedeutung des Berichts fatal. Sie würden den «Anspruch des Ausschusses unterhöhlen, die definitive Geschichte des Folterprogramms geschrieben zu haben».

Kampf noch nicht entschieden

Deshalb kämpft die demokratische Senatorin Dianne Feinstein als Vorsitzende des Ausschusses verbissen für weniger Abdeckungen im Text. Ein Wort wird sicher auch der US-Präsident mitreden. Barack Obama hat die Foltermethoden seines Vorgängers nach dem Amtsantritt verboten, doch vorderhand stellt er sich schützend vor den CIA und dessen Direktor.

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